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08.02.2017 Von: Annina Just

Küsnachter

Das Küsnachter Tobel und viel nackte Haut


Theaterszenen und Akte, ausgestellt in der Fabian-&-Claude-Walter-Galerie Foto: Annina Just.

Der Zolliker Künstler Balz Baechi zeigt in der Zürcher Fabian-&-Claude-Walter- Galerie eine Auswahl seines umfangreichen Schaffens. Darunter auch einen gemalten Ausblick aus seinem Küsnachter Atelier.

Balz Baechi ist ein gefragter Mann an diesem Abend: Der fast 80-jährige Künstler wird von seinen Gästen umgarnt, immer wieder um Autogramme und Fotos gebeten. Viele alte Freunde und frühere Weggefährten des Kunstmalers sowie auch einige bekannte Gesichter aus der Schweizer Kunstszene sind am vergangenen Donnerstag in die Fabian-&-Claude- Walter-Galerie oberhalb des Zürcher Bellevues gekommen, um der Vernissage des Zolliker Künstlers beizuwohnen.
«Ich bin sehr glücklich, haben wir diese Ausstellung organisieren können », wandte sich Galerie-Inhaber Fabian Walter an die Vernissage-Gäste. Er und seine Frau Claude Walter kennen Baechi seit 20 Jahren. «In dieser Zeit haben wir uns langsam angenähert», so der Galerist. Nun zeigt die Galerie einen Überblick über das umfangreiche malerische Schaffen Baechis, der sich neben der Ölmalerei auch mit Fotografie beschäftigt sowie objekthafte Assemblagen, Lithografien und Teppiche fertigt.

Zwischen Realität und Erfindung
Aus dem über 400 Werke umfassenden OEuvre haben die Galeristen eine Auswahl getroffen, die einen breiten Überblick über das vierzigjährige malerische Schaffen Baechis ermöglicht. «Balz Baechi gewährte uns eine Carte blanche bei der Auswahl der Werke», erzählte der Galerist und bedankte sich beim Künstler für diese Freiheit. Baechis Schaffen reicht von abstrakter Kunst über Landschafts- und figurative Malerei bis zu Porträts und zahlreichen Akten. Die Kunsthistorikerin Ute Christiane Hoefert schreibt im Katalog zur Ausstellung: «Wollte man sein Werk mit nur wenigen Worten beschreiben, so müsste man es mit Gegensätzen tun. Es bewegt sich zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen Realität und Erfindung.» Dies vermittelt auch die Ausstellung in der stimmungsvollen Galerie an der Rämistrasse, die mit ihren alten dunklen Parkettböden und dem hohen Hauptraum den Bildern einen würdigen Rahmen verleiht. Baechi, der nach der Matura ein Jahr die Kunstgewerbschule in Zürich besuchte und danach eine Grafikerlehre absolvierte, begann sich um 1980 autodidaktisch mit Ölmalerei zu beschäftigen. Zu einer Zeit, als in der Zürcher Kunstszene die konkrete und konstruktive Kunst bestimmend waren, stand bei Baechi aber häufig die Darstellung des menschlichen Körpers im Zentrum. Oftmals sind die abgebildeten Figuren losgelöst von ihrer Umgebung, sodass sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Oder aber der Maler erzählt mit einem fiktiven, nachträglich hinzugefügten Hintergrund eine Geschichte. Häufig ist es auch nur ein einzelnes Objekt, das das Bild komplettiert und ihm eine räumliche Perspektive gibt.

Selbstbewusste Frauenakte
Auffallend ist aber vor allem auch Baechis Begeisterung für die Aktmalerei. Die vornehmlich weiblichen nackten Figuren werden in selbstbewussten Posen dargestellt. Sofern er sie stehend malt, zeigt er seine Figuren immer mit beiden Beinen auf dem Boden. Der Künstler sagt über sich selbst, er sei von der Frauenbewegung der 60er-Jahre – und seiner emanzipierten Pariser Ehefrau Isabel – beeinflusst worden. Seine Bilder legen zudem nahe, dass er sich nicht nur mit der äusseren, sondern auch mit der inneren Haltung seines Gegenübers befasst. «Für ihn heisst Haltung eine untrennbare Verknüpfung zwischen der inneren Einstellung und der äusseren Erscheinung », schreibt Kunsthistorikerin Hoefert.
Die umfangreiche Werkschau zeigt aber auch Gemälde, die an Baechis Vergangenheit als Theaterzeichner erinnern, wie zum Beispiel «6 Personen suchen einen Autor, 1996». Zwischen 1961 und 1988 erschienen seine Zeichnungen von Zürcher Theaterbühnen regelmässig im «Tages-Anzeiger» und wurden 1981 im Buch «Theater in Sicht» einem breiten Publikum bekannt.

Detailreiches Küsnachter
Tobel Eher wenige Bilder stellen Landschaften ins Zentrum. Doch auch sie sind eine Vermischung von Realität und Erfindung wie zum Beispiel das Bild «Winterbrücke» aus dem Jahr 2009, bei dem es unzählige Details zu entdecken gibt. Es zeigt die Aussicht aus Baechis Atelier nahe dem Küsnachter Tobeleingang. «So, wie ich es sehe», betont der Künstler.
Seine Sicht auf die Welt, die lässt sich an der Rämistrasse noch bis zum 25. Februar entdecken.



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