Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
24.05.2017 Von: Lorenz Steinmann

Züriberg, Zürich 2, Zürich Nord, Zürich West

Kommentar: Geschützte Werkstatt

Gerade noch rechtzeitig hat Stadtrat Filippo Leutenegger die Kurve gekriegt – und seinen Chefbeamten Urs Pauli freigestellt. Die Frage, ob längeres Hinauszögern der Causa Pauli Leuteneggers Wiederwahl gefährdet hätte, ist nun mehr oder weniger hinfällig. Unklar ist hingegen, ob Urs Paulis Steuergelder verprassendes Verhalten ein Einzelfall ist oder die Spitze des Eisbergs. Denn es geht um eine Haltung in der Stadtverwaltung.
Urs Pauli hat sich selbst nicht nur einen Dienstwagen der Spitzenklasse – Neuwert 127 000 Franken – bewilligt. Der langjährige Chefbeamte hat sich stets als CEO bezeichnet, als Vertreter der Wirtschaft. Dabei beruht der finanzielle «Erfolg» der Dienstabteilung «Entsorgung + Recycling Zürich» zu einem grossen Teil auf überteuerten Sackgebühren und zusätzlichen Abgaben pro Haushalt. Ein Beispiel: Die 10er-Rolle Zürisäcke kostet 20 Franken und 20 Rappen. Das sind rund 20 Prozent mehr als bei der Einführung der weissen Zürisäcke im Jahr 2005.
Dabei moniert das Konsumentenmagazin «Saldo» schon länger, dass die Abfallsackgebühr teurer als nötig sei. Denn generell sinken die Kosten für Kehrichtverbrennungsanlagen und die Erlöse für Metall und Glas steigen. Vom Preisüberwacher heisst es dazu: «Rückstellungen können im Abfallbereich nur in geringem Umfang vorgenommen werden, da die Abfallentsorgung nicht kapitalintensiv ist.» Aber nein – ERZ kassiert und kassiert.
Dass sich Urs Pauli in dieser geschützten Werkstatt als Wirtschaftsboss aufspielte, ist darum ziemlich stossend. Das Trauerspiel um die halbherzige Verwertung des Bioabfalls zeigt zudem, dass ERZ die Innovationskraft fehlt. Erst auf gehörigen Druck des Gemeinderates wurde eine (zu kleine) Vergäranlage gebaut. Lieber verbrennt die Stadt den Bioabfall und zementiert so das veraltete System der CO2-intensiven Müllverbrennung.
Doch zurück zu Urs Paulis Dienstwagen. Pauli behauptete an einer Medienkonferenz allen Ernstes, sein BMW sei die Stadt günstiger gekommen als eine allfällige Spesenabrechnung. Pauli wird dazu in der NZZ so zitiert: «Ich fahre jedes Jahr mit diesem Auto 35 000 km in dieser Stadt herum. Die Stadt entschädigt den Kilometer mit 70 Rappen, wenn man mit einem eigenen Fahrzeug herumfährt. » Paulis Spesenbeleg hätte also 24 500 Franken pro Jahr ausgemacht. Wie bitte? So oder so braucht es für ein Gefährt im Stadtverkehr mit «Stop-and-Go» definitiv keine 381 PS. Ein Smart hätte es auch getan. Wo blieb das Controlling? Wie sieht es in anderen Dienstabteilungen aus? Ist das «Grossherzogtum Pauli» ein Einzelfall? Der Stadtrat täte gut daran, sich möglichst rasch Klarheit darüber zu schaffen und für eine gesamtstädtisch geregelte Fahrzeugbewirtschaftung zu sorgen. Es ist an der Zeit, bescheidener zu werden. Im Umgang mit Steuergeldern, aber nicht nur.



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