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22.02.2017 Von: Silvan Rosser

Züriberg

Frühlingsgefühle kommen mitten im Februar auf


Die Meereisbedeckung am Nord- und Südpol wird geprägt durch die Ausdehnung und den Rückzug der Pole. Aufgrund der gegensätzlichen Jahreszeiten und der grösseren Eismassen am Südpol zeigt sich das charakteristische Muster mit zwei Spitzen im Juni und November. Seit September 2016 zeichnet sich eine dramatische Entwicklung der Meereisbedeckung ab: So wenig Meereis wie aktuell gabs noch nie. Grafik: Wipneus/Silvan Rosser

Milde Temperaturen in Zürich, Rekordtemperaturen auf Island und rekordtiefe Ausdehnung des Meereises an beiden Polen des Planeten. Der Februar 2017 spürt den Frühling.

Zwischen dem 14. und 17. Februar stiegen die Temperaturen auf ungewöhnlich milde Werte. Mit fast 17 Grad in Chur, 16 Grad im Wallis und rund 10 Grad im Flachland kamen erste Frühlingsgefühle auf. Ein kalter Januar gefolgt von einem milden Februar. Diese Konstellation kommt in der Schweiz relativ selten vor. In der über 150-jährigen Messreihe von MeteoSchweiz sind nur acht solche Jahre zu finden. Letztmals 1997. Häufiger folgt auf einen kalten Januar auch ein kalter Februar, wie zum Beispiel in den Jahren 2006, 2009 und 2010, oder auf einen milden Januar ein kalter Februar.

Blühbeginn
Bei dieser Februarmilde erstaunt es nicht, dass auch die Frühblüher Hasel und Erle den nahen Frühling spüren. Pollengeplagte juckt es bereits wieder in der Nase. Der Blühbeginn der Hasel fand am 16. Februar statt – jener der Erle ist auf den 23. Februar prognostiziert. In der Westschweiz blühen die Erlen aber bereits seit einer knappen Woche, sodass bei geeigneten Windverhältnissen auch in Zürich schon mässige Pollenkonzentrationen auftreten können.
Blühende Hasel- und Erlengewächse sind für Mitte Februar aber keinesfalls aussergewöhnlich. Im Gegenteil: Der diesjährige Blühbeginn in Zürich ist sogar zwei Wochen nach Termin. Grund dafür war der sehr kalte Januar – die Vegetation verharrte den ganzen Monat über in der Winterruhe. In den letzten Jahren, als der Januar regelmässig mit ungewöhnlicher Wärme auftrumpfte, konnte der Blühbeginn von Hasel und Erle vielfach bereits im Januar verzeichnet werden.

Eisschmelze im Winter
Nicht nur das lokale, auch das globale Wetter spielt weiterhin verrückt. Am deutlichsten zeigt sich das zurzeit an den beiden Polen der Erde. Am Nordpol, nördlich des 80. Breitengrades, gab es seit Dezember 2015 keinen einzigen Tag während der Polarnacht (Oktober bis März) mehr, welcher kälter war verglichen mit dem langjährigen Mittel der Jahre 1958– 2002.
Seit Herbst 2016 erlebte die Arktis bereits vier winterliche «Hitzewellen » mit Temperaturen, die bis zu 20 Grad über dem Durchschnitt lagen. Das wäre, wie wenn es in der Schweiz mitten im Januar 25 Grad werden würde. Für die Nordpolregion bedeutet dies -10 anstatt -30 Grad. Lokal kann dies jedoch ein krasses Ausmass annehmen. So wurde am 12. Februar in Eyjabakkar, im Osten von Island, eine Höchsttemperatur von frühlingshaften 19,1 Grad gemessen. Die konstante Wärme am Nordpol hat zur Folge, dass sich das Meereis in der Arktis viel langsamer ausdehnt als in anderen Jahren. Im Januar und Februar wurden neue Negativrekorde der Meereisbedeckung beobachtet.
Obwohl sich das Eis normalerweise noch bis Mitte März weiter ausdehnt, gab es Mitte Februar sogar schon einzelne Tage mit einem Netto- Eisverlust. Eisschmelze mitten im Winter ist schon sehr aussergewöhnlich. Es scheint klar zu sein: Die Arktis spürt bereits den Frühling.

Zweiter Frühling in der Antarktis
Das Meereis fehlt in diesem Februar aber nicht nur am Nordpol, sondern auch am Südpol in der Antarktis. Am Südpol wird in rund einem Monat das jährliche Meereis-Minimum erwartet, denn es ist zurzeit Sommer auf der Südhemisphäre. Doch dieses Jahr zog sich das Meereis deutlich stärker zurück als in den Jahren zuvor. Blieb das Meereis in den letzten Jahren erstaunlich konstant respektive war es in einigen Jahren sogar überdurchschnittlich, so beschleunigte sich das Abschmelzen in den letzten zwei Jahren umso schneller.
Der bereits 2016 beobachtete starke Rückzug setzt sich nun auch 2017 fort. Noch nie seit Beobachtungsbeginn der Meereisbedeckung in der Antarktis 1979 gab es im Januar und Februar so wenig Meereis. Kein Zweifel: Die Antarktis erlebt ihren zweiten Frühling. Zwei Negativrekorde in der Meereisbedeckung an beiden Polen der Erde. Das heisst, dass global noch nie seit 1979 so wenig Meereis unseren Planeten bedeckte wie gegenwärtig.

22-mal die Schweiz «aufgetaut»
Mitte Februar waren nur noch etwas mehr als 13,5 Millionen Quadratkilometer mit Meereis bedeckt. Dieser neue Negativrekord unterschreitet den alten Rekordwert um beinahe 1 Million Quadratkilometer. Das ist eine Fläche, die rund 22-mal die Schweiz umfasst.
Im langjährigen Durchschnitt dehnt sich das Meereis im Februar global auf 15,5 Millionen Quadratkilometer aus. Aktuell ist die von Meereis bedeckte Fläche also rund 13% kleiner als üblicherweise zu dieser Jahreszeit. Es scheint, als ob alle den Frühling spüren würden. Doch ein milder Februar macht noch lange keinen Frühling. Der Winter dürfte zwar überstanden sein, denn ab Ende Februar startet der Frühling normalerweise mit seinem Temperaturanstieg, welcher bis im Juli oder August anhält. Dieser Temperaturanstieg verläuft aber keinesfalls linear. Viel eher ist es ein treppenartiger Anstieg der Temperaturen mit Perioden der starken Erwärmung gefolgt von kurzen Kälterückfällen.
Die steilsten Temperaturanstiege brachten in den letzten Jahren jeweils die Perioden Mitte und Ende März, Ende April und Ende Mai.



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