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22.02.2017
Zürich West

Facettenreiche Einblicke in Baukultur


Blick in die restaurierte Kirche St. Felix und Regula mit dem bilderlosen Altarraum. Foto: Kantonale Denkmalpflege

Der jüngste, prächtig illustrierte Bericht der Zürcher Denkmalpflege dokumentiert Arbeiten aus den Jahren 2011 und 2012. Dazu gehört auch die Innenrestaurierung der katholischen Kirche St. Felix und Regula im Hardquartier.

Lisa Maire

Die kantonale Denkmalpflege veröffentlicht periodisch Berichte über ihre Tätigkeit. Die als Buch gestalteten Publikationen laden Fachleute und Laien zur Auseinandersetzung mit wichtigen Zeugen der Baukultur im Kanton Zürich ein – quer durch Regionen, Epochen und Baugattungen. Der 21. Bericht enthält – neben einem umfassenden Beitrag zum Werkstoff Eternit und dessen Verwendung – insgesamt 35 ausführliche Texte zur Restaurierung von Baudenkmälern, die in einer Zeitspanne von über 500 Jahren entstanden. Dazu kommen Kurzberichte zu denkmalpflegerisch begleiteten Massnahmen und Abbrüchen.

Streit bei Bau und Restaurierung

Die katholische Kirche St. Felix und Regula an der Hardstrasse ist einer von kantonsweit sechs Sakralbauten, deren Restaurierung in den Jahren 2011 bis 2012 abgeschlossen wurde. Der Bericht der Denkmalpflege dokumentiert dabei auch ausführlich die kirchenpolitischen Kontroversen rund um den Bau des Gotteshauses und um die jüngsten Restaurierungsarbeiten. Die ersten Gemüter entzündeten sich demnach 1945, am Entscheid der Wettbewerbsjury, die das Projekt eines reformierten Architekten zur Weiterbearbeitung empfahl. Bei den Meinungsverschiedenheiten ging es um städtebauliche Fragen sowie um das Kirchen- und Gottesdienstverständnis bei der Raumform. Der damalige Pfarrer der Wiediker Mutterpfarrei Herz Jesu erwirkte schliesslich, dass anstelle des von der Jury prämierten Projekts ein anderer, angekaufter Entwurf des Architekten Fritz Metzger umgesetzt wurde. Ende 1950 fand die feierliche Weihe des Kirchenbaus statt. Ein Jahr später folgte der markante freistehende Glockenturm der Pfarrei St. Felix und Regula.

Als 2010 eine umfassende betriebliche, technische und gestalterische Erneuerung des Kircheninneren anstand, hiess das Hauptziel aller Beteiligten: mit gezielten Eingriffen dem Innenraum «die schlichte Würde der Bauzeit zurückzugeben». Auch entsprachen die Bereiche beim Eingang, der seitlichen Kapelle oder der Sakristei nicht mehr den Nutzungswünschen der Pfarrei. So wurden in den beiden Folgejahren ursprüngliche Mineralfarbanstriche und Sichtbetonstrukturen wieder unter jüngeren Dispersions- und Putzschichten hervorgeholt, die durch Verkehrsabgase stark verschmutzten Oberflächen gereinigt, die Kirchenräume zum Teil liturgisch neu gestaltet und ausgestattet.

Der Bericht der Denkmalpflege beschreibt auch eine weitere Restaurierungsmassnahme im Detail: die Entfernung von künstlerischen Wanddekorationen, die in den 80er-Jahren im Altarraum und in den Seitennischen angebracht worden waren. Nach Ansicht der Baukommission der Kirchgemeinde und der Denkmalpflege standen sie im Kontrast zur ursprünglichen architektonischen Absicht und störten die optische Klarheit des Raumeindrucks. Der Entscheid, die Bildwerke zu eliminieren, wurde einstimmig abgesegnet von der Kirchgemeindeversammlung, löste jedoch eine Kontroversen aus: Der ehemalige Pfarrer, der die Kunstwerke zu seinem 25-Jahr-Priesterjubiläum gestiftet hatte, forderte deren Erhaltung. Doch auch sein Gang an die Presse und die Schützenhilfe vonseiten des Bistums Chur halfen nichts: Mit dem Verweis auf den Entscheid der Kirchgemeindeversammlung wurden die Bildwerke entfernt.

Vom Palais bis zum Kraftwerk

Neben der Kirche St. Felix und Regula sind im Tätigkeitsbericht der Denkmalpflege die katholischen Kirchen von Turbenthal und Winterthur sowie die reformierten Kirchen Horgen, Küsnacht und Stäfa vorgestellt. Die öffentlichen Bauten sind unter anderem durch das Bezirksgebäude Bülach oder das Palais Rechberg am Zürcher Hirschengraben vertreten. Erstmals vorgestellt wird mit der instand gestellten Schlieremer Badeanlage «Im Moos» der Architekten Haefeli Moser Steiger ein öffentliches Freibad – zurzeit das einzige im Kanton, das im Inventar der überkommunalen Schutzobjekte aufgeführt ist.

Prominent vertreten sind im Band mehrere herausragende Wohn- und Geschäftsbauten des 20.  Jahrhunderts, so die Villa «Grünenberg» in Wädenswil oder die Villen «Im Düggel» und Streiff in Küsnacht. Auch verschiedene Bauern- und Bürgerhäuser, Schlossbauten sowie industriegeschichtlich bedeutende Ensembles und Infrastrukturbauten sind dargestellt. So das Kraftwerk Eglisau in Glattfelden, die abgebrannte ehemalige Spinnerei Zinggeler in Richterswil oder die «Blacktenbrücke» bei Bauma.



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