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22.02.2017 Von: Jari Krucker

Züriberg

«Ein Gebiet, wo momentan viel passiert»


Isabelle Vonlanthen hat die «Tage russischer Literatur» kuratiert. Foto: Jari Krucker

Vom 24. bis 26. Februar finden im Literaturhaus Zürich die «Tage russischer Literatur» statt. Programmkuratorin Isabelle Vonlanthen erklärt, wieso der Fokus auf die russische Literatur gelegt wird.

Isabelle Vonlanthen, was braucht es alles, um einen solch grossen Anlass wie «Tage russischer Literatur» zu organisieren?
Dahinter steckt sehr viel Arbeit. Glücklicherweise konnten wir bei der Organisation dieses Events bereits auf Erfahrung aus dem letzten Jahr zurückgreifen. Mit «Tage der arabischen Literatur» haben wir im Februar 2016 nämlich eine Veranstaltung in einem ähnlichen Format durchgeführt. Wir wussten also schon, was auf uns zukommen wird. Zuerst mussten wir auf Sponsorensuche gehen, um diesen grossen Anlass finanzieren zu können. Auch das Erstellen des Programms war eine Herausforderung: Wir mussten uns für ein Thema und eine bestimmte Perspektive entscheiden und uns dann auf die Suche nach geeigneten Gästen machen. Wir haben bei der Organisation stets versucht, vom Grossen und Ganzen immer mehr ins Detail zu gehen.

Wie lange dauert die Vorbereitung auf einen solchen Event?
Bereits nach Abschluss des letzten Festivals Ende Februar 2016 haben wir uns entschieden, einen solchen Event auch im nächsten Jahr wieder durchzuführen, da der Erkenntnisgewinn dieser Tage sehr hoch war, genau wie das Publikumsinteresse. So begannen wir gleich mit der Planung für dieses Jahr und haben uns entschieden, den Fokus dieses Mal auf auf die russische Literatur zu legen.

Wieso wird der Fokus auf die russische Literatur gelegt?
Sicher, weil Russland eine sehr reiche Literatur und Kultur hat – wir kennen zwar die grossen Klassiker, aber viele zeitgenössische Autoren sind hierzulande noch wenig bekannt. Russland ist zudem ein Gebiet, in dem kulturell und gesellschaftlich sehr viel passiert – und die Geschichte Russlands betrifft Europa immer auch direkt. Wir legen den Fokus vor allem auf den Umgang mit der nationalen Erinnerung, die momentan stark von oberster Stelle geformt wird. Wie Autorinnen und Autoren beispielsweise mit dieser Erinnerung umgehen und welche Gesellschaftsbilder sie in ihren Romanen entwerfen. Aber auch, welche Institutionen darüber entscheiden, wie nationale Geschichte erinnert wird – das interessiert uns. Deshalb haben wir Autorinnen und Autoren, Übersetzerinnen und Übersetzer, Kulturwissenschafter und Soziologinnen eingeladen, mit uns darüber zu sprechen.

Weshalb haben Sie sich für eine Kombination aus russischen, deutschen und Schweizer Gästen entschieden?
Uns war wichtig, dass es keine einseitigen Lesungen werden, sondern stets ein Dialog zwischen Gästen stattfindet. Wir wollten nicht nur russische Autoren zu diesem Thema einladen, sondern auch Literaturvermittler und Übersetzer aus der Schweiz und Deutschland mit in die Diskussionen einbringen. Diese sind nämlich sehr gute Kenner eines Literaturgebiets in einem fremden Land – in unserem Fall wäre dies nun Russland.

Wie sind Sie bei der Erstellung des Programms vorgegangen?
Am Anfang waren wir mit einem sehr aufwendigen Auswahlprozess konfrontiert. Die Auswahl an guten Autorinnen und Autoren war gross und wir wollten darüber hinaus auch Gäste aus weiteren Bereichen einladen. Dabei strebten wir ein Gleichgewicht aus verschiedenen Altersgruppen, von bekannten und weniger bekannten Autorinnen und Autoren an. Ebenfalls wollten wir nicht nur Leute aus Moskau und Petersburg einladen, sondern auch Gäste aus anderen Gebieten Russlands, damit ein breiteres Spektrum an unterschiedlichen Aspekten abgedeckt ist.

Gibt es einen speziellen Grund, weshalb der Anlass genau vom 24. bis 26. Februar stattfindet?
Der Zeitpunkt knüpft an die «Tage arabischer Literatur» an. Diese fanden nämlich ebenfalls im Februar statt. Dieser Zeitpunkt hat sich sehr bewährt, da der Anlass grösstenteils am Wochenende stattfindet und die Leute somit auch Zeit haben, mehrere Veranstaltungen über den ganzen Tag verteilt zu besuchen. Zudem sind Ende Februar die Sportferien vorbei, was bedeutet, dass viele wieder bereits zu Hause sind.

Was für eine Zielgruppe soll mit dem Anlass angesprochen werden?
All jene, die sich für die russische Literatur und Russland interessieren. Es spielt keine Rolle, ob sie zu diesem Thema bereits über Vorwissen verfügen oder nicht. Während diesen drei Tagen soll das Literaturhaus Zürich zu einem Treffpunkt werden, wo man sich über die russische Literatur austauschen kann – und so auch mehr über das Land in Erfahrung bringt.

War es schwierig, die verschiedenen Gäste für den Anlass gewinnen zu können?
Nein, überhaupt nicht. Alle unsere Wunschgäste sagten sofort zu. Es haben alle auch gesagt, dass es ihnen sehr wichtig sei, an diesem Anlass dabei sein zu dürfen – gerade eben auch wegen des Dialog-Formats, das wir bewusste gewählt haben, um über die kulturellen Vorgänge in Russland zu diskutieren.

Was erwartet die Besucher während den drei Tagen?
Die drei Tage sind gespickt mit ganz unterschiedlichen Veranstaltungen und Formaten. Es gibt Lesungen im Autorendoppel – wo zwei Autoren ihre Geschichten erzählen und sich danach darüber austauschen –, Formate, in denen einige der besten Übersetzerinnen und Übersetzer aus dem Russischen von ihren Erfahrungen berichten. Es wird ein Gespräch mit einer Internetaktivistin geben, eine Diskussion über Zivilgesellschaft und Menschenrechte und über Graphic Novels in Russland und der Schweiz. Auch abseits einer Lesung haben die Besucher die Möglichkeit, sich mit den Gästen auszutauschen. Diese werden öfters im Literaturhaus anzutreffen sein.

Wer ist das Aushängeschild?
Wir haben bewusst kein Aushängeschild gesucht, sondern Gäste aus den unterschiedlichsten Bereichen eingeladen. Natürlich gibt es dabei bekanntere und weniger bekannte Persönlichkeiten, die ins Literaturhaus kommen werden. Die wohl bekannteste Autorin wird die Russin Ljudmila Ulitskaja sein, welche die «Tage russischer Literatur» mit einer Lesung am Freitagabend eröffnen wird. Für uns ist es ein grosser Gewinn, dass sie für die Eröffnung zusagte und speziell für diesen Anlass nach Zürich kommt.

Was muss erfüllt sein, dass man von einem gelungenen, erfolgreichen Anlass sprechen kann?
Die Qualität der Veranstaltungen muss stimmen, dass der Funken auf die Besucher springt und sie zu animierten Diskussionen hinreisst. Wir sind optimistisch, dass eine grosse Lust am Austausch über die russische Literatur entstehen wird. Die Vorfreude auf den Anlass ist bei allen Beteiligten sehr gross.



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