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12.04.2017 Von: Lisa Maire

Zürich West

Von der grünen Siedlung zum mondänen Geschäftshaus


Bekannt durch ihre bunten Erkermalereien: Streichers 1928/29 erbaute ABZ-Wohnkolonie Sihlfeld am Bullingerplatz. (Foto: mai.)

Er hat das Stadtbild wesentlich mitgeprägt. Und doch kennt heute kaum jemand seinen Namen: Ein Spaziergang auf den Spuren des Zürcher Architekten Otto Streicher.

Als Vertrauensarchitekt der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich (ABZ) zeichnete Otto Streicher (1887–1968) für viele der charakteristischen Blockrandbebauungen in den Kreisen 4 und 5 verantwortlich. Hier lag denn auch der Ausgangspunkt eines Architekturspaziergangs, organisiert von der Steo-Stiftung (siehe Box). Dem Spaziergang folgte eine Buchvernissage: Mit der eben erschienenen Publikation «Otto Streichers Spuren» ehrt die Stiftung das Lebenswerk ihres Gründers.

Streicher, Architekt des wirtschaftlichen Aufschwungs der 1920er Jahre, baute bis 1930 für die ABZ insgesamt 16 genossenschaftlichen Siedlungen mit über 885 Wohnungen – zuerst in Aussenquartieren, dann in der Stadtmitte. Die Führung mit Architektin Lorenza Donati, dem früheren Stiftungspräsidenten, alt Regierungsrat Markus Notter, und rund 60 Interessierten startete bei der Siedlung Ottostrasse, einem Blockrandbau mit idyllischem Innenhofgarten.Die Wohnkolonie war sein erstes Projekt in einem Arbeiterquartier. 85 Arbeiterfamilien fanden hier erschwinglichen, qualitativ hochstehenden Wohn- und Lebensraum.

Auch die Wohnkolonie Sihlfeld ist ein Blockrandbau mit charakteristischem rötlichem Putz und grosszügig begrüntem Innenhof. Bekannt ist die Siedlung durch ihre besondere Farbigkeit: die Erkermalereien, die ländliche Szenen zeigen. Bei der Wohnkolonie Kanzlei brach Streicher dann erstmals den Blockbau auf: Ohne Eckhäuser schien ihm die Wohnanlage besser «durchlüftet». Die Tage der Kanzlei scheinen allerdings gezählt: 2016 aus dem städtischen Schutzinventar entlassen, soll sie bis 2022 durch einen Neubau ersetzt werden.

Das gleiche Schicksal ist ein paar Ecken weiter an der Ankerstrasse jenem Gebäude vorbestimmt, das Streicher 1927 für die Heilsarmee konzipierte. Wobei der geplante Ersatzbau die halbrunde Form des heutigen Baus aufnehmen wird.

Schritt über die Sihl

Die letzte Station der Führung dokumentiert den Schritt des Architekten über die Sihl in den Kreis 1: Die Sihlporte war das erste einer Reihe von Geschäftshäusern (darunter die Kinos Rex und ABC), bei denen Streicher auch als Bauherr auftrat. Der mondäneren Umgebung angepasst, entstand das fast schon monumental wirkende Gebäude beim Talacker als Eisenbetonbau mit einer Fassade aus Dolomitmarmor. Die Zeiten des roten Putzes waren damit vorbei.

Otto Streichers Spuren. Lebenswerk eines Zürcher Architekten. Hg. Steo-Stiftung, Lorenza Donati, NZZ Libro, 2017, 104 Seiten.

 

Die Steo-Stiftung

Die Steo-Stiftung, 1964 von Otto und Emma Streicher in Küsnacht errichtet, unterstützte in 50 Jahren 1900 Kulturprojekte für mehrere Millionen Franken. Da ihr Kapital aufgebraucht war, wurde die Stiftung nach einem «Projektfeuerwerk» zum Fünfzigsten aufgelöst.



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