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08.03.2017 Von: Flavio Zwahlen

Züriberg

Riesbacher Velofahrer sind unzufrieden


Haben selten die gleichen Ansichten: Stadtrat Filippo Leutenegger (l.) und Gemeinderat Markus Knauss. Foto: Flavio Zwahlen

Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP) bekam es im GZ Riesbach mit rund 50 Velofahrern zu tun. Sie wollen besser in den Stadtverkehr eingebunden werden.

Filippo Leutenegger, Vorsteher Tiefbau- und Entsorgungsdepartement der Stadt Zürich, wusste, worauf er sich einlässt, als er sich für die Podiumsdiskussion im GZ Riesbach anmeldete. Thema war nämlich «Velofahren in Riesbach». Er sagt: «Ich komme gerne an die Veranstaltungen des Quartiervereins und nehme Verbesserungsvorschläge entgegen.» Ihm gehe es vor allem darum, die Meinungen von direkt Betroffenen zu hören.
Die Forderungen der Anwohner sind jedoch keineswegs kleinlich. Und das, obwohl bereits Routen für Velofahrer bestehen. Hansruedi Diggelmann, Raumplaner und Vorstandsmitglied des Quartiervereins, hält fest: «Wir haben mit der Seefeldstrasse eine schnelle und mit dem Seeweg eine schöne Route ins Stadtzentrum. » Da er selber viel mit dem Velo unterwegs sei, kenne er diese Wege in- und auswendig. Deshalb stellt er klar: «Wir jammern auf einem sehr hohen Niveau, aber Verbesserungen kann man immer anbringen. »

Knauss versus Leutenegger
Um die Veloseite zu verstärken, wurde auch Markus Knauss, Gemeinderat Grüne und Geschäftsführer von VCS Zürich (Verkehrs-Club der Schweiz), zum Podium eingeladen. Ein Hardliner und das Gegenstück zu Leutenegger. Richtig gute Freunde werden die beiden zwar nicht mehr. Dennoch diskutierten sie auf einer anständigen Ebene über die Veloprobleme der Riesbacher. Stadtrat Leutenegger: «Ich arbeite gern mit einem Widerstand und höre mir seine Sichtweise an.» Er und Knauss hätten einen Konsens im Dissens, fügt der FDPler lachend hinzu. Knauss bedankte sich höflich für die «lobenden Worte», drückte sich danach aber weniger zimperlich aus. «Filippo setzt sich zwar gut für Veloabstellplätze ein, vernachlässigt aber die Velowege.» Die Autostrassen würden bei Leutenegger immer an erster Stelle stehen. «Wenn es dann noch genügend Platz gibt, kommt noch ein Weg für Fahrradfahrer dazu. » Knauss bezeichnet dies als Restflächenverwertung. Der Grüne setzt nochmals einen drauf und meint an Leutenegger gerichtet: «Du musst mal mit deiner FDP-Parteikollegin Carmen Walker Späh (Regierungsrätin) aufs Velo steigen, dann fallen dir die Probleme auch auf.»

Viel Ärger beim Bellevue
Wenig überraschend würdigten die anwesenden Riesbacher die Rede von Knauss mit lautem Beifall. Wobei man ihnen zugutehalten muss, dass sie auch nach dem Referat von Filippo Leutenegger applaudierten, wenn auch verhaltener.
Als sich das Publikum einbringen konnte, wurde schnell klar, was das bedeutendste Problem für die Anwohner ist: das Bellevue. Sie beklagten sich, dass es zu umständlich sei, den Platz in Richtung Seefeld zu überqueren. Leutenegger darauf: «Das Bellevue ist ein Knotenpunkt, wo Autos, öV und Velos aneinander vorbeikommen müssen. Da kann man manchmal einfach nichts machen und muss die erschwerten Umstände in Kauf nehmen.» Seine Aussage wurde von einem Mann aus dem Publikum, der sich zuvor für bessere Velowege ausgesprochen hatte, unterstützt: «Manchmal gibt es in einer Grossstadt einfach zu wenig Platz für alle Verkehrsmittel. Dann muss man halt ein bisschen zirkeln und das Tempo drosseln.»

Dufourstrasse als Lösung
In früheren Jahren wurden wichtige Transitachsen wie die Mühlebachund die Seefeldstrasse für Velofahrende gesichert. Doch so richtig zufrieden ist die Bevölkerung damit nicht. Hansruedi Diggelmann sagt: «Die Dufourstrasse (30er-Zone) würde sich in meinen Augen besser als Veloweg eignen.» Diese Meinung teilte der Grossteil der Anwesenden mit ihm. Leutenegger nimmt es zur Kenntnis: «In einer 30er-Zone muss man zwar keinen Veloweg mehr machen, aber es wäre sicher eine Möglichkeit, diese Strasse fahrradfreundlicher zu gestalten.»
Die Stadt plant an der Seepromenade zudem eine Komfortroute. Das heisst, die Velofahrer werden kanalisiert und müssten sich nicht mehr durch die Fussgänger zwängen. Dies passt den Riesbachern jedoch ebenfalls nicht so recht. Diggelmann: «Wir wollen so nahe wie möglich am See fahren. Da nehmen wir den Mischverkehr mit den Fussgängern gern in Kauf.» Hinzu komme, dass die geplante Route bei gewissen Streckenabschnitten zu eng sei und die Velos dort abbremsen müssten, um sicher aneinander vorbeizufahren.
In seinem Schlusswort fasste Markus Knauss seine Ansichten wie folgt zusammen: «Autofahren in der Stadt ist vorbei.» Das Publikum applaudierte einmal mehr lautstark, während Filippo Leutenegger nur ein müdes Lächeln für diese Aussage übrig hatte.



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