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12.04.2017 Von: Pia Meier

Zürich Nord

André Odermatt: «Hochhäuser sind Teil des Wachstums mit Qualität»


Odermatt: «Hochhausprojekte werden im Baukollegium geprüft. Bild: Matthias Gnehm.

Die geplanten neuen Siedlungen mit Hochhäusern, die Lage des Schulhauses und der Park entlang der Thurgauerstrasse sorgen beim Verein IG Grubenacker für rote Köpfe. Nun nimmt Stadtrat André Odermatt Stellung zu einigen Kritikpunkten.

André Odermatt, die Stadt soll gemäss Bevölkerungsprognosen vor allem im Norden wachsen (Schwamendingen, Seebach). Warum gibt es keine bessere Verteilung auf die ganze Stadt?
Die Stadt kann praktisch überall noch wachsen, denn die aktuelle Bau- und Zonenordnung beinhaltet dafür nach wie vor grosse Reserven. Gewisse Gebiete, wie etwa im Norden, eignen sich darüber hinaus für eine verstärkte Entwicklung. Das zeigt auch der Regionale Richtplan, den der Gemeinderat verabschiedet hat. Wachsen heisst aber nicht, einfach nur dichter zu werden – sondern auch besser! Genügend Freiräume, Parks und Schulhäuser gehören dazu. Das planen wir in diesen Gebieten, so auch an der Thurgauerstrasse.

Leutschenbach soll ein dicht bebautes Quartier werden. Das ist bekannt. Direkt neben den «alten Gebieten» führt eine Ausnützungsziffer von 300 Prozent, wie dies an der Thurgauerstrasse geplant ist, allerdings zu Unmut. Warum nimmt die Stadt nicht mehr Rücksicht auf die Nachbarn?
Die Ausnützungsziffer an der Thurgauerstrasse liegt «nur» bei etwa 270 Prozent, das ist etwa so dicht wie die Siedlung Kalkbreite. In der Altstadt haben wir teilweise Dichten, die weit darüber liegen. Auch ist mir wichtig festzuhalten, dass das Areal schon länger in einer Bauzone mit hoher Ausnützung liegt. Es ist nun mal aber so: Manche Areale wachsen schneller, andere werden in zehn oder mehr Jahren nachziehen. Da kann es Brüche geben – wie in jeder Stadt, die lebt und wächst. Immer aber achten wir beim Planen auf eine gute städtebauliche Einordnung. Deshalb ist die geplante Ausnützung aufseiten der Grubenackerstrasse auch wesentlich tiefer. Die höhere Dichte wird an der Thurgauerstrasse konzentriert, wo bereits jetzt hohe Gebäude stehen. Trotzdem lasse ich die Dichte an ausgewählten Stellen nochmals überprüfen, weil die Nachbarschaft im Einwendungsverfahren grosse Bedenken angemeldet hat.

Arealüberbauungen erlauben es den Bauherren, zwei bis drei Stockwerke höher zu bauen. Die Eigentümer der Einfamilienhäuser an der Grubenackerstrasse können das nicht. Ist das nicht unfair?
So steht es im kantonalen Gesetz. Ob eine Arealüberbauung möglich ist, hängt von der verfügbaren Grundstückfläche ab. Sie muss in der Stadt Zürich mindestens 6000 Quadratmeter betragen. Es steht der Nachbarschaft frei, ihre Grundstücke zu vereinen und eine gemeinsame Projektentwicklung voranzutreiben. Auf einem entsprechenden Areal wären dann statt wie bislang 3, neu maximal bis zu 7 Geschosse zulässig. Arealüberbauungen müssen aber höheren Anforderungen genügen. Auch das verlangt das Gesetz.

Gemäss Studien sind Hochhäuser nicht geeignet für gemeinnützigen Wohnungsbau. Warum plant die Stadt an der Thurgauerstrasse trotzdem Hochhäuser?
Es gibt verschiedene Beispiele in Zürich, die zeigen, dass Hochhäuser durchaus mit dem gemeinnützigen Wohnungsbau vereinbar sind. Etwa die Hardau-Hochhäuser aus den 70er-Jahren oder das neu geplante Depot Hard. Sicher ist das Bauen in die Höhe eine Herausforderung – auch eine finanzielle. Aber dieser Herausforderung müssen wir uns stellen, denn Hochhäuser gehören zur Stadt und sind Teil des Wachstums mit Qualität.

Geplante Hochhäuser führen an verschiedenen Orten zu Unmut: Fussballstadion, Thurgauerstrasse, ETH Hönggerberg. Wie sieht die Hochhausstrategie der Stadt aus?
Hochhäuser prägen unser Stadtbild schon seit geraumer Zeit. Kaum jemand kann sich Zürich mehr ohne das Lochergut oder die Hardau-Türme vorstellen. Und der Prime-Tower ist schon jetzt eine Ikone. Die Stadt hat im Hochausleitbild bereits 2001 festgehalten, wo Hochhäuser möglich sein sollen. Jedes konkrete Projekt wird zudem im Baukollegium von Fachleuten sorgfältig geprüft.

Die IG Grubenacker wird von Grün Stadt Zürich bei der Gestaltung des neuen Parks miteinbezogen. Beim Wettbewerb Schulhaus Thurgauerstrasse des Amts für Hochbauten, der bereits läuft, sind keine Quartiervertreter in der Jury. Warum?
Bei Schulhausbauten handhaben wir es immer so, dass als Vertretung des Quartiers die Präsidentin oder der Präsident der jeweiligen Kreisschulpflege in der Jury einsitzt. Das ist auch bei der Thurgauerstrasse so. Das System bewährt sich, vereinen diese Personen doch ein grosses Wissen über die Ansprüche aus dem Quartier und der Schule.

Die Workshops des Hochbaudepartements werden vom Verein IG Grubenacker als Informationsveranstaltungen bezeichnet. Hat das Departement Mühe mit Mitwirkungsprozessen?
Auf keinen Fall! Für öffentliche Gestaltungspläne oder Zonenplanänderungen etwa, wie jetzt an der Thurgauerstrasse, ist eine Mitwirkung sogar gesetzlich vorgeschrieben – es braucht eine öffentliche Auflage. Mit den Einwendungen aus diesem Verfahren erhalten wir für unsere Arbeit wertvolle Rückmeldungen. Wenn immer möglich beziehen wir wichtige Anspruchsgruppen über diese gesetzlichen Vorgaben hinaus in die Prozesse mit ein. Das kann im Rahmen von Workshops sein oder in persönlichen Gesprächen. Bei der Thurgauerstrasse hat sich die Stadt wiederholt mit den verschiedenen Dialoggruppen ausgetauscht. Dieser Dialog soll unbedingt nach der öffentlichen Auflage weiter gepflegt werden – dafür wird jetzt auch ein runder Tisch vorbereitet. Wann dieser stattfindet, ist noch offen.



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