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17.05.2017 Von: Karin Steiner

Zürich Nord

Von üppigem Prunk zu kahlen Backsteinwänden


Ikonenmalerei in der Kirche Maria Entschlafen in Schwamendingen. Foto: kst.

Rund 30 Interessierte folgten der Einladung des Quartiervereins Schwamendingen und besichtigten drei Kirchen unterschiedlicher religiöser Prägung im Quartier. Die jeweiligen Pfarrpersonen hielten dabei spannende Vorträge zur Geschichte der Kirchen.

Erstes Ziel des Kirchenrundgangs war die Römisch-katholische Kirche St.  Gallus. Pastoralassistent Dominik Rocksloh, seit 20 Jahren auch Seelsorger im Pflegezentrum Mattenhof, entführte die Besucherinnen und Besucher ins Schwamendingendes Jahres 1945, als die Gemeinde bereits 10 000 Einwohner zählte, aber über keine katholische Kirche verfügte. So gründete man eine Stiftung, St. Gallus, dem heiligen Gallus gewidmet, der vor 1400 Jahren am Bodensee wirkte, wo heute St. Gallen steht. 1950 wurde eine Notkirche gebaut und eder Verein St. Gallus gegründet. 1955 – Schwamendingen zählte bereits 25 000 Einwohner – bis 1957 bauten die Architekten Ferdinand Pfammatter und Walter Rieger die heutige Kirche St. Gallus. Sie kostete 1,1 Millionen Franken. Das war damals sehr viel Geld, das nicht vorhanden war. Da die katholische Kirche im reformierten Zürich noch nicht anerkannt war, gab es auch keine Kirchensteuer. So ging Prälat Höfliger höchstpersönlich auf Spendersuche. Das riesige Chorfenster war ursprünglich farbig geplant, konnte aber aus Mangel an Geld nur mit weissem Glas verwirklicht werden. Es wurde ein Chorfenster-Fonds gegründet. Erst im Oktober 1987 wurde das heutige prächtige Fenster, eines der grössten in der Schweiz, eingeweiht. Entworfen hatte es der Künstler und Kapuziner Fra Roberto Pasotti aus dem Kloster Bigorio. Die Kirche St. Gallus wurde nach zwölf Jahren umgebaut und vor fünf Jahren umfassend renoviert. Den 60. Geburtstag feiert die Pfarrei übrigens mit einem grossen Fest am 18. Juni.

Pfarrer und Künstler in einem
Nächste Station war die serbisch-orthodoxe Kirche Maria Entschlafen. Empfangen wurde der Quartierverein von Pfarrer Miroslav Simijonovic. Auf dem Areal der Pfarrei befand sich einst eine chemische Reinigung. Später errichtete darauf die neuapostolische Kirche eine Mission für Italienisch- und Spanischsprachige, trat diese dann aber an die serbisch-orthodoxe Gemeinde ab. «Wir bauten daraus eine kleine Basilika mit Säulen und einer Kuppel mit Christus in der Mitte», sagte Simijonovic. «Das ist für uns sehr wichtig.»

Die anfangs kahle Kirche ist heute reich verziert mit Ikonen, Goldschmuck und Wandmalereien. Diese sind noch nicht ganz vollendet, im Altarraum stehen noch Gerüste. Das Besondere an den kunstvollen Malereien: Sie stammen alle von Pfarrer Miroslav Simijonovic selber. «Ich habe fünf Jahre lang an einer Kunstakademie studiert», erklärte er den ungläubig Staunenden bescheiden. «Beim Malen kann ich meine Gefühle zu Christus darstellen.»

Im Zentrum der Kuppel blickt Christus auf die Kirchenbesucher herab. Im roten Band unter ihm befinden sich die Propheten aus dem Alten Testament und im blauen Band die Apostel aus dem Neuen Testament. «Die Verbindung von Altem und Neuem Testament ist für die orthodoxe Kirche von zentraler Bedeutung.»

Umstrittene Kirche Saatlen
Letzte Station des Kirchenrundgangs war die evangelisch-reformierte Kirche Saatlen. «Das Kirchenzentrum scheint ein fremdes Objekt im Quartier zu sein», sagte Pfarrerin Hanna Kandal bei der Einführung. «Manche sehen in ihr ein Fabrikgebäude, andere ein grosses Schiff.» Entstanden ist die Kirche 1966 bei der Aufteilung der Grosskirchgemeinde Schwamendingen und gebaut wurde sie vom bekannten Zürcher Architektenteam Paillard, Cramer, Leemann. Paillards berühmtestes Bauwerk ist das Theater St.  Gallen. Seine Theaterbauten sind in der Öffentlichkeit umstritten, so die Erweiterung des Opernhauses Zürich, das den Übernamen «Fleischchäs» erhielt. Ähnlich umstritten ist auch das Kirchenzentrum Saatlen. Einige finden es eine architektonische Meisterleistung, andere wiederum klobig und kahl. «Typisch reformiert ist die atemberaubende Schlichtheit des riesigen Kirchenraums», sagte Hanna Kandal. Dieser besteht wie die Aussenmauern ausschliesslich aus norddeutschem Backstein und hat keinerlei Schmuck. Einzig ein halbes Kreuz an der Wand erinnert daran, dass es sich um eine Kirche handelt. Anstelle von Schmuck spielt das Licht, das aus Oberfenstern eindringt, Muster an die Wände. Im Untergeschoss befindet sich das Kirchenzentrum, die Kirche ist nur über viele Treppen erreichbar. «Das ist für manche Kirchenbesucher ein Problem.» Pfarrerin Hanna Kandal ist jedoch begeistert von Saatlen: «Die Akustik ist fantastisch. Deshalb finden hier viele Konzerte statt.»



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