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01.06.2017 Von: Lisa Maire

Züriberg

«Kennen Sie Ihre Nachbarn?»


Studienleiter Alexander Seifert erklärt die Datenerfassung mittels Smartphone. (Foto: Lisa Maire)

Das Zentrum für Gerontologie der Uni Zürich möchte mit einer neuen Studie herausfinden, wie es um die Nachbarschaftlichkeit älterer Zürcherinnen und Zürcher steht.

Alexander Seifert, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Gerontologie (ZfG) und am Forschungsschwerpunkt «Dynamik Gesunden Alterns » der Universität Zürich, beschäftigt sich mit verschiedenen Forschungsfeldern rund ums Thema Alter. Im Zentrum stehen Fragen zur Techniknutzung, zum Umgang mit Seh- und Hörbeeinträchtigungen und zum Wohnen. Im Rahmen der Wohnstudien will sich Seifert nun näher mit dem Phänomen Nachbarschaft befassen. «Kennen Sie Ihren Nachbarn?», «Wie steht es um Ihre Nachbarschaftlichkeit? » heissen die Leitfragen der neuen Untersuchung. Das Zielpublikum sind ältere Bewohnerinnen und Bewohner der Zürcher Stadtkreise 7, 3 und 12.
Die Auswahl der Wohngegenden ist nicht zufällig. Die Studie will nämlich auch sozio-ökonomische Unterschiede und deren Auswirkungen auf nachbarschaftliches Verhalten ausleuchten: «Bessergestellte Menschen sind im Alter vielleicht weniger auf Hilfe aus der Nachbarschaft angewiesen », laute eine Ausgangsthese, erklärt Seifert.

Im Visier: Bewegung im Alltag
Der neuen Studie geht eine Reihe von Erkenntnissen aus anderen Befragungen in Zürich und in der ganzen Schweiz voraus. Demnach wollen Menschen ab 60 Jahren mehrheitlich bis ins hohe Alter im vertrauten Quartier bleiben, und die allermeisten fühlen sich auch mit der eigenen Wohnung stark verbunden. Diese Bindung, so Seifert, hänge mit den sozialen Kontakten zusammen. Sie seien sehr wichtig für das Empfinden von Zufriedenheit und Lebensqualität, noch wichtiger als bauliche Aspekte oder die Verkehrsanbindung. Dass sich der Bezug zu Wohnung und Quartier über soziale Kontakte definiert, liegt nahe. Seifert: «Ältere Menschen wohnen oft seit vielen Jahren in der gleichen Wohnung. Dadurch entsteht eine Verbundenheit mit Nachbarn, die vielleicht ebenso lange hier leben.»


Nun will der Forscher genauer herausfinden, wie ältere Menschen sich in ihrem Alltag bewegen. Und zwar aus verschiedenen Perspektiven. Einerseits geht es um die eigene Einstellung: Wie nehme ich mich selbst als Nachbarin oder Nachbar wahr? Ist mir Nachbarschaft wichtig? Oder möchte ich lieber nichts mit den Nachbarn zu tun haben? Anderseits steht die Nachbarschaftlichkeit im Zentrum: Wie häufig habe ich Kontakte zu Nachbarn? Wie oft helfe ich? Wie oft bekomme ich Hilfe? Auch die «räumliche Nachbarschaft» – die strukturellen Gegebenheiten in den untersuchten Quartieren und ihre jeweilige Nutzung – ist Thema: Wie und wie oft nutze ich meine Wohnumgebung – etwa Sitzbänke an öffentlichen Plätzen, Cafés, Läden? Welche Barrieren treffe ich dabei an? «Wir möchten erfahren, welchen Einfluss all diese Punkte auf die Lebensqualität haben und inwieweit Nachbarschaft als Ressource dienen kann, um den eigenen Lebensalltag zu bewältigen», fasst Seifert zusammen. Bei der Beurteilung von Lebensqualität gehe es übrigens auch ganz stark um das subjektive Gefühl von Sicherheit. Eine «gegenseitige Achtsamkeit» trage wesentlich dazu bei, dass sich jemand in seinem Zuhause wohl fühle.

Forschung mit Praxisbezug
Aus den gesammelten Daten sollen später praxisrelevante Empfehlungen für eine nachhaltige Nachbarschaftshilfe entwickelt werden. Am ZfG wird also nicht nur im Elfenbeinturm – für wissenschaftliche Selbstzwecke – geforscht. Zwar sei es schon wichtig, Forschungsergebnisse in Fachzeitschriften zu publizieren, sagt Seifert. «Das ZfG als Kompetenzzentrum nimmt aber über die Grundlagenforschung hinaus auch den Praxisbezug als Auftrag wahr.»  So habe zum Beispiel Pro Senectute Ergebnisse der Studie «Techniknutzung im Alter» in ihre Kurse und Empfehlungen einfliessen lassen. Auch einzelne Finanzdienstleister und Kommunikationsanbieter hätten auf diese Studie mit Angebotsanpassungen reagiert. Und Erkenntnisse zu «Wohnen im Alter» kämen in verschiedensten Wohnbauprojekten zum Tragen. Für die neue Studie arbeitet Seifert mit verschiedenen Einrichtungen für Nachbarschaftshilfe in den Umfrage-Quartieren Wiedikon, Hottingen und Schwamendingen zusammen.

 

Studienteilnehmer aus Stadtkreisen 3, 7 und 12 gesucht

Das Zentrum für Gerontologie sucht für seine Nachbarschaftsstudie noch ältere Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Studie läuft ab sofort bis Dezember 2017.

Teilnahmekriterien:

• Personen ab 60 Jahren aus den Stadtkreisen 7, 3 oder 12.

• Deutsch sprechend

• etwas Erfahrung im Umgang mit Mobiltelefonen.

Zeitaufwand:

• Einführungstreffen ca.1,5 Std.

• 3 Wochen lang 3 x täglich 2–5 Minuten für das Ausfüllen des Fragebogens auf dem Smartphone.

• Abschlusstreffen ca. 1 Std.

Das Smartphone wird den Studienteilnehmern zur Verfügung gestellt. Im Alltag getragen, erfasst es jeweils automatisch die räumliche Bewegung (GPS) und körperliche Aktivitäten (Schritte) seiner Trägerin oder seines Trägers. Wer mitmacht, hat zudem dreimal täglich einen einfachen Fragebogen auf dem Smartphone auszufüllen. Zugang zu den Daten, die anonymisiert werden, hat nur der Studienleiter.

Fürs Mitmachen gibt es 100 Franken Aufwandsentschädigung sowie eine kleine Auswertung der persönlichen Daten. Und: Einsicht in ein wichtiges Thema.

Anmeldungen und Fragen nimmt gerne Studienleiter Alexander Seifert entgegen: telefonisch unter 044 635 34 32 oder per Mail an alexander.seifert(at)uzh.ch

Weitere Infos: www.zfg.uzh.ch

 



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