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08.03.2017 Von: Oliver Linow

Küsnachter

Seit fast zehn Jahren steht die Klinik St. Raphael leer


Der Verkauf der Klinik St. Raphael gestaltet sich schwierig. Seit fast zehn Jahren steht sie leer. Foto: Oliver Linow

Die Klinik St. Raphael schloss 2008 ihre Türen. Der Verkauf ist aber bis heute nicht gelungen. Zwei Besonderheiten des Landes könnten die Ursache sein.

«Bei einem Spaziergang suchte ich die ehemalige Klinik St. Raphael auf.» Dies schrieb uns eine Leserin. Die ehemalige Privatklinik liegt in der Hinterzelg 85 in Küsnacht in der Nähe des Rumensees. Es habe sie interessiert, was daraus geworden sei, da sie eine Zeit lang dort als Pflege gearbeitet hatte. «Was ich sah, ist erschütternd, ein ehemals so wunderschönes stolzes Haus steht vergammelt inmitten einer sehr gepflegten Umgebung», schreibt die Leserin weiter.

Das Land sollte verkauft werden
Tatsächlich hat die Klinik ihren Betrieb bereits Ende Mai 2008 eingestellt. Eigentlich hätte auf dem Grundstück ein Neubau entstehen sollen. Dies war der Plan der Klinik Pyramide am See in Zürich und einer Gruppe bisheriger Belegärzte. Sie hatten die Klinik 2001 übernommen und wollten eine hundertprozentige Belegarztpraxis errichten.
Es kam aber anders: «Leider hat sich das Neubauprojekt aufgrund von langwierigen Einsprachen einiger Nachbarn über mehrere Jahre verzögert.» So schrieb es die Klinik St. Raphael im Januar 2009 in einer Medienmitteilung. Dies habe dazu geführt, dass unzählige Ärzte, die sich ursprünglich am Projekt beteiligt hätten, von einem Engagement absahen. Gemäss Mitteilung war der Verwaltungsrat vorerst zuversichtlich gewesen, den Neubau dennoch realisieren zu können. In den letzten Monaten des Jahres 2008 habe sich aber abgezeichnet, dass die Finanzkrise und die zunehmend ungünstigen Entwicklungen im Gesundheitswesen auch negative Auswirkungen auf das Neubauprojekt haben könnten. Die Verunsicherung über die Zukunft der privaten Medizin schien alle Akteure in ihren finanziellen Möglichkeiten einzuschränken. Ein verbindliches Zugeständnis zugunsten der Klinik St. Raphael zu den festgelegten Bedingungen war nicht mehr möglich. «Nun wird auch die Liegenschaft abgebrochen und das Land verkauft.» So lautete die Schlussfolgerung der Mitteilung.

Rekurs gegen Denkmalschutz
Dies ist bis heute – über acht Jahre später – aber nicht geschehen. Beat Huber, Direktor der Klinik Pyramide am See, möchte sich auf Anfrage nicht zu den Gründen äussern. Das Grundstück weist aber zwei Besonderheiten auf, die den Kreis möglicher Käufer wahrscheinlich einschränken. Dies bestätigt die Küsnachter Gemeindeschreiberin Catrina Erb Pola auf Anfrage. Erstens steht das Haupthaus der Klinik, die Villa Nager, unter Denkmalschutz. «Zusätzliche Überbauungen dürfen die Villa und deren Garten nicht beeinträchtigen », erklärt sie. Das Gebäude war schon länger im Inventar der schutzwürdigen Bauten aufgeführt. Als es 2001 einen Neubau geben sollte, hob die Gemeinde den Schutz auf. «Das öffentliche Interesse an einer Weiterführung des Klinikbetriebs wurde höher eingestuft als die Unterschutzstellung der Villa », erläutert Erb. Als der Neubau platzte, stellte die Gemeinde die Villa erneut unter Denkmalschutz. Die Besitzer der Klinik rekurrierten gegen diesen Entscheid. Das Bundesgericht erkannte in der Villa aber ein Stück Schweizer Architekturgeschichte und hielt den Schritt der Gemeinde für berechtigt. Ob der Denkmalschutz für ein konkretes Projekt wieder aufgehoben würde, scheint unsicher. Es müsste im Einzelfall geprüft werden, erklärt die Gemeindeschreiberin. «An die Aufhebung der Unterschutzstellung würden aber hohe Anforderungen gestellt.»

Gemeinde wollte das Grundstück
Die zweite Besonderheit ist, dass sich rund 11 000 Quadratmeter des fast 18 000 grossen Grundstücks in der Zone für öffentliche Bauten befindet. Wenn ein Privater in dieser Zone bauen möchte, muss er einen Gestaltungsplan ausarbeiten. Die Gebäude in dieser Zone müssen zudem eine öffentliche Aufgabe erfüllen. Möglich sind beispielsweise Spitäler, Schulen oder Altersheime.
Um das Grundstück anders zu nutzen, müsste die Gemeinde das Land umzonen. Das geht aber nur, wenn sich die Verhältnisse seit der Planfestsetzung geändert haben. Anschliessend liegt der Entscheid bei der Gemeindeversammlung. Im Juni stimmt das Volk über eine Teilrevision der Bau- und Zonenordnung ab. Gemäss Unterlagen steht das Land der Klinik St. Raphael aber nicht zur Diskussion.
Die Gemeinde selbst bekundete übrigens bereits einmal Interesse, das Land zu kaufen. «Die Preisvorstellungen lagen aber zu weit auseinander », erzählt Erb Pola.



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