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19.04.2017 Von: Lisa Maire

Zürich West, Zürich 2

Der Böögg brennt auch dank Zürcher Jugendlichen


Philipp Lenz zeigt den Jugendlichen, wie die Astschere richtig gehandhabt wird. (Foto: mai.)

Bis der Sechseläuten-Böögg am 24. April brennen kann, ist eine Menge Vorarbeit nötig. Dazu gehört das traditionelle Engagement von Zürcher Schulklassen beim «Bürdele». Ein Augenschein vor Ort im Schulkreis Uto.

Die Dokumentation von Grün Stadt Zürich (GSZ) zum «Bürdele» ist gespickt mit Zahlen: 75 Schulklassen mit insgesamt gut 1400 Schülern aus 12 Schulen der ganzen Stadt machen bei der alljährlichen Tradition mit. Das heisst, sie stellen jeweils etwa 6000 Bürdeli für den etwa 10 Meter hohen Scheiterhaufen her, auf dem am 24. April der Böögg verbrannt wird.

Strenge Arbeitsregeln

Mit von der Partie sind auch die Sekschülerinnen und -schüler aus dem Engemer Schulhaus Lavater. Siebzehn von ihnen versammeln sich an diesem Nachmittag zum Bürdelibinden im Belvoirpark. Doch bevor das Hantieren mit sperrigen Ästen, scharfen Klingen und spitzen Drähten losgehen kann, verkündet «Tätschmeister» Philipp Lenz von GSZ die Arbeitsregeln: Handschuh-Pflicht und ein respektvoller Umgang mit Werkzeug und Kameraden stehen an oberster Stelle. Besonders mit der Astschere gefährlich rumzuhampeln, ist schwer verboten.

Den sicherheitsrelevanten folgen die technischen Anweisungen: Die Jugendlichen müssen etwa 2 cm dicke Äste aus den grossen Haufen von Baumschnittmaterial (Pappeln, Weiden, Platanen) zusammensuchen, auf 80 bis 100 cm kürzen, auf dem Bock zu einem Bürdeli mit einem Durchmesser von etwa 20 cm sortieren, mit einem Hebel die Äste fest zusammendrücken und satt binden, damit die Bürdeli beim Trocknen nicht auseinanderfallen.

Zu Teams formiert, gehen die Dreizehnjährigen motiviert zu Werk. Die Arbeit erscheint der Beobachterin anspruchsvoll, und vor allem an der grossen Schere ist auch eine gewisse Kraft erforderlich. Doch auf Nachfrage winken die Jugendlichen ab: «Nö, es ist nicht besonders streng», sagt ein Mädchen. Bei so viel weiblicher Coolness können die Jungs natürlich nichts anderes mehr sagen. Obwohl einige an der Schere mit dem Krokodilmaul ganz schön ächzen.

So entsteht ein Bürdeli nach dem anderen. «Ihr habt ein riesiges Energiepotenzial», lobt Philipp Lenz mehrmals. Er ist schon seit über fünf Wochen mit den Schülerinnen und Schülern am Bürdelibinden. Nach der Schule Lavater folgt noch die letzte Aktion in der Schule Albisriederplatz. Dann hat es sich für dieses Jahr ausgebürdelt.

Doch Fleiss hin oder her: Nach einer guten Stunde sinkt die Leistungskurve der jungen Leute sichtbar. Nur ein Team ist noch voll konzentriert an der Arbeit. «Es macht richtig Freude, ihnen zuzuschauen», lacht Klassenlehrerin Charlotte Tschumi. Als dann das letzte, sorgfältig geschnittene Holzbündel aus diesem Team zur Sammelstelle gebracht und der Platz mit dem Besen sauber gefegt ist, ruft Philipp Lenz zum Zvieri: Nussgipfel und Apfelsaft, gestiftet von der Zunft zum Weggen, als Dank für die Arbeit.

Aufbau am Sechseläutenmorgen

Wie gehts nun weiter? Die Bürdeli werden aus den jeweiligen Quartieren an die zentrale Sammelstelle im Gutsbetrieb Juchhof gebracht. Am 24. April um 7 Uhr in der Früh folgt die Anlieferung auf dem Sechseläutenplatz, und bis um 13.30 Uhr sei der Holzstoss dann fertig aufgebaut, weiss man bei GSZ aus Erfahrung. Bis dahin wird jedes Bürdeli – vom Baumschnitt bis zum Aufstapeln – durch siebzehn Paar Hände gegangen sein.

Strohpuppen statt Schneemann

Dass Zürcher Kinder und Jugendliche in der Tradition der Bööggverbrennung schon von Anfang an eine grundlegende Rolle spielten, zeigt die Geschichte: Im frühen 19. Jahrhundert verbrannten Buben im Kratzquartier (südlich des Fraumünsters) Strohpuppen zur Zeit der Tagundnachtgleiche im Frühjahr. Aus diesem Sechseläutenfeuer im «Kratz», das jeweils von einem Anwohnerverein organisiert wurde, hat sich die heutige Verbrennung des Schneemann-Bööggs entwickelt. 



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