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15.03.2017 Von: Lisa Maire

Zürich West

Neue Haut und neues Herz für das Tramdepot Kalkbreite


Am frühen Abend ist das Tramdepot noch fast leer, aber nach und nach werden hier etwa 52 Trams zur Nachtruhe einkehren. 13 weitere Fahrzeuge fasst die neue Garage in der Überbauung Kalkbreite. (Foto: mai.)

Das Tramdepot Kalkbreite wird zurzeit für 32 Millionen Franken renoviert. Stadtrat Andres Türler und die VBZ luden zu einem Blick hinter die Kulissen.

Rund 200 Personen hatten sich für die Führung im Tramdepot Kalkbreite angemeldet. «Wir waren sinnlos überbucht», freute sich der «oberste Trämler», Stadtrat Andres Türler, über das grosse Interesse. Da es nur für die Hälfte der Angemeldeten Platz gab, habe man kurzerhand entschieden, die Führung im April zu wiederholen. Türler gab in seiner Begrüssungsrede einen kurzen Überblick über das 32-Millionen-Sanierungsprojekt, das sich wegen einer Stimmrechtsbeschwerde aus dem Gemeinderat um zwei Jahre verzögert hat.

Herausforderung Denkmalschutz

Nun sind die Arbeiten gestartet: Bei laufendem Betrieb wird das Trämli-Nachtquartier zwischen der Elisabethenstrasse und dem Bahnhof Wiedikon bis Ende 2018 erneuert. Der 1939 unter Stadtbaumeister Hermann Herter erstellte Gebäudekomplex gilt bauhistorisch als Schmuckstück. Doch Brandschutz, Statik, Gebäudehülle und -technik sowie der Energieverbrauch lassen zu wünschen übrig.

Weil das Dach der praktisch stützenlosen Gebäudekonstruktion gemäss heutigen Normen überbelastet ist, werden nun gewisse Betonelemente durch Leichtbauelemente ersetzt. Dach und Oberlichter erhalten zudem eine Dämmung und (für den Brandfall) eine «natürliche» Rauchentlüftung über die Fenster.

An der Führung konnte man sich auch bereits ein Bild machen von der neuen «zweiten Haut» des Depots. Da die transparente Glasarchitektur für die Stadt kunst- und kulturhistorisch von grosser Bedeutung ist, darf sie aussen nicht angetastet werden. So erhält die Fassade nun auf ihrer ganzen Länge eine zusätzliche innere Schicht, bestehend aus kerngedämmtem Mauerwerk und einer schlanken Metall-Glasfassade. Damit, so erklärte ein Projektverantwortlicher, werde es unter anderem möglich, die vom Arbeitsgesetz geforderten Minimal- und Maximaltemperaturen einzuhalten.

Neben den denkmalschützerischen gibt es bei der Sanierung weitere Herausforderungen zu meistern, denn die Anlage wird bei laufendem Betrieb saniert. Sowohl das Depot als auch die zugehörige neue Einstellhalle unter der Terrasse der gegenüberliegenden Genossenschaftsüberbauung Kalkbreite sind jede Nacht proppenvoll. Insgesamt etwa 65 Trams werden hier abgestellt. Damit drängen sich umfassende Sicherheitsmassnahmen auf. Das Hauptproblem: der Strombedarf der Trams. Die Arbeiten werden deshalb etappiert und die 600-Volt-Fahrleitungen zu gewissen Zeiten lahmgelegt. Vor Unfällen schützen sollen zudem ein Sicherheitsabstand zwischen stromführenden Leitungen und Bauteilen, ein Fangnetz sowie ein personeller Sicherheitsdienst.

Komplett neues Stellwerk

Zentral bei der hochkomplexen Abwicklung des Ein- und Ausfahrtverkehrs – mit etwa 250 Weichen – ist das Stellwerk. Das betriebliche Herzstück wurde bereits erneuert. Das heisst: Seit dem vergangenen Herbst ersetzt ein vollumfänglich von den VBZ entwickeltes, elektronisches System die alte Siemens-Anlage von 1971, die grösstenteils mit Relaytechnik funktionierte. Die neue Steuerung befindet sich in einem mobilen Container bei der Depoteinfahrt, der je nach Verlauf der Bauarbeiten verschoben werden kann. Vor dem Container geben zwei Bildschirme einen Überblick über den Gang der Dinge im und ums Depot. Wobei eindringliche «Gong-Gongs» Störungen anzeigen, oder etwa auch, wenn sich jemand im Fahrbereich eines schon vor dem Tor elektronisch erfassten Trams aufhält. Der Aufbau der neuen Weichen- und Torsteuerung sei eine riesige Herausforderung gewesen, sagte ein Projektverantwortlicher der VBZ. «Aber wir haben es geschafft.»



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