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25.01.2017
Zürich West

Schiessplatz Hasenrain steht auf der Abschussliste


Auf dem Hasenrain sind in den letzten Jahren vermehrt junge Schützinnen und Schützen anzutreffen. Foto: zvg.

Der Schützenverein Züri9 macht gegen die drohende Schliessung des Schiessplatzes Hasenrain durch die Stadt Zürich mobil. Mit dem Albisrieder Traditionsverein würde ein Stück wichtiges Quartierleben verschwinden. Gemäss der Stadt ist noch nichts definitiv.

Lisa Maire

«Die Schützengesellschaft gehört wie das Ortsmuseum zu Albisrieden», umschreibt der Verein Züri9, der den Schiessplatz Hasenrain betreibt, seine Bedeutung für das Quartier. Genau deshalb kämpft er gegen die drohende Schliessung der Schiessanlage durch die Stadt Zürich. Bereits hat er dazu eine Petition «Nein zum Untergang des Schützenvereins Züri9» lanciert. Darin wirft er der Stadt unter anderem mangelndes Interesse für das Vereinsleben in den Quartieren vor. Bereits im Frühjahr 2014, so teilt der Verein nun «Zürich West» in einer schriftlichen Stellungnahme mit, habe man der Stadt grosses Interesse an einer Weiterführung des Schiessplatzes signalisiert. Im vergangenen Oktober legte der Verein dem zuständigen Sicherheitsdepartement unter AL-Stadtrat Richard Wolff dann ein konkretes Nutzungs- und Finanzierungskonzept vor.

«Verein wächst und wird jünger»

Dieses Konzept beinhaltet unter anderem den Vorschlag, 50 000 Franken an die voraussichtlichen Sanierungskosten von 150 000 Franken beizusteuern. Für einen Weiterbestand müsste die Stadt als Besitzerin die Schiessanlage nämlich bis 2020 mit den gesetzlich vorgeschriebenen umweltfreundlichen Kugelfangsystemen nachrüsten. Die Stadt, so schreibt der Verein weiter, führe in ihrer «Strategie Schiessanlagen in der Stadt Zürich» für eine Schliessung folgende Argumente an: sinkende Mitglieder- und Schusszahlen, Überalterung, Kostenspardruck, steigende Ansprüche an eine optimale Flächenökonomie sowie Lärmemissionen und die damit verbundenen Sanierungskosten. Der Schützenverein kann keines dieser Argumente nachvollziehen. Im Gegenteil: In den letzten vier Jahren habe sich die Mitgliederzahl nahezu verdoppelt, klärt er auf. Gerade bei den Jungen, darunter auch vermehrt Frauen, sei ein starker Zuwachs zu verzeichnen.

Zudem, so wehrt sich der Verein weiter, werde die Anlage heute schon flächenökonomisch sinnvoll genutzt. So habe hier die polizeiliche Hundestaffel ein optimales Trainingsgelände zur Verfügung – und mit dem Schützenhaus darüberhinaus einen ganzjährigen Theorie- und Schulungsraum. Auch nutzten zahlreiche weitere Vereine das Schützenhaus für eigene Anlässe, und es gebe viele Anfragen, ob eine erweiterte Parallelnutzung der Anlage möglich wäre.
Mit dem Argument Spardruck bekundet der Schützenverein erst recht Mühe: Abgesehen von der angebotenen eigenen Beteiligung an den Sanierungskosten würde auch der Zürcher Kantonalverband für Sport ZKS solche Bauvorhaben finanziell unterstützen. Zudem bezahle die Gemeinde Uitikon-Waldegg der Stadt seit 2002 jährlich 20 000 Franken für die Nutzung des Sportschiessstandes Hasenrain für die obligatorische Schiesspflicht ihrer Einwohner. «Dieses Geld muss», so der Verein, «gemäss vertraglicher Vereinbarung für den Unterhalt der Anlage und der damit verbundenen Infrastruktur verwendet werden.»

Auch das Argument «Lärmemissionen» zieht für die Schützengesellschaft nicht: Laut eigenen Aussagen gab es bisher keine einzige Lärmklage. Auf dem Hasenrain würden sämtliche Lärmvorschriften erfüllt, die entsprechenden Grenzwerte – auch ohne Sanierung – sogar deutlich unterschritten, versichert der Verein, der zurzeit plant, ein aktuelles unabhängiges Lärmgutachten erstellen zu lassen.

Stadt hat noch nicht entschieden

Wie stellt sich die Stadt zu der Situation auf dem Hasenrain? Auf Anfrage von «Zürich West» bestätigte Mathias Ninck von der Kommunikation des Sicherheitsdepartements, dass im Rahmen einer Gesamtstrategie eine Reduzierung der heute vier Stadtzürcher Schiessanlagen diskutiert werde. «Wir wollen nur noch je einen Schiessplatz links und rechts der Limmat.» Mit anderen Worten: die Schiessplätze Albisgütli und Höngg würden bleiben, der Hasenrain und die Probstei Schwamendingen müssten wahrscheinlich über die Klinge springen. Der Entscheid sei aber noch nicht gefallen, betont Ninck. Und solange nichts entschieden sei, gebe es auch noch Verhandlungsspielraum. Die Stadt müsse einfach eine sachliche Auslegeordnung im Hinblick auf die bis 2020 von Bund respektive Kanton vorgeschriebene umwelt- und lärmtechnische Sanierung ihrer Schiessanlagen machen.

Hierzu schaue man unter anderem die Schusszahlen und Lärmwerte der Schiessplätze an. Auch werde zusammen mit Grün Stadt Zürich diskutiert, inwiefern man sie als Freiraum für andere Nutzungen zugänglich machen könnte. Für den Hasenrain, so bestätigt Ninck, seien Lärmemissionen tatsächlich nicht zentral, die Schusszahlen hingegen schon. Auch wenn der Verein Mitgliederzuwachs verbuche – die Statistik spreche eine andere Sprache. Von 1999 bis 2015 sei die auf dem Hasenrain verbuchte Schusszahl von 57 000 auf 22 000 geschrumpft. Auch sei seine Nutzung für die militärische Schiesspflicht unbedeutend.

«Umzug des Vereins möglich»

Gemäss Ninck ist die Stadt schon lange mit dem Schützenverein Züri9 im Gespräch über mögliche Zukunftsszenarien. Man habe dem Verein auch eine andere als die heutige Beteiligung angeboten. «Er hat sich aber nie gemeldet.» Der Mediensprecher versichert zudem, dass sich der 140-köpfige Verein – entgegen dessen eigener Aussagen – bei einer Schliessung der Anlage nicht unbedingt auflösen müsste. «Er könnte auf einem anderen Schiessplatz in der nahen Umgebung unterkommen.» Dies hätten Abklärungen ergeben.

«Im Quartierleben tief verankert»

Dass auf dem Hasenrain geschossen wird, hat eine über 150-jährige Tradition. Der Verein Schützengesellschaft Züri9, hervorgegangen aus dem 1876 gegründeten Schützenverein Albisrieden, sei «tief im Quartierleben verankert», bestätigt Vereinssprecher Michel Baumgartner. Denn die Aktivitäten der Albisrieder Sportschützinnen und Sportschützen beschränkten sich nicht nur auf den Schiesssport mitsamt Nachwuchsförderung und «Schützenhilfe» bei der obligatorischen Schiesspflicht. Baumgartner: «Wir haben uns immer auch tatkräftig für das soziale Leben im Quartier engagiert.» Mit dem Untergang des heute 140-köpfigen Vereins würden also auch die vielen beliebten Anlässe im und um das «Häxehüsli» auf dem Hasenrain verschwinden. Nach eigenen Angaben managt der Schützenverein jährlich bis zu 50 Anlässen für Gross und Klein. Vom Kindergeburtstag über den begehrten Raclettestand am Albisrieder Quartierfest bis zur grossen Jugendparty. (mai.)



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