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22.02.2017 Von: Erika Pucci

Zürich 2

Kolumne: "Einmal Silberbeefy mit Käse, bitte"


Jacqueline und Erika (r.) damals. (Foto: Bruno Torricelli/ zvg.)

Im «Zürich 2» vom 9. Februar erzählt die Titelgeschichte von Maria Huber, der treuen Seele des Schnellimbiss-Restaurants Silberkugel im Hochhaus zur Palme am Bleicherweg. Seit 34 Jahren arbeitet sie da und bedient mit Freude und Enthusiasmus ihre Gäste. Das haben ich und meine Freundin Jacqueline vor mehr als 40 Jahren ebenfalls getan. Während der Sommerferien haben wir drei Wochen in dieser Silberkugel-Filiale gejobbt und unser Sackgeld aufgebessert. Das war für uns Absolventinnen der Töchterschule Hottingen eine willkommene Abwechslung zum doch sehr theoretischen Alltag einer Handelsschule.
Zu der Zeit gab es zwei Dutzend Silberkugel-Restaurants. McDonalds, Burgerking & Co. kannte man in unseren Breitengraden nur vom Hörensagen oder von Reisen ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Bevor Jacqueline und ich uns ins Job-Abenteuer stürzten, wurden wir im damaligen Silberkugel-Schulungszentrum an der Limmatstrasse an zwei Tagen in die Geheimnisse der Gästebewirtung eingeweiht. Wir erhielten zusätzlich Unterricht rund um das Thema Hygiene. Wir lernten schnelle und rationale Handgriffe im Umgang mit Geschirr und Besteck. Der Löffel auf der Kaffeetasse (ohne Unterteller) hatte quer darüber zu liegen. Man brachte uns bei, wie ein richtiges Silberbeefy auszusehen hat. Angefangen beim Braten des Burgers über das Rösten des Buns bis zur krönenden Garnitur. Wir sogen alle Informationen wie ein Schwamm in uns auf und freuten uns auf die bevorstehenden drei Wochen. Der damalige Silberkugel-Filialleiter hiess Signor Pulizzi, un vero Romano di Roma, den es nach Zürich verschlagen hatte. Er war zu Beginn sehr streng mit uns, merkte aber schon bald, dass durch uns neue und jüngere Kundschaft kam und wir unsere Theke – jede von uns bediente jeweils eine zu zwölf Plätzen – voll im Griff hatten. Wir wussten nach wenigen Tagen, wer Stammgast war und was gewünscht wurde. Der Kaffee mit Doppelrahm ohne Zucker, die Schale mit kalter Milch und das Gipfeli dazu, ein frisch gepresster Orangensaft. Ein Silberbeefy mit Käse da, ein Birchermüesli mit Rahm dort, für den Herrn mit Fliege ein Tagespüppchen und für die Dame im Deuxpièces ein Salätchen und und und.
Es machte Spass und wir flitzten nur so herum und bedienten unsere Gäste immer mit einem Lächeln und ein paar netten Worten. Gab es Trinkgeld, durften wir es nicht einstecken, sondern mussten es in die Kasse legen. Nicht mal Münz fürs Telefonieren – Handys gab es ja noch nicht – durften wir in unsere adrette Arbeitsschürze gleiten lassen. Am Freitag war jeweils besondere Vorsicht geboten, denn da stand das Fishy auf dem Programm – heute ist es, glaube ich, nicht mehr im Angebot, wurde wohl vom Chicky abgelöst.
Die Fishys wurden mit einer Tartar-Sauce garniert und ebenfalls im Bun serviert. Durch den direkten Bratvorgang auf der heissen Herdfläche spritzte alles voll mit Öl, sodass die Bodenplatten schnell aalglatt waren und Vorsicht geboten war beim Servieren. Nach dem Mittag mussten wir den Boden mit dem feuchten Wischmop und entfettendem Reinigungsmittel aufnehmen. Was wir nicht gerne taten, aber neben der Kür eben auch zur Pflicht gehörte. Am Nachmittag kamen jeweils Schulkolleginnen und Freunde zu «Besuch» und es kam öfter vor, dass wir – wenn Signor Pulizzi grad nicht in der Nähe war – statt der einen vorgeschriebenen Gurkenscheibe auf dem Silberbeefy noch zwei dazu legten. Das fiel irgendwann einem Gast auf und er beschwerte sich, sodass wir mit solchen «specials» etwas vorsichtiger umgingen. Der Gurkenverbrauch war während unserem 3-wöchigen Einsatz enorm in die Höhe geschnellt. Die Sauregurkenzeit war ja schliesslich angebrochen, es herrschte Sommerferienzeit. Wir hatten grossen Spass und trotz schmerzenden Füssen am Abend freuten wir uns jeweils auf den nächsten Tag. Es war eine wertvolle Erfahrung für uns. Bis heute wusste ich nie, warum mein kurzzeitiger Arbeitsplatz das Hochhaus zur Palme genannt wurde, obwohl Mammut-Bäume davor standen. Leider ist heute nur noch einer dieser stolzen Baumriesen am Leben. Bei Wikipedia fand ich die Antwort. Früher stand da eine schmucke Stadtvilla mit einem prächtigen Garten. Der spätere Käufer übertrug den Namen «zur Palme» seines Horgener Wohnsitzes auf das neue Grundstück. Beim späteren Verkauf wurde die Villa abgerissen und es entstand das erste Hochhaus der Stadt Zürich, gebaut vom Architektentrio Haefeli Moser Steiger. Sie erhielten internationale Anerkennung für den multifunktionalen, zur damaligen Zeit hochmodernen Gebäudekomplex. Die Anerkennung der Stadt Zürich blieb ihnen versagt. Vermutlich, weil die Auszeichnung für gute Bauten im Zusammenhang mit dem Einspruch der Denkmalpflege verweigert wurde. Und in der heutigen Zeit gilt sogar der hässliche Kriegsbunker vorne am See bereits als schützenswerter Bau. Was für eine verkehrte Welt. Was für eine bedauernswerte Bürokratie, die so etwas bestimmt.
Demnächst werde ich mit Jacqueline in der Silberkugel am Bleicherweg einen Kaffee trinken und dazu ein Applepie essen. Das ist sicher.

Erika Pucci schreibt regelmässig für «Zürich 2». Sie wuchs in Wollishofen auf und arbeitete bis vor kurzem dort. Sie wohnt heute in Kilchberg.



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