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29.03.2017
Züriberg

Eine uralte Nutzpflanze wird salonfähig


Von der Wurzel über Stängel und Blätter bis zu den Samen: Die Brennnessel ist rundum essbar. Fotos: zvg.

Ein Verein bringt die Brennnessel auf den gedeckten Tisch: «Dieser Pflanze gehört die Zukunft», ist das Gründer-Trio von Brennpunkt Brennnessel überzeugt.

Doris Abt, Ingrid Baldinger und Martin Hofer, alle beruflich in der Umweltberatung engagiert, möchten die unterschätzte Pflanze als wertvolles Wildgemüse auf dem Markt etablieren. Und damit nicht zuletzt auch einen Beitrag zur Förderung der Biodiversität leisten. Sie haben deshalb im letzten November in Oetwil am See den Verein Brennpunkt Brennnessel gegründet. Er dient als Informationsund Vermittlungsplattform für Landwirte, Produzenten, Gastronomen, Händler und Konsumenten.

Mit Tricks gegen das Brennen
Jetzt, im Frühling spriesst – noch vor dem Bärlauch – bereits die Grosse Brennnessel (Urtica dioica) in den hiesigen Wäldern und Gärten. Ihre Saison dauert bis Mitte September. In dieser Zeit lässt sie sich bis viermal ernten. Danach entwickelt sie ihre wertvollen Samenstände. Die ganze Pflanze – Wurzel, Stängel, Blätter, Blüten, Samen – ist essbar.
Der Brennhaare wegen hütet man sich, die Pflanze zu berühren, geschweige denn, sie frisch zu essen. Was viele nicht wissen: Gerüstet mit dicken Handschuhen oder der richtigen Technik geht das Pflücken der oberen drei Blattstände einfach. Bei der Verarbeitung in Saucen, mit heissem Wasser oder dem einmaligen Wallen mit dem Nudelholz öffnen sich die kleinen Kapseln mit der Brennflüssigkeit am Ende der Härchen – und schon brennt nichts mehr. Frische Brennnesselblätter entfalten ihren herb-aromatischen Geschmack in Salaten, als Beigabe zu Quark, gebacken in einer Quiche, gekocht in Suppen oder auch als Kräuterpaste zu Teigwaren. Die Samen schmecken, leicht geröstet, mild nussig. Einfach aufs Butterbrot oder ins Müesli gestreut, ergeben sie ein hochwertiges Frühstück.

Superfood für Mensch und Tier
Die Pflanze ist reich an Proteinen, Vitaminen und Mineralien. Die frischen Blätter enthalten fünfmal mehr Kalzium als Milch, sechsmal mehr Vitamin C als die Orange und doppelt so viel Eisen wie Spinat. Die Brennnesselsamen sind so reich an Eiweiss wie die aus Südamerika eingeflogenen Chia- Samen und sie enthalten auch doppelt so viel Eiweiss wie Soja. Die Brennnessel wirkt blutreinigend und verdauungsfördernd bei Mensch und Tier, selbst wenn sie getrocknet ist. Die Brennnessel ist aber nicht nur für den Menschen ein Kraftwerk: Rund 50 heimischen Schmetterlingsraupen dient sie als Nahrungsgrundlage. Darüber hinaus ernähren sich zahlreiche Insekten und indirekt Vögel von ihr. Vier einheimische Schmetterlingsarten leben ausschliesslich von der Brennnessel. Dazu gehören der Kleine Fuchs und das Landkärtchen.

Warum nicht auf dem Balkon?
Gefällt ihr ein Standort, gedeiht die Brennnessel ohne Pflege. Noch wächst sie an den Waldrändern. Doch bereits heute ist die Urtica urens, die Kleine Brennnessel, eine Rarität. Als Experiment könnte man die bei Gärtnerinnen und Gärtnern oft unerwünschte Pflanze deshalb auch einmal stehen lassen oder sie sogar auf dem Balkon oder der Terrasse ziehen, um sie als kulinarische Delikatesse kennen zu lernen.
Vom Wohlgeschmack der Brennnessel überzeugen können sich Interessierte auch im Rahmen der eben angelaufenen Brennnessel-Wochen, die der Verein zusammen mit Brennnessel- Produzenten und Gastronomen organisiert. Auf der Vereinswebsite finden sich Angaben zu den Veranstaltungen, zur Pflanze und auch Rezeptvorschläge – vom Pesto über grüne Spätzle bis zum Brennnesselbier. (mai.)



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