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11.01.2017 Von: Béatrice Christen

Zürich Nord

Strassenhunde streunen durch den Wald


Wildhüter Erwin Nüesch mit seinen zwei Hunden, der Zwergdackelhündin Diva und dem erst einige Wochen alten Weimaranerwelpen Jeika. Foto: ch.

Streunende Strassenhunde halten sich oft in Zürcher Wäldern auf und ernähren sich selber. Sie sind teilweise krank und betrachten den Menschen als ihren Feind. Sie wurden aufgrund von falsch verstandener Tierliebe aus Osteuropa in die Schweiz importiert.

Immer wieder hängen im Wald an Baumstämmen Plakate, die auf den Verlust eines Hundes hinweisen. Oft sind solche Anzeigen wochenlang angebracht. Doch was sind das für Hunde, die allein herumstreunen? Es sind Tiere, die aus Moldawien, Rumänien oder anderen osteuropäischen Ländern – zum Teil auch aus Spanien – in die Schweiz gebracht werden. Die meisten von ihnen fristen ihr Dasein seit Generationen auf der Strasse. Sie suchen ihr Futter selber, sind wild und oft aggressiv. Diese Tiere kennen den Kontakt zu den Menschen nicht und lassen sich denn auch kaum anfassen, geschweige denn streicheln. Wer einen solchen Hund aus dem Tierheim holt oder ihn illegal einführt, tut ihm keinen Dienst. Auch steht der neue Hundebesitzer oft vor unlösbaren Problemen, weil es einfach nicht möglich ist, einem Strassenhund in unserem Land ein für ihn befriedigendes Leben anzubieten.

Hunde werden illegal importiert
«Zürich Nord» hat mit dem Wildhüter Erwin Nüesch gesprochen, der selber zwei Hunde besitzt, und erfahren, dass allein letztes Jahr fünf Hunde während längerer Zeit abgängig waren. Einer streunte drei Monate herum und konnte nur dank dem aufwendigen und teuren Einsatz des Grosstierrettungsdienstes in der Nähe des Tierheims Hönggerberg eingefangen werden. Erwin Nüesch betont: «Die Kosten für die Bewilligung der Behörden zum Abschuss dieses Hundes mit einem Betäubungsgewehr und für den Einsatz selber müssen in solchen Fällen vom Hundebesitzer übernommen werden.» Ein anderer Hund, der nachweislich illegal importiert wurde, streunte viele Wochen in der Umgebung der Ziegelhütte und im Wohnquartier Schwamendingen herum. Er war, da er sich nicht einfangen liess und immer wieder Menschen anknurrte, eine Gefahr. Aus diesem Grund wurde das Tier in einem aufwendigen Verfahren und nach langem Erwägen von den Behörden zum Abschuss freigegeben. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Vierbeiner verirrte sich vor mehr als einer Woche auf die Autobahn und wurde überfahren.

Keine Zukunft für wilde Hunde
Wer einen Hund bei sich aufnehmen möchte, tut gut daran, sich über dessen Herkunft genau zu informieren. In den Tierheimen gibt es genügend Hunde aus der Schweiz, die umständehalber einen neuen Platz suchen. Strassenhunde aus dem Ausland fühlen sich in den wenigstens Fällen wohl bei uns. Das gilt übrigens auch für Welpen aus dem Ausland. Sie bringen ungünstige Erbanlagen mit, da ihre Vorfahren seit Generationen auf der Strasse lebten.

Hilfe vor Ort
Wer wilden Hunden helfen möchte, sollte dies mit einer Spende für Hilfe vor Ort tun. Sinnvoll sind in diesem Zusammenhang Kastrationseinsätze von Schweizer Tierärzten und das Einrichten von Futterstellen im Lebensraum der Strassenhunde. Erwin Nüesch bestätigt das und sagt: «Durch solche Massnahmen vor Ort kann die Not dieser Hunde gelindert werden. Strassenhunde haben – gemäss Hundegesetz – in unserem Land keine Zukunft. Wenn sie aber trotzdem hergeholt werden, beginnt ihr Elend. Weil ihre Besitzer in vielen Fällen überfordert sind, werden die Tiere immer wieder neu platziert. Ihre Aggressivität nimmt oft zu, es kommt zu Beissattacken, die Hunde werden zur Gefahr für Erwachsene, für Kinder, für artgerecht gehaltene Hunde und für die Wildtiere.» Fazit: Mit dem Import von Hunden aus falsch verstandener Tierliebe erweist man ihnen einen Bärendienst, den sie schlimmstenfalls mit dem Leben bezahlen müssen.

Das gibt zu denken!
«Zürich Nord» hat mit der Kantonstierärztin Regula Vogel Kontakt aufgenommen und erfahren, dass es keine Kontingente für den Import von Hunden aus dem Ausland gibt. Die Anzahl der eingeführten Hunde ist nach oben unbegrenzt. Wer legal Hunde einführen will, muss sich aber an die Vorgaben des Veterinäramts halten.
Auf die Frage nach der Anzahl der im letzten Jahr importierten Hunde erhielt «Zürich Nord» folgende etwas irritierende Antwort von Regula Vogel: «Solche Zahlen haben wir nicht. Aus der Statistik von ANIS 2015 geht hervor, dass 50 Prozent der neu angemeldeten Hunde aus dem Ausland stammen.» In dieser Zahl sind allerdings auch die importierten Rassenhunde enthalten.



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