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15.02.2017 Von: Pia Meier

Zürich Nord

Investition in die Zukunft oder Geldverschwendung?


Portal Wipkingerplatz. Fotomontage VCS

Stadt und Kanton wollen die Autos am Rosengarten durch einen Tunnel führen. Im Gegenzug soll auf der Rosengartenstrasse ein Tram fahren. Das Projekt hat Befürworter und Gegner, nicht zuletzt wegen der Kosten von über einer Milliarde Franken.

Der Regierungsrat hat ein kantonales Spezialgesetz zum Gesamtvorhaben Rosengartentram und Rosengartentunnel ausgearbeitet, wie die Regierungsräte Carmen Walker Späh und Markus Kägi sowie Stadtrat André Odermatt anlässlich einer Medienkonferenz festhielten. Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat, diesem zuzustimmen und den Rahmenkredit von 1030 Millionen Franken für die Umsetzung zu bewilligen. Das gemeinsam von Stadt und Kanton Zürich erarbeitete Grossprojekt umfasst den Bau einer neuen Tramverbindung vom Albisriederplatz bis zum Milchbuck und eines Strassentunnels zwischen Irchelpark und Wipkingerplatz. Ein zusätzliches Tunnelportal ist am Bucheggplatz geplant.

Noch 2017 soll der Kantonsrat das Projekt behandeln. Sagt der Rat Ja, kommt es ungefähr 2018 zu einer kantonalen Volksabstimmung. Sagen die Stimmbürger Ja, könnte ab 2024 mit dem Bau des Tunnels und 2030 mit jenem des Trams begonnen werden. Die Inbetriebnahme wäre ab 2030 vorgesehen. Sofortmassnahmen will der Regierungsrat keine. Ebenso wenig hat er Einwendungen bei der Planauflage berücksichtigt, denn «er habe das beste Projekt ausgearbeitet», wie er betont.

«Tunnel ist keine Lösung»
Während Regierungsrat und Stadtrat für Tram und Tunnel plädieren, betont die IG Rosengarten Plus: «Ein Rosengartentunnel kann die wichtigsten Mobilitäts-Ziele, nämlich Erhöhung der Effizienz und positives Erleben der Mobilität von allen vom Verkehr Betroffenen, nicht erreichen.» Lösungen für die Zukunft der Mobilität am Rosengarten ohne Rosengartentunnel müssten deshalb diskutiert werden. Die IG Rosengarten Plus ruft einmal mehr dazu auf, Sofortmassnahmen zur Entlastung der Bevölkerung umzusetzen.
Auch die Grünen stören sich am vorgesehenen Rosengartentunnel: «Noch immer soll eine Milliarde ausgegeben werden für einen Tunnel, der keine Verkehrsprobleme löst.» Auf der einen Seite wolle die rechte Kantonsregierung sparen, wo es nur geht. Auf der anderen Seite wolle sie eine Milliarde aus dem Fenster werfen für einen nutzlosen Autotunnel. «Mit diesem Tunnel wird daher der Stau bloss örtlich verschoben.» Die SP bläst ins gleiche Horn: «Mit dem Rosengartentunnel untergräbt der Regierungsrat die nachhaltige Verkehrs- und Quartierplanung und öffnet einer Zunahme des motorisierten Individualverkehrs in der Stadt Zürich Tür und Tor. Die Bedürfnisse der Anwohnerinnen und Anwohner fallen dabei unter den Planungstisch.»
Der VCS ergänzt: «Stadt- und Kantonsregierung wollen trotz eklatanter Mängel an ihrem Megaprojekt Rosengartentunnel festhalten.» Trotz einem massiven baulichen Eingriff ins Quartier, einer nach wie vor verbleibenden Verkehrsbelastung für alle umliegenden Wohnquartiere und horrenden Kosten soll das Projekt nun mit einem Gesetz durchgesetzt werden. Eine neue Tramlinie soll dabei als Alibi dienen.

«Projekt ist prüfenswert»
Die CVP hält das Generationenprojekt trotz hohen Kosten weiterhin für prüfenswert, weil es eine markante Entlastung des Quartiers bringt. Man begrüsse die Zusammenarbeit zwischen Kanton und Stadt. Die Partei will Kosten und Nutzen aber kritisch hinterfragen.
Die SVP begrüsst die «sonst seltenen Bemühungen» für einen ausgewogenen Ausbau von Strasse und öffentlichem Verkehr. Ein Vorhaben dieser Grössenordnung bedürfe der seriösen Prüfung. Die Kapazitäten des kommenden Verkehrsaufkommen würden aber nicht im ausreichenden Ausmass berücksichtigt. Weiter kritisiert die Partei, dass die Stadt sich lediglich mit 4 Prozent an den Gesamtkosten beteiligt.
Die FDP nimmt das vom Regierungsrat ausgearbeitete kantonale Spezialgesetz zum Gesamtvorhaben Rosengartentram und Rosengartentunnel als einzige Partei erfreut zur Kenntnis. Seit über 20 Jahrzehnten setze sie sich dafür ein, dass die unhaltbare Verkehrssituation in Wipkingen mit täglich 56 000 Fahrzeugen mitten durchs Quartier behoben werde.
Die Quartiervereine Unterstrass und Wipkingen zeigen sich erfreut, dass Stadt und Kanton Zürich erstmals nach 45 Jahren eine gemeinsame Lösung präsentieren. «Damit erfüllen sie endlich ein uraltes Anliegen der Quartierbewohnerinnen und -bewohner.» Die beiden Vereine wünschen sich ein endgültiges Ende des Parteien-Hickhacks am Rosengarten.



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