Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
16.02.2017 Von: Annina Just

Küsnachter Amtlich

Doppeltes Nein ist für die Initianten ein Sieg


Urheber der Parkdeck-Initiative: Hermann Gericke, Barbara Bretscher und Reinhard Wolf. Foto: Annina Just

Die Ablehnung beider Projekte wird von den Parkdeck- Befürwortern als Sieg gefeiert. Die Gegenseite ist enttäuscht, dass Küsnacht nicht mehr Kompromissbereitschaft zeigt.

Hermann Gericke wird am Sonntagabend beschenkt und immer wieder beglückwünscht. Der Parkdeck-Initiant hat das Initiativkomitee und weitere Freunde seiner Vorlage als Abschluss der Kampagne zu sich nach Hause eingeladen. Der Anlass wird zur Siegesfeier. Mitinitiant Reinhard Wolf hebt das Glas auf Frontkämpfer Gericke: «Herzlichen Dank, Hermann. Dir haben wir alles zu verdanken.» Für ihn bleibe der Parkplatz nun immer der «Hermi-Gericke-Platz», meint der Anwohner des Areals Zürichstrasse lachend. Und auch Gericke triumphiert: «Die heutige Abstimmung wird in die Geschichte eingehen. Das Initiativ- Komitee ist sehr zufrieden. Unser Einsatz hat sich gelohnt.»

«Jüngere können sich engagieren» 
Laut Gericke wäre es ohne das «massvolle Alternativprojekt für eine gleiche Parkplatzzahl» nicht möglich gewesen, die Vorlage für eine Tiefgarage, einen Platz und zwei Gebäude abzuwehren. Nun aber biete sich die Möglichkeit, ohne Zeitdruck die Bedürfnisse zu analysieren und mittelfristig eine Vermehrung des Parkplatzangebots in Angriff zu nehmen. Keine Tiefgarage, das sei weiterhin die Hauptsache, betont er. «Wie das schon der Wunsch einer Arbeitsgruppe mit einigen Frauen im Mitwirkungsverfahren gewesen war.» 
Der 85-Jährige selber will sich für eine neue Lösung aber nicht mehr stark machen. «Jetzt muss man einige Jahre warten und wenn die Knappheit an Parkplätzen akuter wird, dann können sich meine Söhne und Enkel engagieren», meint der pensionierte Ingenieur. 
Erwartungsgemäss weniger euphorisch ist die Stimmung beim Komitee «Ja zu Küsnacht», welches sich für das Projekt «Zentrumsentwicklung» stark gemacht hat. «Wir sind sehr enttäuscht und können das Resultat nur bedauern», sagt Hans-Peter Fehr. Er bildete zusammen mit Optiker Andreas Eugster und der ehemaligen Gemeinde- und Kantonsrätin Gertrud Erismann-Peyer den Vorstand der Interessengemeinschaft (IG). 
Fehr sieht im deutlichen Resultat eine allgemeine Tendenz in der Gesellschaft: «Ich glaube, wir haben verlernt, mit Kompromissen umzugehen. Jeder will nur noch das Maximum für sich.» Wenn aber auf dem Areal Zürichstrasse je etwas Neues entstehen soll, werde immer ein Kompromiss nötig sein, so der Präsident der IG «Ja zu Küsnacht». Auch die fehlende Bereitschaft zu Investitionen – finanziell und in Bezug auf die Umstände einer langen Bauzeit – stimme ihn nachdenklich. Fehr: «Es scheint, dass wir nicht mehr bereit sind, etwas für die kommende Generation auf uns zu nehmen.»

«Neues Phänomen» 
Positiv in Erinnerung bleiben werde Hans-Peter Fehr aber die Zusammenarbeit innerhalb des Komitees. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein überparteiliches Komitee bilden lässt», betont er. Bei dieser Arbeit hätten er und einige seiner zahlreichen Mitkämpfer sehr viel gelernt. «Einerseits, wie man so etwas macht, und anderseits, wie unser Umfeld hier funktioniert», führt der Präsident der IG «Ja zu Küsnacht» aus. Dass man zu wenig getan hätte, um der Vorlage, die aus dem Mitwirkungsverfahren entwickelt wurde, zum Durchbruch zu verhelfen, glaubt der Küsnachter nicht. «Wir haben alles gegeben, was im Rahmen unserer Möglichkeiten stand», hält er fest. 
Die finanziellen Möglichkeiten waren allerdings auf der anderen Seite grösser. Dies ist dann auch Thema bei der Einschätzung von Gemeindepräsident Markus Ernst: «Es war eine Art von Kampagne, die wir so noch nicht gekannt haben», blickt der Küsnachter Gemeindepräsident zurück. Die Gegnerschaft habe mit Angst und Un- sowie Halbwahrheiten operiert und ignoriert, dass es die Stimmbevölkerung war, welche die Planung des Zentrumsprojekts in mehreren Schritten abgesegnet hatte. Ausserdem sei es beispiellos, wie gross die Bereitschaft war, Mittel für die Kampagne aufzuwenden. «Das ist auf der Gemeindeebene ein völlig neues Phänomen», meint der Gemeindepräsident. Unter diesen Umständen könne er auch verstehen, dass sich viele Leute für eine Ablehnung beider Projekte entschieden haben. Denn: «Man hätte auch damit rechnen müssen, dass bei einer Umsetzung der Zentrumsentwicklung immer wieder rechtliche Mittel ergriffen würden, um dem Projekt Steine in den Weg zu legen.»



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 27. Juli 2017
Zürich 2 vom 27. Juli 2017
Zürich Nord vom 27. Juli 2017
Zürich West vom 27. Juli 2017
Küsnachter vom 27. Juli 2017
Küsnachter Amtlich vom 27. Juli 2017

Sonderzeitungen

Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
ZSC
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger