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19.04.2017 Von: Silvan Rosser

Züriberg

Noch nie begann der Frühling so warm


Die erste Frühlingshälfte (1. März–15. April) war heuer mit durchschnittlich 9,4 Grad in Zürich so warm wie in den letzten 100 Jahren. Grafik: Rossser

Der Frühling 2017 ist bisher so warm wie nie seit Messbeginn. Nur drei Jahre respektive sechs Jahre nach den letzten beiden Rekordfrühlingen. Ob auch die zweite Frühlingshälfte warm verläuft, bleibt aber ein Geheimnis.

Die Geschichte wiederholt sich bekanntlich. Und so ist es auch mit dem Frühlingswetter. Dieses ist heuer, drei Jahre nach dem letzten Rekordfrühling, so warm wie noch nie seit mehr als 100 Jahren. In der Meteorologie dauert der Frühling vom 1. März bis zum 31. Mai. Es ist also bereits Frühlings-Halbzeit. Und diese erste Halbzeit brachte in Zürich mehr Frühling, als in vielen Jahren überhaupt der ganze Frühling imstand war. Die Lufttemperatur erreichte in der Periode vom 1. März bis 15. April auf dem Zürichberg einen Durchschnitt von 9,4 Grad.

3,4 Grad zu warm
Die erste Frühlingshälfte war damit um deutliche 3,4 Grad übertemperiert, verglichen mit dem langjährigen Durchschnitt der Jahre 1981– 2010. Zürich erlebte gleichzeitig auch die wärmste erste Frühlingshälfte seit mindestens Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Temperaturniveau ist dem Kalender rund einen Monat voraus. Und das begann nicht erst im März – bereits der Februar war so mild wie ein Märzmonat. Der März brachte dann durchwegs Apriltemperaturen und in der ersten Aprilhälfte erreichte das Thermometer bereits «Maiwärme». Die erste Frühlingshälfte 2017 war mit 9,4 Grad sogar wärmer als das langjährige Mittel des Gesamtfrühlings – also die Periode März bis Mai –, welches zwischen 1981 und 2010 9,1 Grad vorweist. Dies erstaunt umso mehr, als die zweite Frühlingshälfte (16. April bis 31. Mai) normalerweise deutlich wärmer ausfällt als die erste (1. März bis 15. April). Dieser Vergleich bringt zutage, wie markant die diesjährige Temperaturanomalie ist.

Die Top 5
So warm wie 2017 war die erste Frühlingshalbzeit noch nie, umso erstaunlicher erscheint die Tatsache, dass erst das Jahr 2014 und davor 2011 ähnlich hohe Temperaturen in der ersten Frühlingshälfte hervorbrachten. Es scheint, als wollen sich die Rekordfrühlinge im Drei-Jahres- Rhythmus wiederholen. Die ersten Frühlingshalbzeiten in den Jahren 2011 und 2014 waren praktisch identisch mit dem diesjährigen Rekord. Wie heuer war die Periode vom 1. März bis 15. April durch Trockenheit und sehr viel Sonnenschein geprägt. Doch am trockensten und sonnigsten war es 2011. Damals fiel in dieser Periode nur gerade 37 Liter Regen pro Quadratmeter und die Sonne strahlte 316 Stunden über Zürich. Vor drei Jahren wie auch 2017 waren es immerhin rund 50 Liter Regen, gleichzeitig gab es etwas mehr als 300 Sonnenstunden.
Bei der Temperatur können die Vorjahre der aktuellen Anomalie das Wasser nicht reichen. So erreichte die erste Frühlingshälfte 2011 eine mittlere Lufttemperatur von 8,5 Grad, 2014 waren es 8,8 Grad. Damit gehören sie alle in die Top 5 der wärmsten seit mindestens 1901. Die zweitwärmste erste Frühlingshälfte war im Jahr 1981. Damals erreichte die Durchschnittstemperatur 9,1 Grad. Jedoch fiel damals in der gleichen Periode mehr als doppelt so viel Regen, verglichen mit 2017, und die Sonne schien mehr als 100 Stunden weniger häufig. Es war mehrfach bewölkt. Dies zeigte sich auch in den sehr milden Nächten. So sank das Thermometer 1981 in den Nächten jeweils nur auf 5,3 Grad. 2017 waren die Nächte in der ersten Frühlingshalbzeit mit durchschnittlich 4,4 Grad deutlich kühler, was ein Zeichen dafür ist, dass die Nächte häufig klar und die Tage anschliessend sonnig verliefen. Ebenfalls sehr mild zeigte sich die erste Frühlingshälfte 1961, welche 8,6 Grad am Zürichberg erreichte. Auch witterungstechnisch gibt es viele Parallelen zum aktuellen Frühling. So war es auch 1961 trocken und sonnig, wenn auch nicht ganz so ausgeprägt wie in diesem Jahr.

Sommer oder Schnee im Mai?
Dass eine rekordwarme erste Frühlingshälfte keine Garantie für eine weiterhin hochfrühlingshafte zweite Hälfte gibt, offenbart ebenfalls ein Blick in die Wetterbücher. Vor drei Jahren gab es in der zweiten Aprilhälfte sowie im Mai wiederholt ausgeprägte Kaltluftvorstösse. Der Mai verlief insgesamt kühl und regenreich. Auch 1981 kehrte das Wetter in der zweiten Frühlingshalbzeit. Die zweite Aprilhälfte war sehr kühl – respektive nochmals spätwinterlich. Im Mai 1981 folgte ein ständiges Auf und Ab. Noch extremer verlief der Frühling 1961, als nach der sehr milden ersten Frühlingshälfte ein ausserordentlich kalter Mai folgte. Der Mai war sogar kühler als der vorangegangene April und am 28. Mai gab es sogar nochmals messbaren Schnee in Zürich. Es war bis heute der späteste Schneefall in Zürich seit Messbeginn 1931. Ganz anders verlief die zweite Frühlingshälfte 2011, welche der ersten Hälfte nacheiferte. Der einmonatige Temperaturvorsprung blieb erhalten und so war der Mai 2011 so warm wie ein durchschnittlicher Juni und die Trockenheit setzte sich fort. Dem Frühling 2017 kann nun also die Gretchenfrage gestellt werden.



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