Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
08.03.2017 Von: Bastian Bernhard

Zürich Nord, Züriberg

Diese Siedlung wehrte sich gegen die Stadt


In den 20er-Jahren waren die Aussenräume im Riedtli noch separiert. Foto: Baugeschichtliches Archiv der Stadt Zürich

100 Jahre geprägt vom Kampf gegen die städtische Liegenschaftenverwaltung: Die Riedtli-Siedlung im Kreis 6 feiert ihren Geburtstag mit einem Buch.

Die Geschichte der städtischen Siedlung liest sich wie «Asterix und Obelix». In der ganzen Stadt Zürich herrscht der Renovierungs- und Neubauwahn. In der ganzen Stadt Zürich? Nein, am Fusse des Zürichbergs, in der Riedtli-Siedlung an der Winterthurerstrasse, wehren sich seit Jahrzehnten die Mieter gegen den scheinbar übermächtigen Feind. So blieben der Charme der nun 100 Jahre alten Anlage erhalten und auch die vergleichsweise günstigen Mieten. In der Hauptrolle ist bis heute der Riedtli-Verein.

Eine Stadt in der Stadt
Die zweite städtische Wohnsiedlung sei aufgrund der Wohnungsnot, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Zürich herrschte, gebaut worden, wie Claudia Moll, Landschaftsarchitektin und ehemaliges Vorstandsmitglied, erzählt. Allerdings nur indirekt, wie sie anfügt: «Diese Wohnungen waren von Anfang an für den Mittelstand konzipiert. Die Überlegung war, wenn der Mittelstand umzieht, werden die günstigeren Wohnungen für die Arbeiterklasse frei.»

Für die Planung zuständig war der damalige Stadtbaumeister Friedrich Fissler. Er orientierte sich bei der Planung an der zu Beginn des 20. Jahrhunderts modernen Gartenstadtbewegung. Dabei handelt es sich um von Grünflächen und Agrarkultur durchzogene Städte. Die Häuser selbst sind im Heimatstil gebaut. Dieser Stil sei eine Rückbesinnung auf einfache, bäuerliche Lebensformen, erklärt Moll. Die Einfachheit des Heimatstils habe Fissler in die Hand gespielt, denn dadurch konnte günstiger gebaut werden. Die Anlage fällt mit ihren grosszügigen Aussenanlagen auf. «Die Gebäude machen nur einen Viertel der Anlagenfläche aus», beschreibt Moll.

Aufgrund des vielen Platzes wollte Zürich die Siedlung verdichten. Später gar ganz abreissen und durch einen lukrativeren Neubau ersetzen. Doch stets machten die Mieter diesen Vorhaben einen Strich durch die Rechnung. In den 80er-Jahren dann der Höhepunkt: Die Stadt, mittlerweile hatte man genug von den störrischen Mietern, kündigte eine Maximalrenovierung und damit massive Mietzinserhöhungen an. Ohne Mitspracherecht der Anwohner. Ganz im Stil des berühmten gallischen Duos liessen diese sich von den Römern aber nicht entmutigen und gründeten den Riedtli-Verein. Man entgegnete dem Vorhaben der Stadtverwaltung mit einer Initiative für eine einfachere und werterhaltende Renovierung und einem dazugehörigen Abstimmungskampf. Mit Erfolg. Im Herbst 1982 wird die Initiative von allen Quartieren mit einer überwältigenden Mehrheit von 75 Prozent angenommen. Unterdessen ist es ruhiger geworden um die umkämpfte Siedlung. «Grobe bauliche Veränderungen sind kein Thema mehr, denn die Siedlung steht heute unter Denkmalschutz», sagt Moll. Dementsprechend seien «Überlebenskämpfe» nicht mehr notwendig. Bei möglichen Mietzinserhöhungen würde der Verein aber nach wie vor die Interessen der Mieter vertreten. Es scheint aber vorerst so, als wäre Ruhe im gallischen Dorf in Zürich eingekehrt.

Buchvernissage am 17. Mai um 18.30 Uhr. Mehr Infos auf: riedtliverein.ch.

 

«Unseren schönen Wohnort ehren»

Claudia Moll ist studierte Landschaftsarchitektin. Sie lebt mit ihrer Familie seit zehn Jahren in der Riedtli-Siedlung und war für rund fünf Jahre im Vorstand des Riedtli-
Vereins. Sie ist Projektleiterin für den Jubiläumsband.

Claudia Moll, worum geht es im Jubiläumsband?

Das Buch greift mehrere Themen auf. Wir schreiben über die Geschichte der Siedlung und des Riedtli-Vereins. Dazu kommt eine Reihe von Interviews, in denen Mieter und Mieterinnen in unterschiedlichen Lebenssituationen porträtiert sind. Einen Einblick ins Siedlungsleben geben grossformatige Bilder.

Was war die Idee hinter dem Buch?
Einerseits finden wir, dass die turbulente Geschichte der Siedlung erzählenswert ist. Andererseits leben viele interessante Personen in der Siedlung. Alle sind mit ihrem Wohnort auf unterschiedliche Art verbunden. Zum Beispiel Maria Krebs, die seit 1946 ihren Laden in der Siedlung betreibt, oder eine Studenten-WG. Wair sind Leute aus allen möglichen Berufen und wollten gemeinsam etwas schaffen und damit unseren schönen Wohnort ehren.



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