Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
22.03.2017 Von: Flavio Zwahlen

Züriberg

Urs Egger: «Niemand ist unersetzlich»


Ein FC Seefeld ohne Urs Egger: unvorstellbar. Nun übergibt das Urgestein, nach 38 Jahren, die Vereinsführung an einen neuen Präsidenten. Der «Züriberg» blickt mit der treuen Seele auf dessen langjähriges Engagement für den Quartierverein zurück.

Urs Egger, vor knapp drei Jahren haben Sie das Präsidentenamt beim Stadtzürcher Fussballverband weitergegeben. Nun treten Sie auch als Präsident des FC Seefeld zurück. Haben Sie die Schnauze voll von Fussball?
Überhaupt nicht. Doch ich komme langsam in ein Alter, in dem ich meine Engagements etwas abbauen möchte.

Sie suchten beim FC Seefeld schon länger nach einem Nachfolger. Warum kommt der Rücktritt gerade jetzt?
Ich bin der Meinung, dass nach einigen Jahren eine Erneuerung für jeden Vorstand eines Vereins sinnvoll ist. Die jetzige Lösung ist eine gute Gelegenheit für einen Wechsel.

Marc Caprez ist der neue Präsident. Trauen Sie ihm zu, in Ihre riesigen Fussstapfen zu treten?
Nun ich habe zwar Schuhgrösse 44, denke aber, dass die Führung eines Quartierfussballclubs keine unlösbare Aufgabe ist.

Welche Tipps geben Sie ihm?
Marc Caprez braucht keine Tipps, da er die Juniorenabteilung des FC Seefeld seit Jahren bestens kennt. Jeder hat seinen eigenen Führungsstil, wie man die Freiwilligen für ihren Einsatz im Verein motiviert. Dafür ist in meinem Augen in einem Sportclub das Vertrauen gegenüber den Kollegen die wichtigste Basis.

Sie sind seit 38! Jahren im Vorstand des FC Seefeld. Kann der Verein ohne Urs Egger überhaupt funktionieren?
Niemand ist unersetzlich. Es gibt einen klar strukturierten Plan für die Übergabe der einzelnen Aufgaben. Zudem stehe ich bis Ende Saison als Team-Manager der ersten Mannschaft weiterhin zur Verfügung.

Wie haben Sie es geschafft, zusammen mit Luigi Busarello (seit 35 Jahren Vizepräsident) den Club über einen so grossen Zeitraum zu führen?
Man kann einen Verein dieser Grössenordnung nie alleine führen. Es braucht eine Vielzahl von Kollegen im Vorstand und vor allem als Trainer auf allen Stufen, um den Verein gut zu führen. Nicht zu vergessen sind die Sponsoren, welche den FC Seefeld über viele Jahre grosszügig unterstützt haben.

Was sind Ihre grössten Errungenschaften beim FC Seefeld?
Es ist gelungen, sowohl leistungsorientierten Spitzenamateurfussball wie auch Breitensport unter einem Dach zu spielen. Dazu gehört auch die hervorragende Ausbildungsarbeit im Juniorenfussball. In den 1980er-Jahren gehörte der FC Seefeld zusammen mit den Grossclubs zur Spitze im Schweizer Fussball. Später gelang es immer wieder im regionalen Juniorenfussball zur Spitze zu gehören.

Was hätten Sie besser machen können?
Es ist nicht gelungen, die Quartierbevölkerung für den Besuch der Spiele der Aktivmannschaften zu mobilisieren. Dieses Problem kennen aber auch andere Fussballvereine in der Stadt Zürich.

Wird man Sie eines Tages wieder im Vorstand eines Fussballvereins sehen?
Ich werde mich als Gemeinderat sicher weiterhin für den Fussball und den Sport in dieser Stadt engagieren. Eine Vorstandstätigkeit wird dieses Engagement aber wohl eher nicht mehr beinhalten.

Gehört Ihr Fussballer-Herz allein dem FC Seefeld oder gibt es auch andere Mannschaften, die Sie regelmässig verfolgen?
Ich habe nie für einen andern Verein Fussball gespielt. Der FC Seefeld ist und bleibt mein Club. Sonst würde ich es natürlich gerne sehen, wenn der Schweizer-Meister-Pokal wieder in der Stadt Zürich stehen würde.

Was waren Ihre grössten Erfolge, als Sie selbst noch auf dem Platz standen?
In meiner Aktivzeit ging es eher darum, den Abstieg aus der 2. Liga zu verhindern. In den 1980er-Jahren wechselten einige Spieler des FC Seefeld direkt in den Profifussball, was heute undenkbar wäre.

Welche Spieler waren das?
Die Gebrüder Hermann, Oskar Bouli und Urs Meier wechselten zum Grasshoppers Club.

Wie hat sich der Fussball in den letzten 15 Jahren sportlich entwickelt?
Der Spitzenfussball wird über die U-Mannschaften erfolgreich gefördert. Der Schweizer Profifussball kann den jungen talentierten Spielern allerdings zu wenig bieten, sodass diese zu rasch ins Ausland wechseln. Der Amateurfussball hingegen findet keinen Anschluss mehr an den Spitzenfussball, da die Talente bereits im Alter von 9 bis 10 Jahren zu den Proficlubs geholt werden.

Und finanziell?
Finanziell werden die Amateurclubs von der wuchernden Verbandsbürokratie des Schweizerischen Fussballverbandes auf vielfältige Art und Weise geschröpft. Das Interesse der Bevölkerung am Profifussball ist in der Schweiz weiter gesunken. Daher können viele Clubs ihre Budgets nur mit Mäzenen decken. Verschwinden diese Financiers oder erweisen sie sich als unzuverlässig, gehen die Vereine konkurs.

Nun bekommt Ihr Terminkalender einige Lücken. Wie füllen Sie diese?
Mit meinem politischen Engagement, unserer Kleinbrauerei und dem Präsidium von myclimate besteht keine Gefahr, dass ich unbeschäftigt herumsitze.

Wie oft werden Sie sich in Zukunft noch auf dem Sportplatz Lengg blicken lassen?
Ich hoffe, dass es ab und zu für ein Training mit meinen langjährigen Kollegen der Ü-60 reichen wird. Sicher werde ich mir auch Spiele der FC Seefeld-Mannschaften ansehen.

Ich wünsche dem FC Seefeld…
...weiterhin gutes Gedeihen mit erfolgreicher Juniorenarbeit, ambitioniertem Fussball auf der Aktivstufe und einer breit abgestützten Mitgliederbasis, welche den Verein mindestens sein 100-jähriges Bestehen (2031) feiern lässt.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 18. Mai 2017
Zürich 2 vom 18. Mai 2017
Zürich Nord vom 18. Mai 2017
Zürich West vom 18. Mai 2017
Küsnachter vom 18. Mai 2017
Küsnachter Amtlich vom 18. Mai 2017

Sonderzeitungen

Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
ZSC
Abenteuer StadtNatur
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger