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20.04.2017 Von: Annina Just

Küsnachter Amtlich

Von Bedrohten und Exoten im Naturparadis


Foto: Annina Just

Die Population der Frösche und Kröten geht am Schübelweiher stark zurück. Ein anderer, ungewöhnlicher Bewohner des Weihers scheint sich jedoch sichtlich wohlzufühlen. Ein Augenschein vor Ort.

Enten sonnen sich in Ufernähe, hin und wieder schnappt ein Fisch nach einem Insekt an der Wasseroberfläche und bei genauem Hinschauen lassen sich im Schilf mehrere Teichfrösche sowie am Uferrand eine Horde frisch geschlüpfter Kaulquappen entdecken. Immer wieder bleiben Spaziergänger stehen und beobachten das Treiben im und um den Schübelweiher. 
Wie ein Gespräch mit Benno Lüthi aufzeigt, ist die Natur aber trotz aller Idylle nicht vollständig im Gleichgewicht. Lüthi und seine Ehefrau setzen sich seit Jahren für den Schutz der Amphibien in Küsnacht ein. Sie waren es auch, die das temporäre Nachtfahrverbot auf der Weinmanngasse und der Zumikerstrasse während der Laichzeit von Kröten und Fröschen durchsetzten. Dass die Tiere auf ihrer Wanderung zu den Laichplätzen vor dem Verkehr geschützt werden, gewinnt gerade aktuell nochmals an Bedeutung. Gemäss Lüthi hat die Population der Kröten nämlich drastisch abgenommen. «Es könnte sein, dass es nur noch zehn Prozent der ursprünglichen Population sind. Aber genaue Zahlen haben wir noch nicht», so der Amphibienschützer, der sich in Küsnacht mit verschiedenen Projekten zugunsten der Biodiversität einen Namen gemacht hat.

Hunderte von Kaulquappen bevölkern den Gewässerrand 
Momentan sei man daran, den Grund für diesen Rückgang der Krötenpopulation zu untersuchen. «Wir vermuten, dass die grosse Zahl von Hechten, welche ausgesetzt wurden, um die Ausbreitung des roten Sumpfkrebses einzudämmen, einen Einfluss auf die Kröten-Population hat.» Zu diesem Schluss komme auch eine erste Studie des ETH-Forschungsinstituts Eawag. In den Jahren von 1999 bis 2007 hat die Gemeinde wiederholt Hechte und Aale ausgesetzt, um die Eindringlinge aus Amerika zu bekämpfen. Besonders im Jahr 1999 war die Anzahl der Aussetzungen extrem hoch: Gemäss Lüthi wurden 70 Hechte und 561 Aale ausgesetzt. 
Die These, dass diese Grossfische für den Rückgang der Krötenpopulation verantwortlich sind, werde auch durch die Tatsache gestützt, dass die Kröten stärker betroffen sind als die Frösche. «Die Frösche leben im Schilf, beim Abfluss des Weihers und dort kommen die Hechte nicht hin», erklärt der Amphibienbeauftragte der Gemeinde Küsnacht. 
Bemerkenswert ist auch der diesjährige frühe Abschluss der Amphibienwanderung. Bereits am 27. März, gut einem Monat nach dem Start der Wanderung, konnte die Nachtfahrsperre wieder aufgehoben werden. Das ist so früh wie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1998 noch nie. Lüthis Dokumentation in diesen bald 20 Jahren zeigt das Ende der Wanderzeit zwischen Anfang und Mitte April auf. «Das warme Märzwetter ohne Kälteeinbruch sorgte dieses Jahr dafür, dass die Kröten und Frösche ihre Wanderung zu den Laichplätzen in kurzer Zeit hinter sich brachten», erzählt Lüthi. Nun ist auch der Laich bereits wieder verschwunden respektive der Nachwuchs schon geschlüpft. In Ufernähe liess sich letzte Woche ein grosser Schwarm von Kaulquappen beobachten. Was jetzt nach enorm viel Nachwuchs aussieht, täuscht aber. Von den Larven werden höchstens 10 Prozent zu Fröschen, erklärt Lüthi. Gegen Ende Juni nehmen die Jungtiere dann auch die Wanderung ins Tobel auf sich. Weil die Strasse dann nicht nochmals gesperrt werden kann, haben die jungen Frösche und Kröten eine sehr gefährliche Reise vor sich.

Eine Schildkröte schwadert durch den Weiher 
Neben den vielen Kaulquappen und einem friedlich planschenden Teichfrosch erregte aber noch ein anderer Bewohner des Schübelweihers die Aufmerksamkeit von Spaziergängern: eine fast tellergrosse Schildkröte. Sie gleitet anmutig durch den Weiher und reckt immer wieder neugierig ihren Kopf über die Wasseroberfläche. Gemäss der Kenntnis der Gemeinde Küsnacht handle es sich um eine amerikanische Rot- oder Gelbwangen- Schmuckschildkröte, lässt Schreiberin Catrina Erb Pola verlauten. Dies bestätigt auch der Zoologe Dr. Christian Schmidt auf Anfrage. Er meint, auf dem Bild den roten Wangenstreifen erkennen zu können. Auch sonst stimme alles mit dem Erscheinungsbild der Rotwangen-Schmuckschildkröte überein. Diese Art ist hierzulande auch am meisten als Haustier verbreitet. Als Jungtiere sind die Rotwangen- Schmuckschildkröten nur Fünfliber- gross und wunderschön gezeichnet, doch dann legen sie rapide an Grösse zu. Diejenigen Tiere, die in freier Wildbahn leben, sind gemäss der befragen Experten von ihren Besitzern ausgesetzt worden oder selbstständig abgehauen. Letzteres sei sehr gut möglich, erklärt René Honegger, ehemaliger Kurator des Zoos Zürich und Inhaber eines Ehrendoktortitels für seine Verdienste im Schildkrötenschutz. Vielen Besitzern seien nämlich die guten Kletterfähigkeiten dieser Schildkrötenart nicht bekannt, so der Schildkrötenexperte. Wie lange die gesichtete Schildkröte schon im Schübelweiher lebt, lässt sich ebenfalls nicht genau eruieren. Es könnten aber durchaus schon zwei bis drei Jahre sein. Der Gemeinde sei dieser Bewohner seit «einiger Zeit» bekannt, sagt Erb Pola. Honegger bestätigt, dass das Klima in den letzten Jahren in der Region für Schildkröten «überwinterungsfreundlich » war. «Im Naturufer können die Tiere gut einen frostfreien Unterschlupf finden», erklärt er. Besonders der feuchte Schlamm sei ein geeigneter Ort, um sich den Winter über einzubuddeln. 
Wie die Recherche zeigt, ist nicht ganz klar, ob im Schübelweiher mehrere der exotischen Tiere leben. Spaziergänger berichten von zwei bis drei Exemplaren, Schübelweiher-Kenner Lüthi, der oft aufgrund des Amphibienschutzes vor Ort ist, weiss aber nur von einer. Sicher ist jedoch: Sie darf vorläufig bleiben. Erb Pola dazu: «Da nicht davon ausgegangen wird, dass diese Tiere ein Problem darstellen, wird dagegen nichts unternommen.» Sie betont aber, dass das Aussetzen von Haustieren, besonders von exotischen, grundsätzlich problematisch sei. Zudem ist es verboten und kann für andere Lebewesen eine Gefahr darstellen.



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