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24.05.2017 Von: Annina Just

Küsnachter

Schule und Gemeinde erneut im Clinch


«Ein Bau, der Zeichen ist des Aufbruchs Küsnachts von einem landwirtschaftlich

Der Küsnachter Gemeinderat stellt das Gebäude an der Seestrasse 143 unter Schutz. Damit durchkreuzt er Pläne der Schulgemeinde, die als Eigentümerin andere Nutzungen im Sinn hatte.

Das Wohnhaus an der Seestrasse 143 wird unter Schutz gestellt. Der Küsnachter Gemeinderat habe festgestellt, dass es sich bei diesem Gebäude um einen wichtigen Zeugen für die ortsbaulich prägende Bauepoche entlang der Seestrasse handle. Dies geht aus den amtlichen Publikationen dieser Woche hervor.
Die Adresse Seestrasse 143 lässt aufhorchen. Das Wohnhaus liegt auf dem Grundstück der Schulgemeinde und befindet sich seit dem Entscheid der Stimmberechtigten an der letzten Gemeindeversammlung im Verwaltungsvermögen der Schule. Die Nutzung dieses Hauses hat die Baukommission der politischen Gemeinde und die Schulgemeinde in den letzten zwei Jahren stark beschäftigt. Dies belegen Aussagen von Schulpräsidentin Danièle Glarner (FDP) sowie die Schutzabklärung der Gemeinde Küsnacht, welche dem «Küsnachter» schriftlich vorliegt.

Abbruch ins Auge gefasst
Als die Schule vor gut einem Jahr kommunziert, aus Platzmangel die Räumlichkeiten in der Freizeitanlage und im Erdgeschoss des Betreuungshauses für sich zu beanspruchen, wurde die Liegenschaft Seestrasse 143 erstmals zum öffentlichen Thema. Die Baukommission hatte einen hohen Sanierungsbedarf der Liegenschaft ausgemacht und dieser verunmöglichte es, dass die Schule dort weiterhin ihre Schulergänzende Betreuung (KICK) für die 5.- und 6.-Klässler unterbrachte, geschweige denn – wie von ihr angestrebt – die Nutzung für schulische Zwecke ausbaute. Schulpräsidentin Glarner dazu: «Die Schule musste feststellen, dass die verlangten Sanierungsmassnahmen respektive die entsprechenden Kosten in keinem Verhältnis stehen zur überhaupt möglichen Nutzung dieser Wohnungen zu Schulzwecken.» Die Räume seien als Schul- und Betreuungsraum ungeeignet und können höchstens als Übergangslösung und für kleinere Büros genutzt werden. «Der Entscheid der Baukommission löste für die Schule ein akutes Platzproblem aus», schaut Glarner zurück.
Bereits bekannt ist, dass sich die Schule in der Folge gegen die aufwendigen Sanierungsmassnahmen entschied und den KICK-Betrieb provisorisch in anderen Liegenschaften untergebracht hat. Das Haus an der Seestrasse 143 wird seither zu Wohnzwecken vermietet.
Wie nun aus dem Dokument zur Schutzabklärung hervorgeht, hat die Schule einen Abbruch des Gebäudes und eine Neunutzung des Grundstücks mit Neubebauung prüfen wollen. Zu diesem Zweck beantragte sie die Entlassung des Gebäudes aus dem Inventar für schützenswerte Bauten.

