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11.01.2017 Von: Pia Meier

Zürich West

Kontroverse um die zukünftige Nutzung des Carparkplatzes

Die mittel- und langfristige Nutzung des Carparkplatzes soll der Gemeinderat entscheiden. Ein Kongresszentrum stösst im Kreis 5 auf Ablehnung.

Für die künftige Nutzung des Carparkplatzareals wurden dem Stadtrat von verschiedenen Seiten Ideen und Projektvorschläge vorgebracht. Einerseits liegt ein Businessplan der Immobilienentwicklerin Mobimo für ein Kongresszentrum vor, andererseits wurde im Gemeinderat eine Motion von SP, Grünen, GLP und AL eingereicht, die verlangt, dass die Planung für das Carparkplatzareal in einem offenen und partizipativen Prozess erfolgen soll. Zudem hat das Forum 5im5i die Petition «Vielfalt statt Einfalt am HB: Kein Kongresszentrum auf dem Carparkplatz» lanciert. «Wofür das Areal mittel- und langfristig verwendet werden soll, muss im politischen Prozess im Gemeinderat entschieden werden», hält der Stadtrat in einer Mitteilung fest. (pm.)

Kontra und Pro Kongresshaus auf dem Carparkplatz

Kontra: «Wir fordern einen offenen und partizipativen Prozess.»

Simon Diggelmann, SP-Gemeinderat Kreis 4+5 und Mitunterzeichner der Motion, die verlangt, dass die Planung für das Carparkplatzareal in einem offenen und partizipativen Prozess erfolgen soll.

Simon Diggelmann, ist der Carparkplatz neben dem HB ein guter Ort für den gemeinnützigen Wohnungsbau?
Dass wir in unserer Motion nur gemeinnützigen Wohnungsbau fordern, ist eine Behauptung, die medial verbreitet wurde. Dies würde dem Potenzial dieses Standorts genauso wenig gerecht wie eine monofunktionale Nutzung als Kongresszentrum. Was wir fordern, ist ein offener und partizipativer Prozess mit dem Ziel, an diesem städtebaulich wichtigen Ort eine quartierverträgliche Entwicklung umzusetzen. Die zukünftige Nutzung soll breit abgestützt erarbeitet werden. Dabei sind die wohn-, energie- und verkehrspolitischen Aufträge der Bewohnerinnen und Bewohner dieser Stadt zu berücksichtigen. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben in den letzten Jahren wiederholt mit grosser Mehrheit bestätigt, was ihnen in Zürich als Wohn- und Arbeitsort wichtig ist. Ich persönlich kann mit gut vorstellen, dass darin auch ein Anteil gemeinnütziger Wohnungsbau enthalten ist. Wichtiger ist aber, dass der Nutzungsmix insgesamt stimmt und dem Quartier und der Stadt einen Gewinn bringt.

Sollte nicht auch Wirtschaft und Gewerbe an diesem Ort Platz geboten werden?
Selbstverständlich. Das Quartier bietet bereits heute diversen KMU und der Kreativwirtschaft Platz und Raum zu vergleichsweise günstigen Konditionen. Dies gilt es zu erhalten und zu fördern. Das Paradoxe am Kongresszentrum wäre ja genau, dass sich dieses allenfalls preistreibend auf die Umgebung auswirkt und günstigen Raum für lokales Gewerbe verdrängen würde. Dies gilt es zu verhindern. Der Kreis 5 ist durch seine Vielfalt lebendig und urban. Eine Entwicklung auf dem Carparkplatzareal soll sich als passender Puzzelstein in die bestehenden Strukturen eingliedern.

Der Carparkplatz ist auf eine zentrale Lage wie die jetzige angewiesen. Welche Lösung sehen Sie bei Ihrer Variante?
Wir fordern in der erwähnten Motion, dass die Integration des Carparkplatzes zu prüfen ist. Sollte sich zeigen, dass dies nicht möglich ist, wären in einer Standortevaluation geeignete Alternativen zu suchen. Wichtig erscheint mir dabei eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr, um die Erreichbarkeit zu gewährleisten. Die Promotoren des Kongresszentrums blenden diese Frage konsequent aus und bieten diesbezüglich keine Lösung. Wer sich über das Areal Gedanken macht, muss auch auf die Standortfrage des Carparkplatzes eine Antwort haben.

Die ETH, die Uni und Zürich Tourismus behaupten, dass ein grosses Bedürfnis für grosse Kongresse besteht. Wie sehen Sie das?
Diesem Bedürfnis widerspreche ich nicht, jedoch ist der Carparkplatz für mich nicht der richtige Standort dafür. Worauf die Hochschulen vielmehr angewiesen sind, sind gute Bedingungen für Start-ups und für Unternehmen, die Zürich zusammen mit der hauseigenen Forschung und Entwicklung als Wissens- und Innovationsstandort attraktiv machen und vorantreiben.

Welche Auswirkungen hätte der Bau eines Kongresshauses auf den Carparkplatz und den vorderen Kreis 5?
Eine solche Nutzung würde die Geschichte und den Charakter des vorderen Kreis 5 und des Carparkplatzareals komplett negieren. Städtebauliche Entwicklungen in bestehenden Strukturen müssen sich mit dem Charakter und der Identität der Umgebung auseinandersetzen und sich daran orientieren. Ein Standortentscheid darf nie aus subjektiver Opportunität heraus gefällt werden.

