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19.04.2017 Von: Lisa Maire

Züriberg

Stadt will nicht nur Grüssaugust sein


Teilnehmer des Podiums, veranstaltet von den Kreisparteien 7 + 8 der SVP, FDP und CVP sowie dem Gewerbeverein Zürich Ost: (v. l.): Jürg Hodler, Ärztlicher Direktor USZ, die Gemeinderäte Michael Baumer (FDP) und Mario Mariani

Unter dem Titel «Gigantismus oder umsichtige Zukunftsplanung?» stellten sich letzte Woche Vertreter von Stadt, Kanton und Unispital Fragen zur Neuplanung des Hochschulgebiets. Dabei ging es auch um das Mitspracherecht von Stadt und Bevölkerung.

Beim Generationenprojekt Entwicklung Hochschulquartier Zürich Zentrum sind Unispital, Universität (Kanton) und ETH (Bund) die grossen Player. Die Stadt, die Bevölkerung habe eigentlich gar nichts zu sagen, hört man immer wieder kritische Stimmen. «Ist die Stadt nur Grüssaugust, oder hat sie tatsächlich Einfluss?», hiess denn auch die unverblümte erste Frage von Moderator Peter Hartmeier an SP-Stadtrat André Odermatt. Die Stadt achte auf die Quartierverträglichkeit des Projekts und bringe entsprechende Anliegen sehr wohl in die Planung mit ein, versicherte der Hochbauvorsteher. Dazu sei man auch in die Quartiere hinausgegangen und habe deren Anliegen mit aufgenommen. Im Übrigen, so Odermatt: Das Hochschulareal sei heute bereits mit Bauten «vermöbelt». Die Stadt habe nun die Chance, es mehr zum Quartier zu öffnen und so attraktiver zu gestalten.

Alle versichern Dialogbereitschaft
SVP-Baudirektor Markus Kägi gab zu: In der Phase der Gestaltungspläne könne die Bevölkerung tatsächlich nicht mitreden. «Wir wollen aber nicht wie ein Panzer in die Stadt einfahren, betonte der Regierungsrat. Es sei wichtig, die Menschen, die im Quartier leben, anzuhören. Sowohl Kägi als auch Odermatt wiesen in diesem Zusammenhang auf die laufenden Mitwirkungsverfahren zu den Gestaltungsplänen und der revidierten Bauzonenordnung hin (s. Box). Jürg Holdener, Ärztlicher Direktor SZU, wehrte sich seinerseits gegen das Bild des Unispitals als Elfenbeinturm. «Wir sind durchaus interessiert, freundlich und offen zu erscheinen.» Sowohl für Holdener als auch für Kägi ist aber klar: Das Projekt muss so umgesetzt werden, wie es geplant ist: als «Medizincluster » mit kurzen Wegen und einer engen Verbindung zwischen den drei Institutionen.
Mario Mariani, CVP-Gemeinderat aus dem Kreis 9, gibt zwar zu bedenken, dass jedes Quartier seine Lasten zu tragen habe. Trotzdem fände er es wesentlich, wenn auch die Stadtzürcher Stimmbevölkerung zu solch grossen Projekten Ja oder Nein sagen könnte. Auch FDP-Gemeinderat Michael Baumer aus dem Kreis 6 befand, die Entwicklung der drei Institutionen dürfe nicht einfach salamitaktikmässig «am Volk vorbeigemogelt werden». «Wir hätten uns gewünscht, dass die Quartiere schon früher einbezogen worden wären.» Mitbestimmen könne und wolle das Stadtparlament bei gewissen Eckwerten der Gestaltungspläne, vor allem aber auch bei den Verkehrsbaulinien (BZO). Die Verkehrsfrage sei nämlich noch völlig offen. Man fordere vom Kanton – auf der Ebene der Gestaltungspläne – klare Lösungsvorschläge.
Mit seiner Reaktion «Ich verspreche, der Verkehr wird abgeklärt» erntete Baudirektor Kägi Gelächter aus dem Publikum. Er kenne das genaue Wachstum nicht, am Anfang habe man aber wohl «den Bickel etwas zu hoch geworfen». Auch Spitaldirektor Holdener betonte: Die Auslagerung der USZ-Wäscherei nach Schlieren und der Hälfte der jährlich rund 560 000 ambulanten Visiten ins neue Ambulatorium im «Circle» beim Flughafen werde eine Entlastung bringen.

«Beim Verkehr grösser denken»
Aber auch wenn die ersten Wachstumsprognosen korrigiert wurden – für die beiden Gemeinderäte steht fest: Der Verkehr im bereits heute stark belasteten Quartier wird wachsen. Deshalb seien wirklich innovative Lösungen gefordert. Sowohl Mariani als Baumer sprachen von S-Bahnund U-Bahn-Projekten, die neu angeschaut werden müssten. «Bei einem Generationenprojekt darf man schon auch beim Verkehr grösser denken», brachte es Baumer auf den Punkt.
Wie gehts weiter? Dem Dialog mit der Bevölkerung wollen sich die Planer nicht verschliessen. Für Odermatt haben Runde Tische eindeutig nicht nur Alibifunktion – auch wenn ihnen das nachgesagt werde. Und Kägi beteuerte: «Man darf nicht nur vom Pult aus entscheiden.» Um dann nachzuschieben: «Ob andere Meinungen dann umgesetzt werden, ist eine andere Frage.» Bereits zuvor hatte er auf die Frage, was eigentlich bei einer Ablehnung der BZO-Revision durch das Stadtparlament geschehe, bestätigt: Die letzte Entscheidungsgewalt liegt beim Regierungsrat.

«In die Weite statt in die Höhe»
Die Reaktionen, die danach aus dem etwa 80-köpfigen Publikum im Konferenzsaal der Privatklinik Bethanien kamen, drehten sich um bekannte Kritikpunkte. Das Vorhaben bedeute «Massstabverlust», hiess ein Votum. Und ein weiteres, ebenfalls heftig beklatschtes: «Diese Höhen passen nicht ins Quartier, geht doch in die Weite, dann gibts genug Platz!» Damit kam der denkmalgeschützte alte Spitalbau ins Spiel. Mehrere Stimmen forderten dessen Abriss. So würde man 50 Prozent mehr Platz dazugewinnen und Gigantismus vermeiden.
Doch weder Kanton noch USZ wollen sich an dem alten Spital die Finger verbrennen. Zu gross ist ihre Angst, der Heimatschutz könnte das Projekt mit seinen Klagen für Jahre blockieren. Ihre Bedenken wurden mit wütenden Hinweisen auf demokratische Rechte quittiert. «Warum werden Bürger bei einem solchen Riesenprojekt von der Politik einfach ausgeschaltet? » Weil es Planungsgesetze gebe, meinte dazu Kägi. Odermatt verwies einmal mehr auf die Möglichkeit von Einwendungen im Rahmen der Planauflagen, während Baumer und Mariani die Quartierverträglichkeit im Auge behalten und sich im Rahmen der BZO-Diskussion um Transparenz bemühen und «den Finger auf wunde Punkte» legen wollen.



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