Zwei Gutachten, zwei Meinungen
Den Antrag zur Entlassung aus dem Inventar stützte ein von der Schule in Auftrag gegebenes Gutachten. «Ein erstes Grobgutachten bestätigte, dass es sich bei dem Wohnhaus nicht um ein schützenswertes Gebäude im Sinne des Planungs- und Baugesetzes handelt, worauf die Schule die Ausarbeitung eines vollständigen Gutachtens in Auftrag gab», führt Glarner aus. «In der Folge hat die Schule dieses mit ausführlicher Begründung ihrer überwiegenden Interessen im Sinne eines Provokationsbegehrens der Baukommission eingereicht», so die Schulpräsidentin weiter.
Die Baukommission hat aber ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses bestätigte im Gegensatz zum ersten die Schutzwürdigkeit des Gebäudes. Laura Heid, Abteilungsleiterin Hochbau, begründet das Vorgehen folgendermassen: «Das Gutachten, welches im Auftrag der Schule, das heisst des Eigentümers, erstellt wurde, gilt als Parteigutachten. Die Bewilligungsbehörde muss grundsätzlich ein neutrales Gutachten erstellen lassen. Darin wird die Schutzwürdigkeit unabhängig von Eigentümerinteressen geprüft.»
Gemäss diesem wurde das Wohnhaus zwischen 1863 und 1864 als spätklassizistisches Mehrfamilienhaus mit grossem Weinkeller inmitten eines dazugehörigen Rebbergs erbaut. «Aufgrund seines hohen siedlungshistorischen und architekturtypologischen Wertes, seiner architektonischen und baukünstlerischen Qualitäten sowie als Strassenraum prägender Bau ist es ein Schutzobjekt von kommunaler Bedeutung », schreibt die Gutachterin. Ihren Zeilen ist weiter zu entnehmen, dass die Liegenschaft zur Erstbebauung der zwischen 1838 und 1839 errichteten Seestrasse gehört. Diese sei durch den spätklassizistisch und grossstädtisch anmutenden Wohnhaustypus charakterisiert gewesen. In der Empfehlung der Baukommission spielt ausserdem eine Rolle, dass für den Grundstückteil der Seestrasse 143 kein Projekt oder Studie vorliege. Der Raumbedarf der Schule sei zwar unbestritten, so die Baukommission, aber vonseiten der Schule nur sehr allgemein angegeben.
Indem der Gemeinderat nun der Empfehlung der Baukommission gefolgt ist und die Unterschutzstellung beschliesst, durchquert er die Pläne der Schule. Glarner sagt: «Der Schule sind mit diesem Entscheid die Hände gebunden.» Es sei dadurch nicht möglich, auf ihrem Land und in unmittelbarer Nähe der bestehenden Schulgebäude eine massvolle Erweiterung von Schulraum anzudenken. Glarner: «Das Gebäude kann ohne die Erfüllung der überaus kostenintensiven Massnahmen nicht mehr für schulische Zwecke gebraucht werden. Es ist lediglich zu Wohnzwecken nutzbar, diese sind aber hinsichtlich der Zone für öffentliche Bauten stark eingegrenzt. »

Schulpräsidentin enttäuscht
Wie Schulpräsidentin Glarner ausserdem ausführt, ist die Schule aktuell dabei, im Rahmen ihrer verabschiedeten Schulraumstrategie in der Schulanlage Dorf umfassende Umnutzungen zu planen. Mit dem Wegfall der Liegenschaft an der Seestrasse 143 im Sinne einer Landreserve falle eine letzte Möglichkeit zur Erweiterung des Schulraums in unmittelbarer Nähe der bestehenden Schulgebäude weg. «Damit kann der gesetzliche Auftrag nicht mehr adäquat umgesetzt werden», hält Glarner fest.
Aus Sicht der Baukommission ist mit der Unterschutzstellung eine öffentliche – und somit zonenkonforme Nutzung – nicht ausgeschlossen. Bedingung ist, dass die Gebäudesubstanz den Schutzzielen entsprechend erhalten bleibt und die baurechtlichen Anforderungen erfüllt werden. Die Schule geniesse als Eigentümerin auch für die Nutzung des Gebäudes als Wohnhaus Bestandesgarantie, auch wenn diese zonenwidrig sei.
Laut Aussagen von Glarner wird die Schule das weitere Vorgehen in den nächsten Tagen prüfen. «Persönlich halte ich den Entscheid des Gemeinderats für fachlich und politisch nicht nachvollziehbar. Ich bedauere, dass die Interessen der Schule nicht berücksichtigt worden sind», zeigt sich die Schulpräsidentin enttäuscht.



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