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08.02.2017 Von: Annina Just

Küsnachter

Der Stammtisch für «Digital Immigrants»


Foto: Annina Just

Längst diskutieren nicht mehr nur Jugendliche über Social-Media-Apps und Software-Updates. Auch am Senioren-IT-Stammtisch sind diese Themen von Belang.

«Aso s Wichtigst sind de Kafi und d Gipfeli und den hend di einte no so e Machine da.» Peter Thut, Vizepräsident des Vereins Senioren für Senioren Küsnacht-Erlenbach-Zumikon, zeigt auf die zahlreichen Smartphones und Tablets, die auf den Tischen liegen. Beim Senioren-IT-Stammtisch in Küsnacht ist es für einmal nicht unhöflich, sein Mobiltelefon während des Gesprächs auf dem Tisch zu platzieren.
Und wer sein Smartphone noch in der Tasche hat, zückt es spätestens als Vereinspräsident Jürg Angst den Termin für die nächste GV bekannt gibt – die Mehrheit der Senioren und Seniorinnen führt die Agenda elektronisch. Doch obwohl das Wissen bei den hier anwesenden «Digital Immigrants» – jene Personen, die sich im Gegensatz zu den «Digital Natives» den Umgang mit digitalen Technologien erst im Erwachsenenalter aneignen mussten – recht hoch ist, bergen die berüchtigten Maschinen immer wieder ihre Tücken. Dafür sind dann die «Gurus» zur Stelle. Gurus, so nennt Thut die IT-versierteren Senioren, zu denen er selber auch gehört. In ungezwungenem Rahmen beantworten sie Fragen wie «Wie kann ich einen Text kopieren? Wie richte ich die Combox ein?». Oder erklären ganz einfach, wie mit einem neuen Handy eine Nachricht verfasst wird.

Ungeliebte Updates
Schnell wird klar, dass das Treffen nicht nur als Hilfe für diejenigen dient, die gerade vom Enkel oder der Tochter ein neues Handy bekommen haben, sondern auch gerne genutzt wird, um die spannendsten Neuigkeiten auszutauschen – sowohl aus der Welt der iPhones und Samsungs als auch aus der realen. Dass sich diese beiden heute oft vermischen und solche «Maschinen» in verschiedensten Lebensbereichen hilfreich sind, ist beim Treffen im Tennisclub-Bistro Don Peter auch offensichtlich. So zum Beispiel, als sich die Schreibende über die strahlende Sonne in den höheren Gefilden von Küsnacht Itschnach freut: Der 75-jährige Waldemar zückt sein iPhone und checkt mit wenigen Klicks ab, wie hoch der Tennisclub gelegen ist. «Wir sind exakt auf 610 Meter über Meer, da hat man manchmal Glück und ist über dem Nebelmeer», stellt er nach der Konsultation seiner Altimeter-App fest. Sein Nachbar, der heute zum ersten Mal den Stammtisch besucht, ist von der App angetan und möchte sie auch gleich «downloaden».
Während Waldemar auf seinem Telefon neben dem Altimeter auch diverse andere Apps nutzt, online Zeitungen liest und sich mit Social-Media- Applikationen wie Facebook und Instagram auskennt, begeistert sich die 79-jährige Gertrud vor allem für Hörbücher. «Schade ist nur, dass ich zu wenig Speicherplatz habe um mehrere abzulegen. Aber das haben sie mir beim Kauf natürlich nicht gesagt! », enerviert sie sich über die Tücken der verschiedenen iPhone-Varianten. Auch ein weiteres Problem benennt die Seniorin: «Die ständigen Updates sind mühsam, da muss man sich jedes Mal wieder neu zurechtfinden. » Das sei, wie wenn man in einem fremden Auto sitze, meint sie lachend. Doch mit etwas Geduld meistert die Zumikerin auch diese Hürde. Ihr Tipp: «Man muss einfach immer dranbleiben, dann geht es.» Doch auch wer auf einem weniger hohen «IT-Level» Probleme hat, ist am Stammtisch am richtigen Ort. Eine Seniorin möchte ihr neues aufklappbares Handy – «ein Smartphone, das brauche ich doch nicht mehr» – in Betrieb nehmen. Auch dabei wird ihr geholfen.

Vom Kaffee zum Weisswein
Neben dem IT-Stammtisch organisiert der Verein Senioren für Senioren auch regelmässig einen Jass-Plausch. Die Hauptkompetenz des Vereins mit rund 2000 Mitgliedern ist aber das Vermitteln von Dienstleistungen wie zum Beispiel Botengänge und Fahrdienste. Der Verein versteht sich als Selbsthilfeorganisation, in der die etwas Jüngeren den etwas Älteren unter die Arme greifen. Dies wird dann jeweils durch einen kleinen Betrag entschädigt. «Vor kurzem habe ich ein Mitglied sogar in den Bregenzer Wald gefahren », erzählt Thut. Solche Fahrten seien willkommene Erlebnisse, bei denen sich oft auch interessante Gespräche ergeben, so der Zumiker.
Dies ist auch am Stammtisch der Fall. Die meisten sind nicht nur wegen den «Maschinen» da, sondern weil sie das gesellige Beisammensein schätzen. So wird um 11 Uhr am Tisch von Waldemar und seinem aus dem Wallis stammenden Nachbarn vom Kaffee zum Weisswein gewechselt. «Bei uns im Wallis wäre das schon um 9 Uhr angebracht gewesen», scherzt der Senior aus der Heimat des Fendants.



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