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29.03.2017 Von: Annina Just

Küsnachter

Die Kulisse präsentiert sich in Hochform


Ehrung nach der Premiere: Regisseurin Renate Muggli (li.), Regieassistentin

Kaiser Romulus kümmert sich lieber um seine Hühner als um sein untergehendes Weltreich. Der Theaterverein Kulisse spielt das Dürrenmatt- Stück mit viel Liebe zum Detail und bietet hervorragende Unterhaltung.

Korruption und Staatsbankrott, Machtstreben und Blutvergiessen, aber auch Flucht, Angst vor «Andersartigen» oder politisches Kalkül: Die Themen im Stück «Romulus der Grosse», in dem ein Kaiser lieber Hühner züchtet, als sein Reich vor dem Untergang zu retten, sind heute genauso aktuell wie zu Lebzeiten von Autor Dürrenmatt oder zur Spielzeit des Stücks vor gut 1500 Jahren. Dies stellte auch Markus Ernst in seiner Rede am Premierenapéro fest. Er selbst hätte sich vielleicht sogar Romulus zum Vorbild nehmen müssen, denn mit sarkastischem Unterton meinte der Gemeindepräsident: «Ich habe mich während des Stücks oft gefragt, ob es für mich in letzter Zeit nicht auch erbaulicher gewesen wäre, wenn ich mich der Hühnerzucht gewidmet hätte.» Lacher aus dem Publikum waren ihm damit garantiert.

Barde als gelungene Ergänzung
Für die Kulisse-Equipe hatte Ernst nur lobende Worte übrig: «Zwölf Jahre nach dem ‹Besuch der alten Dame› ist der Kulisse mit ihrem nächsten Dürrenmatt- Stück wieder ein hervorragender Wurf mit einer ausgezeichneten Schauspielleistung gelungen.» Das Wichtigste sei dabei der typisch Dürrenmattsche Humor, der hervorragend umgesetzt wurde. Er habe sich jedenfalls köstlich amüsiert, fuhr der Gemeindepräsident fort. Neben den tragikomischen Textpassagen aus der Feder von Dürrenmatt bietet die Inszenierung von Renate Muggli viel Liebe zum Detail, gekonnte Brüche zur Spielzeit sowie gelungene Situationskomik – etwa als Romulus feststellt, dass man am Hof aus dem letzten Loch pfeife und der danebenstehende Barde ein fröhliches Pfeifkonzert anstimmt.
Der Barde, verkörpert vom erfahrenen Sänger Adrian Feubli, ist sowieso eine sehr gelungene Ergänzung Mugglis. Der stattliche junge Herr versprüht nämlich als Einziger noch etwas Glamour am heruntergekommenen Hof. Er hat zwar keinen Text, ist aber permanent auf der Bühne anwesend und kümmert sich im Hintergrund penibel um sein Erscheinungsbild. In erster Linie ist er aber für Gesangseinlagen zuständig, die mal der Unterhaltung des Kaisers dienen, mal aber auch als Zwischenspiel und humoristische Einlage funktionieren.

«Gopferdammi» sorgt für Lacher
Nicht nur diesen Kammerjungen kann der Zuschauer fast pausenlos beobachten, auch sonst sind neben dem omnipräsenten Kaiser Romulus oftmals Figuren auf der Bühne, die mit ihrem feingeschliffenen Spiel im Hintergrund dafür sorgen, dass die ganze Darbietung sehr lebendig wirkt.
Muggli hatte nach einem Probedurchlauf eine Woche vor der Premiere gesagt, dass die vielen kleineren Rollen nun ausdrucksstark und farbig wirken würden. Diese Qualität im Spiel der Küsnachter Theatergruppe hatte sie bis zur Premiere nochmals deutlich mehr herausgearbeitet – so ist die Spielfreude der Schauspieler auch für den Zuschauer ein wahres Vergnügen. Im Zentrum von allem steht Kaiser Romulus, brillant gespielt von Stephan Pfenninger. Als Kriegsverächter und selbst ernannter «Richter über Rom» schwankt er zwischen Gutmütigkeit und Hochmut. Seine nonchalante Art und die zur Schau gestellte Gleichgültigkeit gegenüber jeglicher Staatsangelegenheit sind köstlich. Während das Schauspielensemble generell in astreinem Hochdeutsch spricht, gibt Romulus Gefühlsäusserungen gern in Schweizerdeutsch preis: So entwischt ihm hin und wieder ein «Gopferdammi» oder zu seiner Tochter Rea (Sarah Oswald) ein lapidares «Ja, du bisch e glatti» – was im Publikum für Lacher sorgt.
Einmal mehr überzeugt das ganze Kollektiv, doch herausragend sind neben Pfenninger auch dieses Jahr Thomas Kauflin, dessen Darstellung des Reiterpräfekten Spurius Titus Mamma einem fast das Herz zerreisst, und Florian Frehner, der als kriegsgeschundener Ämilianus richtig furchteinflössend wirkt.
Besonders hervorgehoben werden soll an dieser Stelle auch das Bühnenbild. «Man kann erst richtig gut Theater spielen, wenn alles rundherum stimmt», hielt Kulisse-Präsidentin Monica Langfritz beim feierlichen Apéro fest. Sie dankte daher Peter Hauser, der sich für das Bühnenbild sowie Licht und Technik verantwortlich zeigt. «Was er jedes Jahr auf die Bühne stellt, ist einfach unglaublich!», schwärmte die Präsidentin. Die vielen liebevoll hereingearbeiteten Details wie herumkullernde Eier oder das laute Wasserplätschern, wenn Romulus in die Wanne steigt, sorgen dann auch für das besondere Etwas.

«Wirklichkeit hat Ideen korrigiert»
Dank einer unerwarteten Wendung in der Geschichte bleibt die Komödie bis ganz zum Schluss spannend, heiter und tragisch zugleich. Nur so viel vorneweg: Als Kaiser Romulus dann erstmals auf seinen Widersacher, den Germanenfürst Odoaker trifft, verläuft diese Begegnung komplett anders als erwartet.
Schliesslich stellt Romulus resigniert fest: «Die Wirklichkeit hat unsere Ideen korrigiert. Damit, meine Herren, hat das römische Imperium aufgehört zu existieren.» Und Odoaker fügt an: «Ja, dann ertragen wir das Bittere.» Ganz im Gegenteil zur «Wirklichkeit» um 500 n. Chr. ist die Darbietung der Kulisse definitiv nicht etwas, das ertragen werden muss, sondern ein Erlebnis, das in vollen Zügen genossen werden kann.



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