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01.02.2017
Zürich West

Wiediker Groove auf der Kinoleinwand


Auch an dieser Wiediker Ecke hat sie «Skizzen von Lou» gedreht: Regisseurin Lisa Blatter. Foto: mai.

Der neue Kinofilm «Skizzen von Lou» spielt an Orten, wo sich die Regisseurin Lisa Blatter in ihrem eigenen Alltag auch bewegt: Vor allem in Wiedikon und in den Kreisen 4 und 5.

Lisa Maire

In «Skizzen von Lou» zeichnet die Zürcher Filmerin Lisa Blatter ein Porträt einer Generation, die Angst vor der Liebe hat. Und damit auch feststeckt in einem ewigen Hin und Her zwischen demonstrativem Freiheitsdrang und verleugneter Sehnsucht nach Liebe, Gemeinschaft, Familie. Im Film zelebrieren Lou und Aro diesen zermürbenden Zwiespalt: Je mehr sie zulassen, desto stärker tritt auch ihre Angst vor dem eigentlichen Leben zu Tage – «und schon wenden sie sich wieder voneinander ab», kommentiert die Regisseurin.

Authentische Wege

Dualität zwischen cooler Fassade und verletzlicher Innenwelt, zwischen dem, was man sagt und und dem, was man fühlt – das Phänomen kennt Blatter zur Genüge aus eigenen Erfahrungen. Mit ihrem ruhigen, eher langsamen und sinnlichen Film, in dem viel über Berührungen, Blicke oder auch Musik läuft, wolle sie aber vor allem auch die andere Seite der heute so oft zelebrierten Unverbindlichkeit und Schnelllebigkeit zeigen. «Es geht um das Zulassen von Gefühlen», sagt sie. Um das Berührende, das Befreiende – das Glück – solcher Momente. «Vielleicht ist das ja auch ein Appell an mich selbst», fügt die junge Regisseurin grinsend an.
Um die Geschichte des Films möglichst authentisch rüberzubringen, hat Blatter auch die Orte, an denen sie spielt, besonders ausgewählt. «Es sind meine eigenen Wege», sagt sie. Und die Freunde von Lou und Aro im Film seien ihre eigenen Freunde. Auch mit Lou-Darstellerin Liliane Amouat verbindet sie eine langjährige Freundschaft: «Wir haben uns hinter der Bar im Kino Riffraff kennen gelernt, wo wir beide neben unserem Filmstudium arbeiteten». Freundinnen und Freunde habe sie aber nicht etwa ans Set geholt, um Statistengagen zu sparen, erklärt die Regisseurin. Sondern um das Familiäre, das Authentische eben, in den Film zu bekommen.

Blatter ist im Kreis 5 aufgewachsen und hat dort auch später viele Jahre in verschiedenen WGs gewohnt. Heute lebt sie in Wiedikon. Viele Szenen spielen denn auch in der Gegend um Lochergut und Kalkbreite. Aber auch in der Letten-Badi oder im Musikclub «La Catrina» hinter der Langstrasse wurde gefilmt. Oder zwischen den Abfallbergen der Streetparade. Und Aro habe sein Atelier in einer grossen Zwischennutzung. «Auch das ist typisch Zürich», lacht Blatter.

Berührte Reaktionen

Die Stadt Zürich sei übrigens toll zum Filmemachen, bilanziert die Regisseurin. Wenn man nichts aufstellen müsse und maximal 45 Minuten nur mit Kamera, Ton und Leuten auf öffentlichem Grund unterwegs sei, brauche es noch nicht mal eine Drehgenehmigung. An «heiklen» Orten wie der Letten-Badi konnte die Filmcrew von den Absperrungen während der dortigen Open-Air-Filmabenden profitieren. «So hatten wir die Badeanlagen ganz für uns.»

Blatter selbst hält «Skizzen von Lou» für einen melancholischen Film. An den Festivals, wo er lief, sei ihm aber auch eine gewisse Leichtigkeit attestiert worden. Offenes Ende hin oder her: Das Paar auf der Leinwand, das sich in der Wärme eines lichten Sommers näher kommt, vermöge offenbar die Herzen zu berühren. «Ich hörte die Leute in ihre Taschentücher schneuzen», erzählt Blatter. Ihr ist anzumerken: Das hat sie nicht nur positiv überrascht, sondern selbst auch ziemlich berührt.

 

Erster Spielfilm

Lisa Blatter, geboren 1979, ist die Tochter des Schriftstellers Silvio Blatter und der Künstlerin Mona Blatter. Ihre Kurzfilme «Traurige Jungs tanzen, wenn niemand hinsieht» und «Nachglühen», die sie während des Filmstudiums an der ZhdK realisierte, liefen erfolgreich an mehreren Filmfestivals. Blatter ist zudem Co-Regisseurin des viel und kontrovers diskutierten Kinofilms «Heimatland» (2015). «Skizzen von Lou» ist Blatters erster abendfüllender Spielfilm. Er hatte am Zürich Film Festival Premiere und lief gerade – mit gutem Feedback – am Filmfestival Max Ophüls Preis Saarbrücken. Ab 2. Februar ist «Skizzen von Lou» nun im Wiediker Kino «Houdini» zu sehen.



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