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12.01.2017 Von: Annina Just

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Herrliberger zeigt verborgene Strukturen der Bergwelt


Mischa Crumbach zeigte an der «Photo17» sein Bild «Matrix» der Öffentlichkeit. Der Originalstein in seiner linken Hand ist von Auge fast nicht erkennbar. Foto: Annina Just

«Computer oder Natur?» Das fragt man sich beim Betrachten von Mischa Crumbachs Bildern. Mit seiner Serie «Design by Earth» war der Herrliberger einer der aussergewöhnlichsten Aussteller an der Photo17.

Mischa Crumbach will mit seiner Serie «Design by Earth» auf die manchmal nicht mehr so ganz klare Abgrenzung zwischen dem Natürlichen und dem Künstlichen hinweisen. «Wollen wir es überhaupt noch unterscheiden können?», fragt er in seinem Projektbeschrieb. Wir seien uns inzwischen daran gewöhnt, dass man mit Computern nahezu realitätsgetreue Abbildungen der Wirklichkeit produzieren kann. 
Doch auch wenn Crumbachs Bilder auf den ersten Blick alles andere als natürlich wirken, sie zeigen die Natur pur. Crumbach ist nämlich «Strahler». Das heisst, er sucht mit einer Eisenstange, dem sogenannten «Strahlstock», sowie Hammer und Meissel nach im Felsen verborgenen Mineralien. Unter dem Mikroskop aufgenommen und mehrere hundert Mal vergrössert, werden diese Steine dann zu seinen Fotomotiven. Auf diese Weise entsteht ein grafisches Bild, das nicht mehr unbedingt einem Stein zuzuordnen ist. «Es gefällt mir besonders, dass die Bilder bei jedem Betrachter unterschiedliche Assoziationen wecken», meint der 43-Jährige. An der «Photo17» hat der Herrliberger einige der abgelichteten Steine mit dabei: So gross wie eine halbe Fingerbeere lassen sich deren faszinierende Strukturen von Auge kaum erkennen. Doch rund 50 Mal vergrössert wird aus dem 15 Millimeter grossen Rutil-Stein aus dem Binntal das Bild mit dem Titel «The Matrix». 
Die Steine, die für die anderen Fotos Modell standen, sind zum Teil gar noch kleiner: Zur Serie gehören zum Beispiel auch «The Grid», das einen drei Millimeter kleinen Granat aus dem Misox zeigt, sowie «Tron», für das ein neun Millimeter kleiner Hämatit aus dem Binntal die Vorlage war. Wie Crumbach erklärt, ist das Binntal ganz im Nordosten des Kantons Wallis besonders reich an Mineralien. «Unter Strahlern ist es gar weltbekannt», erzählt er. Nun haben es zwei der Steine aus diesem kleinen Bergtal gar an die grösste Schweizer Fotografiewerkschau geschafft – wer weiss, vielleicht werden auch sie irgendwann grossen Ruhm erhalten. Mischa Crumbach erhofft sich von der Teilnahme an der Fotografie- Ausstellung vor allem, dass mehr Menschen ausserhalb der «Strahler-Szene» auf seine Werke aufmerksam werden.

«Ein Knochenjob» 
Die Leidenschaft für besondere Steine begleitet Crumbach seit seiner Kindheit. Das sei aber nichts Besonderes, meint er. «Jedes Kind hebt doch einen glitzernden Stein auf», sagt er lachend. Dabei bleiben würden allerdings nur sehr wenige. Crumbach tat es bis heute und ist wegen seiner Leidenschaft für die Berge sogar von Deutschland in die Schweiz gezogen. «Es ist ein Knochenjob », erklärt der ausgebildete Werkstoff-Ingenieur mit Doktortitel. Oft sei man in schwer zugänglichen Felssturzgebieten unterwegs oder müsse stundenlang den Fels bearbeiten, um eine hoffnungsvolle Stelle freizulegen. Vor vier Jahren begann Crumbach, seine Funde auch zu fotografieren. Vorerst als «normale» Fotos für Fachmagazine zum Thema Mineralien, doch irgendwann habe er entdeckt, dass es Spass mache, nur einen kleinen Teil des Steins zu zeigen. Nach und nach nehme sein Interesse am künstlerischen Aspekt zu, und er suche gezielt nach Steinen, die für abstrakte Fotos attraktiv sind. 
Damit ist Crumbach ein Pionier in der Gemeinschaft der Mineraliensammler. «Ich bin mir nicht bewusst, dass sonst schon jemand eine künstlerische Ausstellung dieser Art gemacht hat», sagt er, der mit Strahlern auf der ganzen Welt vernetzt ist. Natürlich gebe es einzelne Bilder, die schlichtweg «genial» seien, aber von einem Strahler, der aus seinen Funden bewusst eine Bilder-Serie mit künstlerischem Anspruch mache, wisse er nicht.

Aus 50 Bildern wird eines 
Das Aufnehmen der Fotografien ist dann auch eine sehr langwierige Prozedur. «Das Ausleuchten braucht sehr viel Fingerspitzengefühl und es kann Stunden dauern, bis alles stimmt», erzählt Crumbach. Mit kleinen Papierschnipseln bastelt er eine Konstruktion, damit sein Objekt unter dem Mikroskop indirekt beleuchtet wird. Aufgenommen werden die Bilder als sogenannte «Stack-Shots», also mit der Stapelaufnahmetechnik. Diese ist nötig, weil bei Mikro-Aufnahmen die Tiefenschärfe verloren geht. Mit dieser Technik wird aber ein Stapel von zum Beispiel 50 Bildern mit unterschiedlichem Fokus aufgenommen. Danach wird aus all diesen Fotos ein einziges berechnet. 
Etwas Computertechnik steckt also durchaus dahinter, doch geformt sind die abgebildeten Objekte einzig und allein von Erdkräften – und meistens sogar in den Schweizer Alpen entstanden.



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