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08.02.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Küsnachter

Ein römischer Gutsbesitzer war der Ursprung


Küssnacht statt Küsnacht: Auf Postkarten finden sich unterschiedliche Schreibweisen. Foto: Archiv Ortsmuseum Küsnacht

Aus Chussenacho wurde Küsnacht: Ortsnamen haben sich in der Geschichte immer wieder verändert. Zwischendurch war auch Küsnacht mit Doppel-s korrekt.

Küsnacht und Küssnacht bergen Verwechslungsgefahr: Beide liegen an Seen, beide haben ein Kissen im Wappen – doch sie werden anders geschrieben. Während heute klar ist, dass Küssnacht am Fuss der Rigi liegt und nicht am Ufer des Zürichsees, schrieb man Küsnacht manchmal noch bis ins 19. Jahrhundert mit Doppel-s. Im Ortsmuseum Küsnacht lagern alte Postkarten, auf denen Küsnacht mit Doppel-s steht. Grund genug, einmal bei Experten nachzufragen.
Die Namensentwicklung habe sich über Stadien wie Chussenach (1252), Kússnach (1284), Kúsnacht (1418/19), Kúßnacht (1533) vollzogen, erklärt Alfred Egli, Präsident des Vereins für Ortsgeschichte Küsnacht. «Die Schreibweise Küsnacht statt älterem Küssnacht lehnt sich sicher an die mundartliche Aussprache an, die schon früh aus dem scharfen S aus Bequemlichkeit ein einfaches S machte.» Sprachliche Entwicklungen würden sehr häufig dem bekannten menschlichen Trend folgen, sich das Leben nicht allzu schwer zu machen.
Im letzten Jahr startete am Deutschen Seminar der Universität Zürich das Forschungsprojekt «Siedlungsnamen des Kantons Zürich». Der heutige Siedlungsname gehe zurück auf eine Ortsnamenbildung aus dem lateinischen Personennamen Cossinus und der gallorömischen Endung «acum» zurück. Die ursprüngliche Namensform Cossinacum habe ein «Landgut des Cossinus » bezeichnet.

Keine zweifelsfreie Bestimmung
Ähnliche Siedlungsnamen fänden sich mit Küssnacht am Rigi (um 840 in Chussenacho), Cossonay im Waadtland oder Küßnach, Ortsteil von Küssaberg in Baden-Württemberg. Bei so alten Siedlungsnamen und epigrafischen Überlieferungen (Übersetzung aus Inschriften, Anm. d. Red.) lateinischer Personennamen lasse sich nicht immer zweifelsfrei bestimmen, welcher Name konkret in den Siedlungsnamen stecke, gibt Inga Siegfried, Redaktionsleiterin des Forschungsprojekts an der Universität, zu bedenken.
So könnte es auch ein ähnlich geschriebener Name sein, wie die Erklärung von Germanist Egli zeigt: Küsnacht gehe zurück auf den römisch- gallischen Personennamen Cossinius, dessen Träger hier ein Landgut besessen haben müsse. «Dieses Landgut nannte man auf Lateinisch, der damaligen Sprache des Landes: fundus Cossiniacus.»
Der Ortsname Küsnacht sei von seinem Ursprung her absolut identisch mit dem schwyzerischen Namen Küssnacht am Rigi. «Auch am Fusse der Rigi besass offenbar ein Gallorömer ein Landgut», sagt Egli. Gemäss Inga Siegfried «schwankte die auf den Karten eingetragene offizielle Schreibung vor 1906 noch mehrmals, bevor sich dann das heute geltende ‹Küsnacht› durchsetzte». Ganz ohne politische Einmischung ging der Wandel aber nicht. Wie dem Küsnachter Jahrheft von 1979 zu entnehmen ist, behandelte auch die Gemeindeversammlung am 31. Mai 1891 das Thema. Durchgesetzt hatte sich beim Stimmvolk zwar Küsnacht, doch in Bundesbern wollte man davon anfänglich nichts wissen. Bei der Bekanntgabe der Ergebnisse der Volkszählung 1900 wurde der Dorfname immer noch offiziell als Küsnach geschrieben.

Vor allem praktische Gründe
Am Ende liess sich der Bundesrat 1902 erweichen, und es setzte sich die Schreibweise mit Schluss-t durch, wie Alfred Egli im Jahrheft von 1979 erklärt. Unter anderem soll die Entscheidung aus praktischen Gründen gefallen sein, da Post- und Eisenbahnverwaltung schon damals Küsnacht benutzt hätten.
Die Schreibweisen haben sich immer wieder verändert und widerspiegeln die Entwicklungsstadien in den letzten 1000 Jahren. Für Egli ist klar: «Sie waren genauso korrekt wie die heutige Lautgestalt, weil sie dem damaligen Lautstand entsprachen.» Deshalb dürfe man die Formen wie Küssnach, Küsnach oder Küssnacht keinesfalls als Zeugnisse der Unbildung, Unwissenheit oder Rechtschreibschwäche verdammen. Egli: «Sie sind in ihrem historischen Zusammenhang ebenso unanfechtbar wie die heute gültige und amtlich ‹abgesegnete› Form.»



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