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19.04.2017 Von: Lorenz Steinmann

Zürich 2

Neue Tennisclub-Beleuchtung nervt Anwohner


Die neuen Lichtmasten des Tennisclubs Seeblick sorgen für Zoff im Quartier. (Foto: zvg.)

Der im Volksmund «Klein Rigi» genannte Moränenzug in Zürich-Wollishofen beherbergt auch den Tennisclub Seeblick. Die neu montierten Lichtmasten stossen bei einem Anwohner auf vehemente Ablehnung.

Der Tennisclub Seeblick in Wollishofen ist ein renommierter Sportverein. Er spielt in der höchsten schweizerischen Tennisliga, in der Interclub-Nationalliga A. Eines seiner Markenzeichen ist die prächtige Lage auf dem Wollishofer Moränenzug «Klein Rigi». Kein Wunder, heisst der Verein «Tennisclub Seeblick». Doch seit vor einigen Wochen vier neue Lichtmasten für die Tennisplätze montiert wurden, ist Feuer im Dach.

«Völlige Verunstaltung»
Der Anwohner Peter-Wolfgang von Matt hat alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Neuinstallationen rückgängig zu machen. «Die Scheinwerfermasten stellen eine Verschandelung des Erholungsgebietes am Kleinen Rigi dar», ist von Matt überzeugt. Die Aussicht vom Grat des Hügels werde dadurch völlig verunstaltet. «Es geht nicht an, dass das Eigeninteresse von einigen Tennisspielern den Anspruch auf ein intaktes Erholungsgebiet überwiegt», betont Peter-Wolfgang von Matt gegenüber der Quartierzeitung. Er ist mit seinem Anliegen auch an den Stadtrat von Zürich gelangt. Die Antwort war aber ernüchternd. «Das Vorhaben wurde am 30. November 2016 ordentlich bewilligt», antwortete Filippo Leu-
tenegger persönlich, da von Matt seine Anfrage direkt an den städtischen Tiefbauvorsteher richtete. Das Projekt sei vom 19. Februar bis zum 10. März 2016 ausgeschrieben gewesen. Luca Bally vom Hochbaudepartement ergänzt gegenüber «Zürich 2», vor gut einem Jahr sei sogar eine Infotafel bei den Tennisplätzen aufgestellt worden. «Während dieser Zeit hätte man mit Einsprachen gegen das Projekt intervenieren können. Offenbar wurde diese Möglichkeit nicht genutzt, deshalb wurde das ausgeschriebene Projekt rechtsgültig bewilligt», so Leutenegger.

«Machart völlig überholt»
Doch von Matt will die eigentlich eindeutige Sachlage nicht gelten lassen. Er nervt sich, dass das formal korrekte Bewilligungsverfahren ein Strukturproblem habe. «Der Text der Ausschreibung umfasst gerade einmal fünf kleingedruckte Zeilen», findet von Matt. Es sei gänzlich unrealistisch, dass ein Einwohner oder eine Einwohnerin die Ausschreibungen systematisch durchlese. «Das Wesen der Ausschreibung in der bisherigen Form ist völlig unpraktikabel und ermöglicht faktisch eine (nahezu treuwidrige) Erlangung der Bewilligungen durch die Hintertür», ist der Wollishofer überzeugt. Die Machart der Ausschreibungen sei offenbar seit dem 19. Jahrhundert unverändert und damit völlig überholt. Eine zeitgemässe Ausschreibung müsste einen Link enthalten, auf dem sich die betroffenen Anwohner in einer Animation ein Bild vom Projekt machen können. Die konkrete Ausschreibung sei auch deshalb mangelhaft, weil sie nur eine Angabe über die Mastenhöhe mache, aber absolut keine Hinweise auf die zu erwartende Lichtverschmutzung enthalte. Von Matt führt ins Feld, dass die Beleuchtungsanlage trotz erteilter Bewilligung ungesetzlich sei.

Direkte Linie ins Kinderzimmer
«Sie widerspricht einerseits als eine Verunstaltung des Landschaftsbildes den Bestimmungen des Bundesgesetzes über Natur- und Heimatschutz sowie aufgrund der Lichtverschmutzung denjenigen des Bundesgesetzes über den Umweltschutz», ist von Matt überzeugt. Das Licht strahle nun direkt auf eine Distanz von wenigen Dutzend Metern in direkter Linie ins Kinderzimmer der eigenen Wohnung. Von Matt ergänzt, dass er und sein Sohn regelmässige Besucher der Sternwarte Urania seien. «Von deren Balkonen aus betrachtet verursacht die Flutlichtanlage des Tennisklubs Seeblick die mit Abstand bedeutendste Lichtverschutzung im städtischen Seebecken.» Der Tennisklub geniesse bereits das Privileg, in einer landschaftlich einmaligen Umgebung eingebettet zu sein. Der Klub betreibe seinen Freiluftsport ausschliesslich während der Sommersaison, wenn das Tageslicht ohnehin bis spät am Abend anhalte. «Mit gutem Willen könnte auf eine künstliche Beleuchtung ohne wesentliche Einschränkungen verzichtet werden», ist sich von Matt sicher.

TC Seeblick zeigt Verständnis
Daniel Naef vom Vorstand des Tennisclubs Seeblick signalisiert durchaus Verständnis für das Anliegen von Peter-Wolfgang von Matt. «Wir wollen ein gutes Einvernehmen haben mit den Nachbarn», erklärt Naef, der selber an der Stadtgrenze in Kilchberg wohnt. «Wir haben unsere Mitglieder angewiesen, das Licht nach Spielende jeweils sofort zu löschen». Weil die Beleuchtung neu mit LED geschehe, sei dies problemlos möglich. «Bei den alten Lampen musste man jeweils eine halbe Stunde warten, bis man das Licht wieder anzünden konnte. So liess man es vorsorglich einfach brennen», erklärt Naef. Man habe im Clubhaus und bei den Plätzen am vergangenen Sonntag Hinweise angebracht, das Licht jeweils zu löschen und allgemein für möglichst wenig Lärm zu sorgen.
Peter-Wolfgang von Matt hingegen will weiterkämpfen. Er hofft, dass er bei der Baugenossenschaft Neubühl Verbündete findet. Er hat deshalb ein Flugblatt gestaltet, das er in der Aussenvitrine der Genossenschaft aufhängen durfte. Für ihn gibt es nur eins: Das Flutlicht muss weg.

 



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