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18.01.2017 Von: Fabian Moor

Züriberg

«Mr. Lebewohl» sagt noch nicht Adieu


Urs Wäckerli hält den Kulturbetrieb im Seefeld mit der Lebewohlfabrik am Laufen. Foto: Fabian Moor

Der 71-jährige Urs Wäckerli reiste als Jazzviolinist um die Welt, arbeitete als Musikredaktor bei Radio DRS und gründete die Filmproduktionsfirma «Allmedia Productions». Seit 2003 betreibt er den «Kulturclub Lebewohlfabrik» im Seefeld.

«Nach meinem Abschluss als Biochemiker an der ETH Zürich zog es mich in die weite Welt hinaus», erzählt Urs Wäckerli. Anstatt zu doktorieren, entschied er sich 1970 dazu, als Jazzviolinist in verschiedenen Gruppierungen tätig zu sein. Hierfür lebte er zwei Jahre in Barcelona und etwa fünf Jahre in Genf, wo er Musiker traf, die seine Liebe zum Gypsy-Jazz teilten. Einer von ihnen war Harald Haerter, mit dem er 1978 das String- Jazz Quintet gründete. Diverse Fernsehauftritte und sogar ein Auftritt am Montreux Jazz Festival gehören zu den Höhepunkten des Quintets.

Medienkarriere
Ab 1979 folgte parrallel dazu eine Karriere im medialen Bereich, die ihn zum «Tages-Anzeiger», zum Schweizer Radio DRS wie auch zum Schweizer Fernsehen führte. Die Unterstützung der Kulturschaffenden sei ihm immer wichtig gewesen, weshalb er 1984 in Bern das Lokalradio «Förderband » ins Leben rief. Vier Jahre später folgte ein weiterer Meilenstein: In Zürich gründete Wäckerli die Filmproduktionsfirma «Allmedia Productions », die bis 2013 diverse Auftragsfilme und einen Kinofilm realisiert hat. Was Wäckerli im Kanton aber immer gefehlt hat, war ein Lokal, in dem man gemütlich zusammensitzen und der lokalen Jazzmusik lauschen kann. «Bei uns finden Freunde von Swing,, Bebop, Blues, Soul und World-Musik das, was sie suchen», sagt Wäckerli. Doch der Weg dahin war steinig. «Nachdem ich 2003 den Mietvertrag für den Raum unterzeichnete, folgten zwei harte Jahre des Umbauens und Renovierens. Zudem mussten diverse Bewilligungen eingeholt und feuerpolizeiliche Massnahmen umgesetzt werden», erklärt Wäckerli. «Ich musste tief in die eigene Tasche greifen und finanzierte den Club jahrelang mit den Einnahmen der ‹Allmedia Productions› quer.» Mittlerweile hat sich die Lebewohlfabrik als begehrtes Auftrittslokal von regionalen Bands etabliert. «Wir kriegen täglich etwa 2, 3 Anfragen von Interessenten », so Wäckerli. Die meisten Musiker, die es ins Programm schaffen, sind Wäckerli aber bereits bekannt. «Ich kenne die Szene mittlerweile sehr gut und weiss, welche Künstler ein gutes Publikum bringen und Musik machen, die mir gefällt», schwärmt er. «Ich bin wirklich privilegiert, dass ich ein Programm zusammenstellen kann, das mir selbst so sehr zusagt.»
Die Lebewohlfabrik bietet neben Musik auch eine Plattform für weitere Künstler: «An unseren Wänden hängt alle zwei Monate eine neue Ausstellung. Meistens sind es Bilder eines einzelnen Künstlers. Jeweils mit der Herausgabe des neuen Programmheftchens wechselt auch der Aussteller », erklärt Wäckerli.

Ein Nachfolger
Mit seinen 71 Jahren ist es verständlich, dass er langsam daran denkt, einen Nachfolger für das Lokal zu finden. «In vier Jahren wird meine Frau pensioniert. Spätestens dann will auch ich meinen Ruhestand geniessen, mit ihr auf Reisen gehen und fremde Kulturen und die Natur besser kennen lernen.» Bis dahin gibt es mit der Lebewohlfabrik aber noch einiges zu erreichen: «Ich möchte meinem Nachfolger einen Club übergeben, der finanziell auf sicheren Beinen steht. Hierfür bin ich auf Sponsorensuche. Ich arbeite darauf hin, drei statt zwei Konzerte pro Woche zu organisieren und die Saison zu verlängern. Am meisten freut mich, dass wir seit dieser Saison unseren Musikern eine Minimumgage garantieren können. Wenn man sieht, was Wäckerli in seinem Leben schon alles gemacht hat, bleiben einem keine Zweifel, dass er auch seine anderen Ziele erreichen wird.



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