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08.02.2017 Von: Nuria Peon

Zürich 2

Frau Huber fährt mit Schneemännern Zug


Maria Huber arbeitet seit 34 Jahren in der «Silberkugel» im Hochhaus zur Palme. Sie schmückt zudem den übriggebliebenen Strunk des Mammutbaums am Bleicherweg – zum Beispiel mit Schneemännern. (Foto: Nuria Péon)

Sie schmückt den Mammutbaumstrunk vor dem Hochhaus zur Palme und
arbeitet in einer der zwei letzten «Silberkugeln» der Schweiz: Maria Huber.

Der Mittagsstress in der «Silberkugel» ist mittlerweile vorbei und das Personal macht eine wohlverdiente Mittagspause. Pünktlich um 14 Uhr kommt eine dezent geschminkte Dame durch die Tür und erzählt erst einmal von ihrem kurzen Spaziergang: «Ich habe gerade Erik Haemmerli gesehen, den Koch vom Swissdinner.»

Bäume zuerst nicht beachtet
Sie – oder besser gesagt ihr Werk – ist denjenigen, die ab und an durch den Bleicherweg fahren oder gehen, bestimmt nicht fremd. Denn kaum jemand übersieht den Mammutbaumstrunk vor dem Hochhaus zur Palme. Nicht unbedingt, weil er besonders grossflächig ist, sondern eher, weil er immer schön geschmückt ist. Hinter den originellen Dekorationen steht Maria Huber, die «Silberkugel-Frau».
«Ich bin sicher zehn Jahre lang an diesen Mammutbäumen vorbeigelaufen, ohne sie zu beachten», erzählt die 76-Jährige. Eines Tages sprach sie jedoch jemand im Zug auf die Mammutbäume an, die das Hochhaus zur Palme, wo auch ihr Arbeitsort ist, in den Schatten stellen. Das habe sie gar nie realisiert, doch inzwischen ist sie bestens über diese Baumart informiert: «Alfred Escher pflanzte anlässlich der Geburt seiner Tochter einen solchen Baum im Belvoirpark», weiss sie zum Beispiel. Jemand habe ihr ausserdem einmal gesagt, dass es Glück bringe, einen solchen Mammutbaum zu umarmen. Sie selber habe das auch versucht: «Wir mussten aber zu viert ran, um den ganzen Baumstamm zu umschliessen.» Ob es wegen der Umarmung sei, weiss sie nicht, aber Maria Huber schätzt sich glücklich: «Ich habe einen tollen Chef und darf noch in der ‹Silberkugel› arbeiten. Das hält mich jung und ist nicht selbstverständlich.»

Schneemänner im Zug
Ende 2015 musste jedoch einer der beiden Mammutbäume aufgrund eines Pilzbefalls gefällt werden. «Als ich an meinem Geburtstag im Mai vorbeigelaufen bin, habe ich gedacht, dass es schade ist, dass der Baumstrunk so leer ist», erzählt Maria Huber. Am nächsten Tag habe sie dann kurzerhand ihre goldenen Tanzschuhe, die sie nicht mehr brauchte, mitgenommen und hingestellt: «Alle hatten eine Riesenfreude daran.» Und genau aus diesem Grund dekoriert die «Silberkugel-Frau» den Baumstumpf weiterhin: «Geteilte Freude ist doppelte Freude. Ich habe Spass daran und sehe, wie ich den Menschen eine kleine Freude mache.»
Bis vor kurzem waren auf dem Baumstrunk noch zwei lachende Schneemänner zu sehen, ausgerüstet mit Sonnenbrille, Kappe und Schal. Vor dem Fastfood-Lokal war ebenfalls einer aufgestellt. Frau Huber hat diese aber nicht vor Ort gemacht. Unter der Aufsicht ihrer zwei Katzen baute sie die Schneemänner zu Hause auf dem Balkon. Bis zur «Silberkugel» pendelte sie jeweils mit ihnen: «Ich habe sie in einem Plastiksack mitgenommen, von Niederhasli bis hierhin, im Zug.» Hierfür erntete sie den einen oder anderen erstaunten Blick im öffentlichen Verkehr, vor allem von Kindern. Doch schlussendlich ist es für alle eine schöne Anekdote.
Je nach Jahreszeit stellt die Junggebliebene etwas anderes auf den Mammutbaumstrunk. Im Frühling setzt sie beispielsweise Blumen hin und wechselt diese insgesamt drei- mal aus. Für Halloween bringt sie Ende Oktober einen selbst gemachten Kürbiskopf mit. Und für die Adventszeit hat Maria Huber letztes Jahr einen Adventskranz gemacht und eine grosse, rote Weihnachtskugel gekauft: «Viele staunten, dass die Kugel weder kaputt ging, noch geklaut wurde.» Im Keller der «Silberkugel» bewahrt sie diese nun für die nächsten Weihnachten auf. Zwischendurch sind immer wieder die goldenen Schuhe, mit denen alles begonnen hat, aufgestellt – manchmal sogar in Begleitung von Blumen. «Nach den Schuhen werde ich oft gefragt, wenn sie nicht aufgestellt sind», fügt Huber hinzu.
Bekannt und beliebt
Maria Huber arbeitet bereits seit 34 Jahren in der «Silberkugel» und war in diesen Jahrzehnten in verschiedenen Filialen tätig. Ursprünglich hat sie jedoch Designerin gelernt. «Dann kam mir aber mein Mann in die Quere und wir haben 1961 geheiratet.» Danach bekam sie drei Kinder und kümmerte sich als Hausfrau jahrelang um sie. «Es ist schön, wenn man nicht arbeiten muss und sich den Kindern widmen kann, auch für sie», meint Huber. Als dann das jüngste Kind mit 16 Jahren in die Lehre ging, wollte sie arbeiten. Wie sie auf den Job in der «Silberkugel» gekommen ist, weiss sie aber nicht mehr: «Plötzlich war ich da, und es gefällt mir noch immer.»
Jetzt arbeitet die mittlerweile als «Silberkugel-Frau» bekannte Dame fast jeden Mittag an der Kasse und erlebt viel Schönes, wie sie selber erzählt: «Manchmal kommen Leute mit ihren Kindern hierher und kennen mich noch von damals, als sie selber mit ihren Eltern in die ‹Silberkugel› kamen.» Bei der Kundschaft ist Huber aber nicht nur wegen ihrer herzlichen Art und der langjährigen Arbeit bekannt. Sie bringt auch stets einen Spruch mit und stellt ihn neben der Kasse auf. Das Zitat dieser Woche lautet: «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst».

Sicher noch drei Jahre dabei
Auf Maria Huber können sich die «Silberkugel»-Kunden und selbst der Mammutbaumstumpf noch mindestens drei Jahre freuen. Denn über ihren «Rücktritt» habe sie sich zwar Gedanken gemacht, aber nicht in unmittelbarer Zukunft: «Bis ich 80 bin, arbeite ich noch, länger nicht.»
Bevor sie aus der «Silberkugel» läuft, packt Huber eine Portion Spinat mit Reis ein, die vom Mittagsmenü übrig geblieben ist: «Das Team kümmert sich gut um mich.»
Während sie zur Tramhaltestelle läuft, scheint ihr die Sonne ins Gesicht: «Jetzt hätte ich die Sonnenbrille gebraucht, die der Schneemann trägt», witzelt Maria Huber.



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