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08.03.2017 Von: Oliver Linow

Küsnachter

Naturschutz und Kapitalanlagen in den Tropen: Ein Erlenbacher Jungunternehmer kombiniert beides


Dominic Ziegler verkauft Teak-Bäume in Ecuador und finanziert damit seine nachhaltigen Projekte. Foto: zvg.

Der Erlenbacher Dominic Ziegler pflanzt in Ecuador über viele Hektaren Teak- Bäume und verkauft sie an Investoren. Das Geld nutzt er für nachhaltige Projekte.

Plantagen sind das Gegenteil von nahhaltigem Anbau. Ziel ist es, auf einer Fläche möglichst viel Geld zu verdienen. Auch der Erlenbacher Dominic Ziegler besitzt mit seiner Firma Arbofino AG Plantagen. Auf momentan rund 42 Hektar baut er in Ecuador Teak-Bäume an.
Das Geld ist aber nur ein Teil seiner Motivation. «Ich möchte eine positive und messbare Wirkung für die Umwelt erzielen», erklärt er im Gespräch mit dem «Küsnachter». Sein Konzept zeigt, dass dies keine leeren Worte sind.

Wirtschaft mit Natur verbinden
Die Teak-Bäume auf seiner Plantage verkauft er an Investoren. Für Fr. 22.50 bis Fr. 23.75 ist ein Setzling zu haben. Mit seinen Leuten vor Ort pflegt er die Bäume, fällt sie und verkauft das Holz. Der Erlös geht nach Abzug einer Kommission an den Investor. Die prognostizierte Rendite beträgt zwischen drei und sechs Prozent. Ob dieses Ziel erreicht wird oder die Rendite noch höher ausfällt, hängt von der Natur und vom Markt ab. Neben der Bewirtschaftung der Plantagen kümmert sich Ziegler – ebenfalls in Ecuador – um nachhaltige Projekte.
Für jede Hektare Teak-Bäume, die er verkauft, soll eine halbe Hektare vielfältiger Naturwald wachsen oder geschützt werden. Eine Möglichkeit besteht darin, bereits existierenden Sekundärwald zu kaufen und unter Schutz zu stellen. Dieser bildet sich, wenn auf zerstörten Tropenwaldflächen wieder junger natürlicher Wald nachwächst. Ein solcher kann biologisch sehr wertvoll sein. Ziegler forstet zudem ehemalige Weideflächen zu Naturwäldern auf. Neben den Pflanzen interessieren ihn auch die Tiere. Dank Fotofallen und der Zusammenarbeit mit Biologen will er überprüfen, wie sich die Artenvielfalt in diesen aufgeforsteten Gebieten über die nächsten Jahre entwickelt.
«Die Teak-Bäume haben wir nur aus wirtschaftlicher Sicht gewählt», gibt der Erlenbacher unumwunden zu. Heimisch sind sie in Ecuador nämlich nicht. Das Land ist zwar nach Brasilien der zweitgrösste Teak-Exporteur Lateinamerikas, ursprünglich wachsen die Pflanzen aber in Südund Südostasien. Ihr Holz ist robust gegen Witterung, stark wasserabweisend und hat eine hohe Abriebfestigkeit. Für Möbel, Böden oder Schiffe ist die Sorte deshalb sehr beliebt. «Ohne die Teak-Investoren könnte ich meine Nachhaltigkeitsprojekte nicht umsetzen », erläutert Ziegler. Die Herausforderung sei es, die Wirtschaftlichkeit mit Naturschutz zu verbinden.

Als Kind nie auf dem Jetski
Das Nebeneinander von Wirtschaft und Umwelt kennt Dominic Ziegler schon aus seiner Kindheit. Er wuchs in einem Hotel auf und lernte dort ökonomisch zu denken. Gleichzeitig interessierte er sich schon damals für die Umwelt. «Wenn er im Fernsehen einen Bericht über eine Umweltkatastrophe sah, konnte er nachher kaum noch schlafen», erinnert sich sein Vater Christoph, der beim Gespräch ebenfalls dabei ist. Als Verwaltungsratspräsident ist er Mitinhaber des Familienunternehmens. Seine Eltern waren es, die ihm den Respekt vor der Natur beibrachten. «In den Ferien am Meer durfte ich beispielsweise nie Jetski fahren», erinnert sich Ziegler. Als kleiner Bub hat er ausserdem Tiere, beispielsweise kleine Frösche, aufgezogen.
Nach der Schule hätte er am liebsten Forstwirtschaft oder Biologie studiert. Wegen der besseren Jobaussichten wählte er aber Betriebsökonomie. Anschliessend war er Geschäftsführer einer internationalen Umweltstiftung und später als Marketingleiter für einen heutigen Mitbewerber tätig. «Ich wollte meine eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit umsetzen», begründet er seinen Schritt in die Selbstständigkeit.
Vor zwei Jahren kaufte er in Ecuador eine 103 Hektaren grosse Finca. Sie liegt nahe der Pazifikküste, ungefähr drei Autostunden landeinwärts. Dass sich Ziegler für Ecuador entschied, hat verschiedene Gründe: Nach seinem Studium trampte er als Backpacker durch Südamerika. Drei Monate verbrachte er damals in Ecuador. Dort lernte er seine aus dem östlichen Ecuador stammende Frau kennen. Ausserdem bietet das Land sowohl für den Teak-Anbau wie auch den Bio-Kakao, das zweite Standbein der Firma, ideale Wachstumsbedingungen. Die Regierung unterstützt die Forst- und Agrarwirtschaft mit einem Förderprogramm. Sie hofft, dass die vielen brachen Flächen so effizienter genutzt werden. «Die Behörden kontrollieren besser, als ich erwartet habe », verrät Ziegler.

Nur Leute aus der Region
Vor ein paar Monaten hat er die ersten Bäume an Investoren verkauft, elf Hektaren sind es unterdessen. Dreimal pro Jahr schaut der Chef persönlich auf seiner Finca vorbei. Im April reist er das nächste Mal mit der ganzen Familie nach Südamerika. Der persönliche Kontakt mit seinen Arbeitern in Ecuador ist ihm sehr wichtig. «Sie waren am Anfang schon überrascht, dass ich mich überhaupt mit ihnen unterhalte und mich für ihr Wohlbefinden interessiere», erinnert er sich. Auf der Finca beschäftigt er nur Leute aus der Region. Ziegler hofft, in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren eine möglichst grosse Fläche Naturwald schützen zu können. «Vierhundert bis fünfhundert Hektaren möglichst zusammenhängender Wald wären meine Vision.» Das Ziel sei realistisch, wenn auch direkt vom erfolgreichen Verkauf seiner Teak- Bäume abhängig.



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