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01.03.2017
Zürich West

Melancholie liegt über den Karambolagen


Die Ausstellung zeigt eindrückliche Aufnahmen aus dem Polizeileben von Arnold Odermatt. Foto: zvg.

Die Photobastei zeigt bis 12. März die umfangreichste Werkausstellung des Schweizer Fotografen Arnold Odermatt (92).

Die Photobastei am Sihlquai 125 im Kreis 5 präsentiert nicht nur die bisher umfassendste retrospektive Ausstellung, sie zeigt zudem eine von Daniel Blochwitz kuratierte Auswahl von Odermatts Arbeiten, angefangen von seinen international viel beachteten «Karambolagen» über seine ironisch anmutenden Dokumentationen des eidgenössischen Polizeialltags bis hin zu seinen bisher weniger bekannten fotografischen Beobachtungen Schweizer Alltäglichkeit. All seinen unterschiedlichen Werksgruppen gemein ist Odermatts unverwechselbarer Blick und die von ihm gewählte Perspektive.

In Zusammenarbeit mit der Galerie Springer in Berlin, die den Künstler international vertritt, und Urs Odermatt, dem Sohn und Herausgeber seiner Bücher, wird die Photobastei eine Übersicht aus dem Schaffen des Nidwaldner Fotografen Arnold Odermatt zeigen. Dabei werden neben den schon erwähnten Serien «Karambolagen», «Im Dienst» und «In zivil» auch erstmals Arbeiten aus seiner neuesten Publikation «Feierabend» (Steidl, 10/2016) zu sehen sein.

Sohn entdeckte die Arbeiten

Mit Arnold Odermatt widmet sich die Photobastei nach «Vivian Maier: Taking the Long Way Home» wieder einer fotografischen Position, die erst verspätet zu ihrer Adelung durch die Kunstwelt kam. Arnold Odermatts poetische Landschaftsaufnahmen mit dem Punctum der Autounfälle wurden erst Jahre später von seinem Sohn, dem Filmemacher Urs Odermatt, entdeckt und von diesem als künstlerisch wertvoll eingestuft und dann erstmals ausgestellt. Der alte Odermatt sträubte sich immer etwas gegen eine Klassifizierung, die über sein grosses Interesse an der Fotografie und seine akribische Arbeitsweise hinausging.
Aber der Erfolg gab Urs Odermatt recht, und dann ging alles ganz schnell. Der international geschätzte schweizerische Kurator Harald Szeemann nahm die Fotografien in seine, von ihm kuratierte Venedig-Biennale von 2001 auf und bezeichnete Odermatts Arbeiten im Begleittext als «neuzeitliche romantische Landschaften mit Unfall». Das liess die Kunstwelt aufhorchen und es folgten daraufhin eine Anzahl internationaler Ausstellungen.

Es liegt eine gewisse Melancholie über den Aufnahmen, die sicher einerseits von den verunfallten Autos ausgeht, aber ihre Wirkung auch aus den oft unfallbefördernden Witterungsbedingungen zieht, die sich wie ein romantischer Schleier über die ganze Landschaft legen. Gleichzeitig vermeiden diese Bilder in ihrer unaufgeregten Art auch die Sensationslust des in der zeitgenössischen Fotografie leider so verbreiteten «Ruin Porn», der Zurschaustellung von Katastrophen und Orten in Not. Der Unfall ist bei Arnold Odermatt Polizeialltag und das Unfallfoto allein dadurch schon vor allem eine objektive Betrachtung der Ereignisse und Szenerie.

Das persönliche Drama und Trauma des Verunfallten bleibt aussen vor, denn auch nach getaner Polizeiarbeit der Beweisaufnahme interessiert Odermatt vor allem der sachlich-ästhetische Aspekt eines verunglückten Autos, das sich quer in eine idyllische Landschaft stellt.

Dokument und Inszenierung

Odermatt dokumentierte den Unfallort, suchte aber aus eigenem Interesse immer noch einen formal besonders interessanten Blickwinkel für eine zusätzliche Aufnahme der «Karambolage» für sein ganz persönliches Archiv. Das Foto ist zu gleichen Teilen Beweismittel und auch eine Inszenierung. Und dieser Ansatz, also das Spannungsfeld zwischen Dokument und Inszenierung, zieht sich auch durch seine anderen Serien: vom polizeilichen Dienstalltag über die autobiografischen Fotografien aus dem Familienalbum «In zivil» bis hin zu seinen Beobachtungen des eidgenössischen Alltags in «Feierabend». Der Fotograf hat einen hohen Anspruch, sich, seine Kollegen, seine Arbeit, seine Freizeit und seine Region zu dokumentieren. Es ist der ästhetische Anspruch an ein Foto, der aus einem persönlichen Bildarchiv ein künstlerisches Werk macht, nicht unähnlich von literarisch anspruchsvollen Tagebüchern. Und genau wie Letztere oft publiziert werden, so gibt es auch für Odermatts Fotografien eine interessierte Öffentlichkeit.

Die Photobastei ist ein geeigneter Ort, an dem ebendiese kunstinteressierte Öffentlichkeit das Werk von Arnold Odermatt umfassend betrachten kann und soll. Die Ausstellung wird die verschiedenen Serien Odermatts entlang einer gedachten Zeitlinie mischen. Das heisst, das Ausstellungskonzept beruht auf der relativen Gleichzeitigkeit seines fotografischen Schaffens und damit auf dem Wechsel und entsprechendem Rhythmus zwischen beruflichem, familiärem und gesellschaftlichem Leben. (pd.)

Retrospektive Ausstellung zum Werk von Arnold Odermatt (geb. 1925). Photobastei, Sihlquai 125, 8005 Zürich. Bis 12. März, jeweils Di bis Sa 12 bis 21 Uhr, So 12 bis 18 Uhr. photobastei.ch



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