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16.03.2017 Von: Oliver Linow

Küsnachter Amtlich

«Weder die Schlimmsten noch die Bravsten»


Zusammen mit seiner Band Vescoli & Co spielt Toni Vescoli am Zürichsee Festival. Foto: zvg.

Seit über 50 Jahren ist Toni Vescoli Musiker. Nun spielt er am Zürichsee Festival. Im Interview spricht er über sein das Image der Rock ’n’ Roller und die Schwierigkeiten im Musikgeschäft.

Toni Vescoli, wann haben Sie genug von der Musik? 
Immer wieder. Ich habe etwa eineinhalb Konzerte pro Woche. Da bin ich auch froh, wenn ich mal frei habe. Aber es ist nicht die Musik, von der ich genug habe.

Sondern? 
Ich bin ein Arbeiter. Ich fahre selber an die Konzerte, stelle auf und mache die Soundchecks. Ich habe niemanden, der mir alles vorbereitet. Bei einem Auftritt bin ich zwölf bis vierzehn Stunden unterwegs. Gleichzeitig mache ich auch noch mein Management. Ich bin wie ein KMU.

Wieso lehnen Sie sich nicht einfach zurück und geniessen das Leben? 
Ich könnte das Leben gar nicht geniessen. Das hat einen spirituellen Grund. Ich habe das Talent, Leuten eine Freude zu bereiten. Da kann ich nicht einfach damit aufhören.

Was hat sich während Ihrer Karriere in der Musik-Szene am meisten verändert? 
Es ist viel schwieriger, an Konzerte zu kommen. Schon in den 1960er- Jahren kamen die DJ auf. Die spielten einfach, was die Leute im Lokal hören wollten. Als Veranstalter ist es viel einfacher, wenn du nur einen DJ hast, statt vier Musiker, die auch noch Groupies mitschleppen. Ausserdem können sie alle Musikrichtungen abspielen.

Wie seid ihr damit umgegangen? 
Am Anfang hatten wir mit den Sauterelles jedes Jahr über dreihundert Auftritte. Als die DJ aufkamen, waren wir schon ein bisschen bekannter und nicht mehr darauf angewiesen, jeden Abend in einem kleinen Lokal zu spielen.

Was gibt es sonst für Unterschiede zu früher? 
Die Leute können alle Musik gratis im Internet herunterladen. Das ist schlimm. Einnahmen aus dem Verkauf sind meine zweite Säule. Ich habe keine Pensionskasse. Wenn alles gratis ist, profitieren nur die grossen Musiker.

Wie können Sie dennoch überleben? 
Dank meiner Vielseitigkeit habe ich immer noch sehr viele Konzerte. Ich spiele solo, im Duo oder auch mit den Bands Vescoli & Co. oder Les Sauterelles. Ausserdem habe ich das Programm «MacheWasiWill», bei dem ich aus meiner Biografie erzähle, Songs aus den verschiedenen Epochen spiele und die Bilder dazu zeige.

Angefangen haben Sie mit Rock ’n’ Roll. Dazu gehören Sex and Drugs. Hat sich Ihr Lebensstil mit der Musik entwickelt? 
Das ist eine ganz falsche Einstellung. Wir Rock ’n’ Roller haben nicht Sex and Drugs erfunden. Das gab es bereits beim Jazz und gibt es auch heute überall. Rock ’n’ Roller sind weder die Schlimmsten noch die Bravsten.

Woher kommt denn dieses Image? 
Vom Bünzli her stimmts. Da ist das verrucht und schlimm, was wir alles getrieben haben. Aber eigentlich war das ganz normal. Wenn es die Gelegenheit gab, hat man die genutzt und manchmal auch ein bisschen zu viel getrunken. Aber ich war praktisch nie richtig besoffen und Gras geraucht habe ich nur ganz selten. Härtere Drogen haben mich nicht interessiert.

Hat Ihnen das nie gefehlt? 
Nein, ich habe ja gesehen, was daraus werden kann. Ich habe auch probiert, Songs zu schreiben, während ich Gras rauchte oder eine Flasche Wein trank. Aber sie wurden weder besser noch schlechter. Viele Lieder habe ich ganz ausgeschlafen am Morgen früh geschrieben.

Hat Ihre Frau dabei eine Rolle gespielt? 
Das hatte sicher einen Einfluss. Sie brachte zwei kleine Kinder in die Ehe. Da willst du nicht, dass die dich irgendwann total zugedröhnt in einer Ecke finden. Aber das war auch vorher nicht der Fall.

Über Ihre Zeit als Musiker haben Sie eine Biografie geschrieben. Wie kamen Sie auf diese Idee? 
Geschrieben habe ich eigentlich immer gerne, in der Schule erhielt ich für meine Aufsätze meistens Sechser. Die Songs, die ich geschrieben habe, sind ebenfalls alles Kurzgeschichten. Die müssen einfach auch noch rhythmisch stimmen und sich reimen.

Aber was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie gesagt haben, so jetzt schreib ich ein Buch? 
Wenn jemand mir eine Frage stellt, rede ich gleich eine halbe Stunde und erzähle viele Anekdoten. Einige Leute haben mir gesagt, ich solle diese interessanten Geschichten doch aufschreiben.

Gabe es noch weitere Gründe? 
So konnte ich einmal alles in ein klares Licht rücken. Beispielsweise die Geschichte mit den Sauterelles. Wie das abgelaufen ist mit der Trennung. Das gleich gilt für das Image von Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll. Ich wollte einfach zeigen, wie es wirklich war.

Was ist nach der Biografie Ihr nächstes grosses Projekt? 
Ich arbeite schon länger an einem Solo-Programm. Es erscheint wahrscheinlich 2019 und umfasst Folk- Rock, viel Blues und etwas Country- Musik.



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