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22.03.2017
Zürich West

Quartierbewohner zerpflücken das Gartenprojekt


Blick vom Mösliweg auf den westlichen Teil des geplanten Gartenareals Dunkelhölzli. Im Hintergrund links das «Triibhuus» mit Eventlokal und der ehemaligen Gärtnerei. Fotos: mai.

Während andernorts in der Stadt Familiengärten verschwinden, soll im Dunkelhölzli am Westrand von Altstetten ein neues Gartenareal entstehen. Das Projekt der Stadt ist jedoch umstritten. Dies zeigte auch eine öffentliche Infoveranstaltung.

Lisa Maire

Stadtrat Filippo Leutenegger und Christine Bräm, Direktorin Grün Stadt Zürich (GSZ), stellten das Projekt für das neue Dunkelhölzli am Montag vor weit über 100 Interessierten vor. Für 12,8 Millionen Franken will die Stadt am westlichen Rand von Altstetten ein 3,8 Hektar grosses Gartenareal erstellen. Es soll vor allem den rund 120 Hobbygärtnern zugutekommen, deren heutige Pflanzplätze auf dem Areal Juch dem geplanten Eishockeystadion weichen müssen.

Gärten, Park, Hochwasserschutz

Neben sechs Fächern für biologisch bewirtschaftete Klein- und Gemeinschaftsgärten ist ein neues Gemeinschaftsgebäude vorgesehen. Dazu kommen 16 Parkplätze und 60 Veloabstellplätze bei den Eingängen an der Dunkelhölzlistrasse und am Salzweg. Für einen Teil des Gartenareals sind umfassende Bodensanierungen erforderlich. Darüber hinaus will die Stadt um die Gärten herum einen 2,8 Hektar grossen öffentlichen «Park» schaffen, mit neuen Wegen, grossen Wiesen sowie zwei umgelegten und geöffneten Bachläufen. Im Gewässerraum ist gleichzeitig eine Rückhaltemulde geplant. Als Schutz für das Siedlungsgebiet «im Falle eines Jahrhunderthochwassers», erklärte Bräm.
Das Projekt befindet sich zurzeit im Planauflageverfahren (Mitwirkung). Seine Umsetzung ist für 2018 geplant, sodass die ersten neuen Gärten im Frühling 2019 beackert und bepflanzt werden könnten.

Schnecken statt Salatköpfe

Ob es wirklich so weit kommt, steht auf einem anderen Blatt. Denn im Quartier macht sich Widerstand gegen das Projekt breit. Federführend ist dabei der ehemalige FDP-Kantonsrat Rolf Walther. Ihm ist vor allem das «Wasserprojekt» mit Bachverlegung und Hochwasserschutz ein Dorn im Auge. Er fragt sich zudem, wie viel Sinn das Gärtnern in einem früheren See – auf einem an sich ungeeigneten, weil sehr feuchten Boden – mache (s. auch Box). Es sei ja bekannt: Im Dunkelhölzli «wachsen die Schnecken schneller als die Salatköpfe», brachte er das Problem auf den Punkt.

Gärtnern auf wenigen Teilflächen hält Walther zwar für sinnvoll, dafür brauche es aber keine Erdverschiebungen, Trockenlegungen und einen Hochwasserschutz, der kaum berücksichtige, dass das Wasser im Dunkelhözli nicht von den beiden Bächen her, sondern über verschiedenste Wege ins Gelände gelange. Er ist zudem überzeugt, dass viele Hobbygärtner kein neues Gebäude und mehr Parkplätze wünschen, und weder Spaziergängern noch Sportlern zusätzliche Wege am Herzen liegen. Walther, der auch im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens gegen das Projekt kämpft, hält den heutigen Naturraum Dunkelhölzli für höchst lebens- und schützenswert. Er hofft deshalb, dass die entsprechende Weisung des Stadtrats vom Gemeinderat zurückgewiesen wird.

«Projekt überdimensioniert»

Der johlende Applaus aus dem 150-köpfigen Publikum zeigte: Der Ex-Politiker steht mit seiner Meinung nicht allein da. Die Tatsache, dass die Stadt einen so grosszügigen Platz zum Gärtnern zur Verfügung stellen will, erhielt zwar grundsätzlich viel Lob. Die Stimmen, die das Projekt als überdimensioniert bezeichneten, waren jedoch unüberhörbar. Die Gärten seien ja gut und recht, aber das ganze Drumherum – «bloss Design – typisch Stadt Zürich halt», sagte jemand.
Ein weiterer Quartierbewohner monierte: «Ein Gartenareal sollte man eigentlich ohne so viele Eingriffe hinbekommen.» Die Stadt plane an den Bedürfnissen vorbei. Auf die Frage, ob es denn nicht auch eine redimensionierte Alternative gebe, stellte Stadtrat Leutenegger klar: Vom politischen Prozedere her sind Projektänderungen nur noch möglich, wenn sie über das Parlament laufen. Eine der Gärtnerinnen vom Vulkan-Areal, die ihre Beete im Herbst 2018 räumen müssen, bemängelte, dass das neue Dunkelhölzli erst im darauffolgenden Frühling betriebsbereit sei. Sie hätte sich einen nahtlosen Übergang gewünscht. Was sie denn mit all ihren vielen Pflanzen im Winter machen solle? «Da finden wir sicher eine Lösung», gab sich Leutenegger zuversichtlich.

Verkehr im Zentrum der Kritik

Die meisten kritischen Voten zum neuen Dunkelhölzli drehten sich jedoch um das Thema Parkplätze und Verkehr – vor allem auch in Zusammenhang mit dem Eventlokal «Triibhuus» und dem Wochenend-Spaziertourismus. Für ihre Annahme, die meisten Spaziergänger kämen doch wohl zu Fuss aus dem Quartier ins Dunkelhölzli, erntete die GSZ-Direktorin viel Gelächter. Die Erfahrungen der Anwohner sagen etwas anderes: «16 Parkplätze sind nicht realistisch», zum Beispiel. Oder: «An den Wochenenden sind jetzt schon die Wiesen zugeparkt.» Eine Anwohnerin kritisierte zudem, dass nicht nur der Verkehr auf den zwei kleinen Quartierstrassen angeschaut wird. «Man müsste vielmehr die ganze Rautistrasse mitdenken.»

Die beiden Stadtvertreter versicherten, die Parkplatz- und Verkehrsproblematik werde zusammen mit der Dienstabteilung Verkehr noch genau angeschaut. Das Verkehrskonzept, so Leutenegger, hänge aber auch vom künftigen Bedarf der Gärtner an Pflanzflächen ab, und dieser stehe zurzeit noch nicht fest.



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