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05.04.2017 Von: Bastian Bernhard

Züriberg

Lärm war wieder mal das ganz grosse Thema


An schönen Abenden zieht es viele Leute ins Dörfli. Wo so viele Leute aufeinandertreffen, wird es laut. Foto: Bastian Bernhard

Der Frühling besticht mit angenehmen Temperaturen. Viele geniessen es, endlich wieder bis spätabends draussen zu sitzen. Damit steigt jedoch auch der Lärmpegel, besonders in Ausgehquartieren wie dem Dörfli. Das sorgt bei den Anwohnern für schlaflose Nächte und hitzige Diskussionen.

Eigentlich beginnt alles ganz entspannt an der 124. Generalversammlung des Quartiervereins Zürich 1 rechts der Limmat. Die Ruhe vor dem Sturm. Eher früher als später gelangt das Gespräch wie so oft im Dörfli auf die Lärmbelästigung im traditionellen Ausgeh- und Rotlichtquartier.
Neu wieder ein Dorn im Auge der Anwohner sind nächtliche Autofahrer im Quartier. Rund ein Jahr ist es her, seit die Stadt den Betrieb der Barrieren im Dörfli eingestellt hat. Diese waren gegen den eigentlich verbotenen, Nachtverkehr gedacht. Aufgrund von Sparmassnahmen der Stadt hat man das Projekt aber wieder beendet und spart damit eine Million Franken. Sehr zum Leid der Dörflibewohner, denn die illegalen Nachtfahrer seien in voller Wucht zurückgekehrt. Und das, ohne oder kaum Konsequenzen befürchten zu müssen, wie ein Anwohner dem Vorstand erklärt. «Die Situation am Predigerplatz ist unerträglich» sagt ein Vereinsmitglied.

Vertröstende Antworten
Die erst kürzlich gebaute Polleranlage (ausfahrbare Zylinder) sei aus unerklärlichen Gründen nicht aktiv, wodurch nachts immer wieder Autos trotz Verbots auf den Platz fahren. Wieso die Anlage kurz nach der Installierung nicht mehr in Betrieb ist, kann Vereinspräsident Peter Rothenhäusler nicht beantworten. «Wir haben uns gegen die Abschaffung der Barrieren ausgesprochen, ergänzt der Präsident und fügt an: «Mehr können wir nicht machen.» Vertröstend verweist er auf verschiedene Lösungsansätze, die von der Stadt zur Zeit ausgearbeitet würden. Genaueres könne er aber nicht sagen. Auf diese Aussicht reagiert die Versammlung enttäuscht.
Die Frage nach der Verkehrssituation und die ernüchternde Antwort von Rothenhäusler heizen die ohnehin schon gespannte Stimmung nur weiter an. Denn nicht nur der Verkehr spätnachts sorgt für Lärm. Seit Jahrzehnten sind die Geräuschemissionen des Nachtlebens ein Problem für das Quartier rechts der Limmat. Immer mehr Hände werden in die Höhe gerissen, um etwas zum Thema zu sagen.

Quartier als rechtsfreier Raum?
«Das Quartier verkommt in der Nacht zu einem rechtsfreien Raum» schimpft eine Frau und löst damit eine Tirade gegen die Stadtpolizei aus. Diese mache ihre Arbeit nicht richtig. Die Ordnungshüter seien nur «nachmittags bei Sonnenschein in der Altstadt anzutreffen». Und auch wenn sie angerufen werden, würden sie nichts Effektives tun, klagen die Betroffenen. Die Polizei kommt nicht gut weg. «Wenn ich falsch parkiere oder zu schnell fahre, dann werde ich sofort gebüsst. Wenn jemand zu laut ist, passiert gar nichts», beschweren sich mehrere Leute im Saal. Der Verein sei stets daran, die Situation zu verbessern, vertröstet Rothenhäusler erneut, sagt aber: «Ich kann nichts versprechen.»
Von den Deeskalationsversuchen des Vereinspräsidenten will Vorstandsmitglied Charles A. Weibel allerdings nicht viel wissen. Weibel ist zuständig für die Lebensqualität und die Arbeitsgruppe Lärm und ist somit sehr nah am Thema. Seit kurzem ist «www.gute-nachtbarschaft.ch» online. Auf der Seite gibt es Informationen zu Nachtlärm, Sauberkeit und Sicherheit. Auch Anleitungen, was zu tun sei, wenn man von Lärm und Littering betroffen ist, seien auf der Seite vorhanden. Dass diese Seite kein Allheilmittel gegen die nächtlichen Ruhestörungen darstellt, ist allen klar. Aber es scheint einen Schritt in die richtige Richtung zu sein. Weibel präsentiert darauf ein vom ihm erarbeitetes Manifest, in dem er die Probleme anspricht. Wieder kommt die Stadtpolizei nicht gut weg.
Es sei nicht mal unbedingt ein Lärmproblem, sondern ein Durchsetzungsproblem. Damit spricht Weibel von Bussen, die für Verstösse gegen die Nachtruhe drohen. Die Polizei würde diese nicht durchsetzen, selbst wenn man sie anrufe. Meist bleibe es bei einer Verwarnung. «Das ist ein völlig falsches Konzept» wettert er. Die Versammlung ist sich einig, dass die Situation immer schlimmer werde. Die Statistiken der Stadt Zürich zeichnen allerdings ein anderes Bild. Insgesamt sind laut dem Sicherheitsbericht 2015 die Zahl der Lärmklagen leicht rückläufig. Hört man den Betroffenen zu, könnte dieser Rückgang aber auch mit sinkendem Vertrauen in die Stadtpolizei begründet werden. Eine Verringerung der Klagen könnte jedoch auch mit einer Abnahme der Meldungen zu tun haben, da die Betroffenen keinen Sinn in ihr sehen.

Kreischef nimmt Stellung
Kreischef Hans Hanselmann versucht, den Standpunkt der Stadtpolizei aufzuzeigen. Von einer «Schönwetterpolizei » will er nichts wissen: «Wir sind trotzdem da, auch wenn sie uns vielleicht nicht gerade sehen», weist er die Kritik zurück. Weiter erklärt er, ab wann eine Busse möglich ist: «Nur anzurufen, reicht dabei nicht, sie müssen eine Anzeige gegen unbekannt einreichen.» Dafür müsse man am Telefon lediglich seine Personalien angeben und den Wunsch einer Anzeige aussprechen. Polizeistreifen seien immer unterwegs, sagt Hanselmann und ergänzt: «Wir haben auch nur eine gewisse Anzahl an Personal. Wir tun unser Bestes.»
Ideen, wie man hohe Geräuschpegel und Müll loswerden könnte, gibt es viele. Deren Umsetzbarkeit oder deren Erfolg sind aber fragwürdig. So verlangt Weibel rigorose Bussen von 200 Franken für Lärmsünder. Das würde auch die Arbeit von Polizisten erleichtern: «Wenn sich herumspricht, dass gebüsst wird, hört das von allein auf.» Auch mehr Überwachungskameras, die zum Beispiel Nummernschilder ablichten, können sich manche vorstellen.
Laut Hanselmann sind diese Vorschläge nicht umsetzbar. Das Beispiel Strassenverkehr zeige, dass trotz hoher Bussen Raser weiterhin unterwegs sind: Abzuschrecken scheinen Bussen also kaum. Nicht alle der Krachgeplagten verlangen derweil nach drastischen polizeilichen Massnahmen. Wie ein Neumitglied anmerkte, funktioniere es sehr gut, den Störefrieden vom Balkon ein Glas Wasser über den Kopf zu leeren.



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