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24.05.2017 Von: Lisa Maire

Zürich West

Dieter Meier – in vielfacher Ausfertigung


Freunde seit alten Zeiten: Das umtriebige Multitalent Dieter Meier und Galerist Silvio Baviera an der Vernissage von «Possible Beings». Foto: Lisa Maire

In Berlin hat sie schon für Aufsehen gesorgt, nun ist Dieter Meiers schräge Selbstporträt-Serie «Possible Beings 1973–2016» auch in der Zürcher Galerie Baviera zu sehen.

Der Zürcher Künstler Dieter Meier ist einer breiteren Öffentlichkeit wohl vor allem als Frontman des international erfolgreichen Electropop-Duos «Yello» bekannt. Oder vielleicht auch als Unternehmer mit ökologischer Rindfleisch- und Weinproduktion in Argentinien und eigenen Restaurants in Zürich, Frankfurt, Berlin. Weniger bekannt ist heute, dass der inzwischen 72-Jährige zu den Pionieren der Schweizer Konzeptkunst gehört. Schon Ende der 1960er-Jahre machte er mit Kunstvideos und skurrilen Aktionen im öffentlichen Raum auf sich aufmerksam. Ob in Zürich oder New York. 1973/74 entstand dann die Fotoserie «48 Personalities», die er in der Städtischen Kunstkammer zum Strauhof zeigte. Der Clou: Die Fotos sind alle Selbstporträts des Künstlers. Mit wechselnden Verkleidungen sowie schauspielerisch begabter Mimik und Gestik inszenierte er sich selbst.

Schräge Charaktere mit Schnauz
Diese schrägen Meierschen Kunstfiguren – konstant bleibt darauf nur der Schnauz – bilden die Grundlage zur aktuellen Ausstellung «Possible Beings». Seit 2005 hat der Künstler nämlich einen grösseren Teil der Porträts von damals mit aktuellen Aufnahmen ergänzt und auch die passende Lebensgeschichten dazu erfunden. Die Biografien kommen textlich so vielfältig und witzig daher wie die Fotos der porträtierten Charaktere.

So erfährt man etwa zu Hans-Rudolf «Hansi» Posamentier – der 1973 als junger Mann mit seinem nackten Oberkörper protzt und 2016 dann als reich gewordener Immobilienhändler mit seinem Ferrari: «Hansi war schon immer ein Angeber. Er flog in Wien von allen Schulen, behauptete aber, er hätte an der ETH das Studium der Architektur abgeschlossen.»

Anderen wie dem «virtuosen Gitarristen» Tiger Wislow blieb mit der Popband «Tiger Some» die grosse Karriere versagt. So wechselte er zu Heavy Metal mit der Begründung: «Mit Fruits of Satan mache ich gutes Geld, und das bisschen Verkleidung kann mir nicht schaden.» Und Max Nussbaumer, als Primarschüler in Zürich-Altstetten ambitionierter Kunstturner, musste umsatteln, als sein Körper «zu einer einzigen Baustelle» verkam. Als Radrennfahrer Amateur B fuhr er an der Züri Metzgete dreimal in die Ränge. Und auch mit über 60 fährt er, «noch ohne aus dem Sattel zu steigen, über den Siglisdorferpass, und so mancher Schnösel mit einer 10-Mille-Maschine verfault ihm am Hinterrad.»

Galerie Baviera, Zwinglistrasse 10, 8004 Zürich. Ausstellung bis 12. August, Öffnungszeiten: Mi, Do, Fr jeweils 13–18 Uhr, Sa 13–16 Uhr.



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