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19.04.2017 Von: Andreas J. Minor

Züriberg

Kommentar: Keine Elfenbeintürme

Wenn Universität und ETH bauen, hat die Stadt Zürich weniger zu sagen, als einem lieb sein kann. Bei der Uni Zürich ist der Kanton der «Chef». Und die ETH als Bundesbetrieb schwebt gewissermassen über der lokalen Realität. Auf dieser Ebene ist sie unangreifbar. Das merken Quartiervertreter, die sich seit vielen Jahren darum bemühen, endlich den von Bildungsinstituten okkupierten Wohnraum wieder seiner eigentlichen Bestimmung zuzuführen: Die Gespräche sind stets konstruktiv, die Versprechen sind gegeben, nur der Erfolg bleibt weit hinter den Erwartungen zurück. Es harzt.
Bei der Planung und Umsetzung des neuen Hochschulzentrums im Herzen Zürichs läuft das genauso. An Sitzungen und öffentlichen Veranstaltungen dürfen die Quartiervertreter jeweils ihre Meinung sagen, ja sogar mächtig Dampf ablassen. Ihre Anliegen gleiten jedoch an den Teflonwänden des Elfenbeinturms ab. Mit tausend Argumenten werden die Anliegen kleingeredet, bis sie so winzig sind, dass sogar jene, die sie ursprünglich hervorbrachten, bestürzt von ihnen ablassen: So ein nichtiges Anliegen darf angesichts einer so grossen Sache wie Bildungsoffensive, internationalen Wettbewerbs, Investition in unser aller gute Zukunft nicht von Belang sein, oder?!
Und so werden die Gebäude im neuen Hochschulzentrum zwar keine eigentlichen Hochhäuser mehr, aber immer noch sehr viel höher als alles rundherum. Es wird eine Art «Europaallee der Bildung» geplant: hoch, dicht, klotzig, dröge. Manchmal hat man den Eindruck, als müssten sich gewisse Planer ein Denkmal setzen. Und Denkmale stechen aus dem Umfeld heraus, sind hoch und eindrücklich.
Nur ein paar Kilometer weiter ereignet sich, momentan noch unbeachtet von den Zürcher Massen, ein weiteres Drama: Die ETH Zürich plant am Hönggerberg ein eigentliches Bildungsmonument. Zwei Türme, bis 80 Meter hoch, sollen auf dem Hönggerberg errichtet werden. Ein geradezu phallisches Symbol: Denn weitherum, von Bülach bis Dübendorf, von Dielsdorf bis Zürich, wären diese Elfenbeintürme zu sehen, wenn sie denn so gebaut werden. Opposition hat sich gebildet: Affoltern steht auf – gegen die ETH, gegen die das Quartier eigentlich gar nicht ist. Nur die beiden hohen Elfenbeintürme wollen die Affoltemer nicht.
Im Mittelalter war es kaum anders. Damals erstellten Grafen, Könige und die Kirche auch gern imposante Bauten: «Seht her, wir sind wichtig und mächtig.» Wichtig sind Uni und ETH sicher auch. Und mächtig? Auf alle Fälle, denn Bildung ist Macht. Nur hätte es eine moderne Bildungsinstitution in der heutigen Zeit nicht nötig, sich in mittelalterlichem Tun und Denken zu üben. Darum: Bitte keine Elfenbeintürme bauen, sondern Hightech-Bauten, die alle Phallussymbole in vergangene Zeiten verbannen.



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