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22.02.2017 Von: Annina Just

Küsnachter, Küsnachter Amtlich

Von liebenden Bäumen und kippenden Wörtern


Sprachkünstler und Kaffeeliebhaber: Hugo Ramnek. (Foto: Annina Just)

Schriftsteller und Schauspieler Hugo Ramnek ist besessen von der Sprache und dem Spiel mit ihr. Am 3. März zeigt er seine Kunst zusammen mit dem Musikerduo fÖn&tÖn in der Chrottegrotte.

Über ihn zu schreiben, ist eine Herausforderung. Er selber wäre wohl am besten darin, seine Kunst in Worte zu fassen. Hugo Ramnek erschafft mit seinen Texten nämlich Bilder und Klänge, die im Gedächtnis haften bleiben. Der Schriftsteller und Schauspieler bezeichnet sich selber denn auch als «Sprach-Erotiker». «Mich elektrisierte Sprache schon als Kind», erzählt der gebürtige Österreicher bei einem Treffen in seinem Lieblingscafé im Zürcher Seefeld. Bereits als Knirps waren für ihn die Kabarett-Sendungen «Doppelconférencen» im österreichischen Fernsehen mit den Schauspielern Karl Farkas und Ernst Waldbrunn das Grösste. «Den Inhalt verstand ich zwar nicht, aber ihr Umgang mit der Sprache faszinierte mich unglaublich», blickt der 56-Jährige zurück.

Reibung entstehen lassen

Heute, gut vier Jahrzehnte später, ist der ehemalige Klassenclown selber Schauspieler und Schriftsteller, dazu Gymnasiallehrer am Liceo Artistico in Zürich. Nachdem er in Wien und Dublin Germanistik und Englisch studiert hatte, verschlug es ihn in die Limmatstadt. Hier hat er dann noch im Alter von 40 Jahren die Schauspielschule besucht. «Ich hatte schon immer eine grosse Liebe zum Theater», erzählt der Wahl-Zürcher, der mit einer Schweizerin verheiratet ist. Als er dann von einer Schauspielausbildung für Berufstätige erfahren hatte, habe er sich diesen Traum erfüllt. Mit dem Spielen von selbst geschriebenen Szenen konnte er schon während der Ausbildung eine Verbindung zwischen der schriftstellerischen Tätigkeit und dem Schauspiel schaffen. «Ursprünglich habe ich gedacht, es zieht mich in Richtung Kabarett», so Ramnek. «Doch meine Texte enthalten nicht eine ‹Wuchtel› nach der anderen, wie es das fürs Kabarett braucht.» Mit «Wuchtel» meine er so etwas wie eine komödiantische Pointe, erklärt er auf Nachfrage in seinem unüberhörbaren, charmanten österreichischen Akzent. So ist dann die Form der Leseperformance entstanden. Und mit ihr ist Ramnek seit einigen Jahren erfolgreich unterwegs.

Es ist eine subtile Form des Kabaretts. Eine, die genaues Zuhören erfordert und dann aber gleichzeitig zum Schmunzeln und Nachdenken anregt. Ernst und Witz würden für ihn unmittelbar zusammengehören, erklärt der Schriftsteller. «Gut wird es, wenn zwischen ihnen Reibung entsteht und die Funken sprühen.» Sehr oft ist in seinen Texten dort, wo es ernst wird, der Witz zu finden.

Seinen kreativen und fantasievollen Umgang mit der Sprache erklärt der zurückhaltende Künstler nach etwas Überlegen folgendermassen: «Wenn ich ein Wort höre, setzt bei mir ein Spieltrieb ein. Ich will es zum Kippen bringen, flüssig machen, denn in jedem Wort steckt auch ein anderes.» Einerseits sei dies für ihn eine grosse Lust, anderseits aber auch eine heikle Gratwanderung. Denn schnell könnten solche Sprachspielereien kippen und platt oder plump wirken.

Zwei musikalische Mitspieler

In Küsnacht wird Ramnek zusammen mit dem Duo fÖn&tÖn auftreten. Das sind die beiden Multi-Instrumentalisten Urs Sibi Sibold und Balz Nill. Letzterer ist einem breiten Publikum bekannt als Perkussionist bei der Schweizer Mundartband Stiller Has. Zu sagen, Ramnek werde von den Musikern begleitet, wäre aus seiner Sicht falsch. «Sie sind meine Mitspieler, wir spielen miteinander», erklärt er. Sibold und Nill würden seine Texte mit «kurzen Stücken ergänzen, die einem lange im Ohr bleiben». Diese Art von Performance haben die drei Künstler schon an vielen Schweizer Orten aufgeführt. Gemäss den Berichterstattungen darüber ist das Echo sehr positiv. Und auch Ramnek kann von seinen beiden Mitspielern nur schwärmen: «Text verliert ja immer gegen Musik», hält er fest. «Deshalb bin ich sehr froh, haben die beiden eine so grosse Sensibilität für Texte und Spannungsbögen.» Besonders spannend sei es auch hier, wenn zwischen Text und Musik Reibungen entstehen. «Da bin ich mit den beiden sehr glücklich, wir finden immer wieder die richtigen Anknüpfungspunkte.»

Flüssiges und Liebendes

Mit dem Programm «Seeliebe, letzter Schnee und andere Fallen» erwarten die Küsnachter Zuhörer verschiedene Geschichten und Gedichte, einige davon sind bereits veröffentlicht, andere noch nicht. Zu Ersteren gehört die Kurzgeschichte «Bö», eine Liebesgeschichte zwischen zwei Bäumen, einer Birke und einer Weide am Seeufer. «Ich habe gedacht, See passt gut zu Küsnacht und letzter Schnee zur Jahreszeit.» Allgemein ist bei Hugo Ramnek Wasser ein wichtiges Element. Er versucht nicht nur, Wörter flüssig zu machen, sondern hat sich sein Leben lang gerne in der Nähe von Gewässern aufgehalten – früher in seiner Heimat, einem Seengebiet in Kärnten, heute am Zürichsee. So thematisieren denn auch viele seiner Texte das flüssige Element.

Zu den «anderen Fallen», die Ramnek in der Chrottegrotte zum Besten gibt, gehören auch Texte aus seinem neusten, noch nicht ganz fertigen Buch «Cover-Versionen». «Das wird ein Buch, das wie eine Jukebox funktioniert», verrät der Schriftsteller, der mehrere Romane und Erzählungen veröffentlicht hat. Die Texte aus «Cover-Versionen» basieren auf alten Blues- und Rocksongs. «Manchmal sind sie sehr weit vom Original weg, manchmal sehr nah, aber nie sollen sie imitierend sein», führt Ramnek aus. Die Idee ist, dass das Buch nicht von vorn nach hinten gelesen wird, sondern dass der Leser je nach Lust und Laune Texte auswählt. Ob das funktioniert, weiss er noch nicht, aber die Lust an der Sprache und daran, mit ihr Neues auszuprobieren, animiert ihn, es zu versuchen.

Hugo Ramnek und fÖn&tÖn: «Seeliebe, letzter Schnee und andere Fallen». Freitag, 3. März, Chrottegrotte, Obere Dorfstrasse 27, Küsnacht. Abendkasse und Bar ab 19.30 Uhr, Vorstellung um 20.30 Uhr. Eintritt 25.– (mit Legi 10.–).



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