Das Land gehört ja der Stadt. Wie weit sind Ihre Verhandlungen mit der Stadt gediehen?
Solche haben bei uns nicht stattgefunden. Dies würde mich jedoch von den Promotoren des Kongresszentrums sehr interessieren. Ohne unsere Motion hätten sie ihre Pläne wohl noch länger geheimgehalten.

 

Pro: «Wirtschaftlich sind grosse Kongresse interessant.»

Elmar Ledergerber, Präsident der IG Kongress-Stadt, alt Stadtpräsident und ehemaliger Präsident von Zürich Tourismus.

Elmar Ledergerber, ist der Carparkplatz neben dem HB ein guter Ort für ein Kongresshaus?
Von allen heute noch verfügbaren Standorten in der Stadt Zürich ist der Carparkplatz mit Abstand der beste Ort für ein Kongresszentrum. Er ist wahrscheinlich in der Schweiz der am besten mit öV erschlossene Standort. Alle interessanten Orte in der Innenstadt inklusive See sind zu Fuss bequem erreichbar. Die meisten Kongressbesucher kommen mit dem Zug bzw. mit dem öV über den Flughafen an und sind somit in wenigen Minuten am Ziel.

Sollte an diesem Ort nicht auch dem gemeinnützigen Wohnungsbau Platz geboten werden?
Wir haben in den letzten Jahren Tausende von gemeinnützigen Wohnungen, die von der Stadt und von den Steuerzahlenden für Menschen mit tiefen Einkommen bzw. für Ausländerinnen und Ausländer verbilligt werden, gebaut. Das ist richtig und wichtig. Aber wir haben heute in Zürich viel mehr solche vergünstigten Wohnungen als die umliegenden Gemeinden. Für eine wirtschaftlich und sozial gesunde Stadtentwicklung ist eine gute regionale Verteilung der verbilligten Wohnungen wichtig. Auf jeden Fall ist der Bau von subventionierten billigen Wohnungen an den am besten erschlossenen und somit teuersten Standorten der Stadt falsch und wirtschaftlich ein Eigengoal.

Der Carparkplatz ist auf eine zentrale Lage angewiesen. Welche Lösung sehen Sie bei Ihrer Variante?
Der internationale Carverkehr konkurrenziert die Eisenbahn und verursacht deutlich mehr Umweltbelastungen als die SBB. Es kann darum weder für die Stadt noch für unsere Umweltpolitik das Ziel sein, den Carverkehr besonders zu fördern. Ein grosser Teil der Carpassagiere wird von Bekannten oder Familienmitgliedern mit dem Auto zum Carparkplatz gebracht und auch wieder abgeholt. All das bringt in der Stadt zusätzliche Luft- und Lärmbelastungen. Der Carparkplatz muss nicht in der Innenstadt, quasi innerhalb des Hauptbahnhofs, sein. Jeder gut bediente S-Bahnhof mit den nötigen Parkflächen kann eine bessere Lösung darstellen.

Die ETH, die Uni und Zürich Tourismus behaupten, dass ein grosses Bedürfnis für grosse Kongresse besteht. Wie sehen Sie das?
Es ist heute leider so, dass viele der besonders interessanten Wissenschafts- und Forschungskongresse ins Ausland ausweichen müssen, weil wir in Zürich die nötigen Infrastrukturen nicht anbieten können. In den letzten zehn Jahren haben wir wahrscheinlich Hunderte solcher Kongresse nicht aufnehmen können, obschon die Organisatoren noch so gerne nach Zürich kämen. Wirtschaftlich sind diese Kongresse für die Stadt hochinteressant. Man rechnet, dass pro Teilnehmer bis zu 500 und mehr Franken pro Tag ausgegeben werden. Ein Kongresszentrum der vorgesehenen Grösse würde in Zürich 2000 bis 3000 Arbeitsplätze direkt und indirekt schaffen. In einer Zeit, in der die Zukunft des Bankenplatzes unsicher ist und der starke Schweizer Franken immer mehr industrielle Arbeitsplätze ins Ausland treibt, ist dies für Zürich eine äusserst wichtige Entwicklungschance.

Welche Auswirkungen hat ein Kongresshaus auf den Kreis 5?
Für das Quartier überwiegen die positiven Effekte. Es wird keine Verdrängung von Wohnraum geben, da die Kongressteilnehmer nicht im Quartier wohnen wollen. Ein heute ziemlich toter städtischer Bereich wird belebt, bringt Arbeit und urbane Qualität. Es ist sicher vernünftig, den Wohnanteilplan sorgfältig zu überprüfen und anzupassen. Aber sonst ist das Kongresszentrum ein weiterer starker Grund, die unerwünschte unterirdische Autobahn nicht zu bauen. Zudem ergibt sich durch eine Verlegung des Carparkplatzes eine lufthygienische Entlastung im Kreis 5.

Das Land gehört ja der Stadt. Wie weit sind Ihre Verhandlungen mit der Stadt gediehen?
Die Gespräche sind auf gutem Weg. Aber das letzte Wort werden der Gemeinderat und das Zürcher Volk haben. (Interviews: Pia Meier)

 

 



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