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07.06.2017 Von: Annemarie Schmidt-Pfister

Küsnachter

Plastik und Lärm: Das Meer als Müllhalde


Zu Tausenden verheddern sich Robben, Delphine, Meeresschildkröten und Fische im Plastikabfall. Kommt nicht rechtzeitig Hilfe durch den Menschen, bedeutet dies ihren sicheren Tod. Foto: Ewan Edwards/OceanCare

Seit 1989 engagiert sich OceanCare weltweit für den Schutz der Meere. Zwei leitende Mitarbeiterinnen berichteten beim Quartierverein Zollikerberg über Massnahmen zum Erhalt der Meere. Im Fokus stand die Verschmutzung durch Plastik und Lärm.

Für die Wädenswilerin Sigrid Lüber, Gründerin und Präsidentin der Umweltorganisation OceanCare, war ein Tauchgang vor dreissig Jahren der zündende Funke: Unverhofft geriet sie dabei in einen Schwarm spielender Delphine. Delphine oben und unten, vorne und hinten und von allen Seiten: Für Lüber der Anfang einer grossen Liebe und eines bedingungslosen Engagements für die «lächelnden » Meeressäuger und für ihren bedrohten Lebensraum.
Sigrid Lüber und Fabienne McLellan, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und im Zollikerberg wohnhaft, erzählten jetzt auf Einladung des Quartiervereins von ihrer Arbeit. Eine Stunde lang hätte man im Gerensaal die berühmte Nadel fallen gehört, so atemlos verfolgten die Anwesenden die Ausführungen der beiden Frauen. Nach einer zusätzlichen Frage-Dreiviertelstunde musste QV-Vorsitzender Fritz Wolf die Zollikerbergler regelrecht nach Hause schicken.
Würde man die Forschungs- und Schutzprojekte von OceanCare, die Aufräum- und Rettungskampagnen, die Debatten an internationalen Kongressen und Fachforen – seit 2011 hat Ocean Care UN-Sonderberaterstatus – hier auflisten, es würde den zur Verfügung stehenden Platz bei weitem sprengen. Wo also anfangen? In weiser Voraussicht hatten Lüber und McLellan bereits selber Grenzen gezogen: Im Fokus ihrer Ausführungen standen an diesem Abend zwei Themen, nämlich Plastik und Lärm, die das Leben im Meer in rasant zunehmendem Tempo bedrohen.

Plastik-«Güsel»
Neun Millionen Tonnen Plastik pro Jahr – oder rund tausend Tonnen pro Stunde – gelangen als Abfall ins Meer. 20 Prozent dieser Mengen stammen von Schiffen, die anderen 80 Prozent vom Land – und zwar nicht nur aus den Anrainerstaaten, sondern dank Wind und Flüssen auch aus abgelegenen Binnenländern. Weit draussen im Meer sammelt sich dieser Abfall in Strömungswirbeln zu riesigen Müllteppichen – einer davon bedeckt mittlerweile im Nordpazifik eine Fläche, so gross wie Spanien und Portugal zusammen. Dazu kommen schätzungsweise fünf Milliarden Mikroplastikteilchen, die bis in grosse Tiefen treiben. Plastik braucht Hunderte von Jahren, bis es abgebaut ist – eine einzige Petflasche «lebt» 500 Jahre! Dafür wird das Leben von Meeressäugern und Fischen bis hinunter zu den Kleinstlebewesen durch diesen Müll massiv verkürzt: Robben, Delphine, Meeresschildkröten, Fische verheddern sich in Netzen, Angelschnüren und Einkaufstüten, und viele Tiere fressen Plastikteile und gehen daran zugrunde oder verhungern mit einem «vollen Magen » – voll von Plastik! Dieses gelangt zudem in die Nahrungskette – mit fatalen Folgen auch für uns Menschen.

«Lärm-Nebel»
Auch Lärm ist eine Form von Abfall. Als ständig präsenter «akustischer Nebel » verursacht er Stress und erschwert beispielsweise u. a. die Kommunikation der Wale, die sich mit ihren «Gesängen» rund um den Erdball verständigen und sich aufgrund dieser gegenseitigen Ortung zur Fortpflanzung finden – oder eben nicht mehr finden. Für den Unterwasser-Lärm verantwortlich sind Militär (Überwachungssonare), Öl- und Gasindustrie (Schallexplosionen bei seismischen Tests) und die Schifffahrt (90 Prozent aller Güter werden über den Seeweg transportiert).
Was tun? Die Liste der Massnahmen, welche OceanCare empfiehlt und selber anpackt, ist beeindruckend und reicht vom wiederverwendbaren Einkaufsbeutel anstelle des Rascheltütchens über die fachgerechte Entsorgung und Wiederverwertung von Plastik und Kunstfasern bis zur Einrichtung von Meeresschutzzonen, zu Forschung und fachkundiger Beratung von Politik, Wirtschaft und Militär. Jeder von uns kann durch sein Kaufverhalten (Plastik und Kunstfasern im Regal lassen) und seine Feriengewohnheiten (Strand-Säuberung anstatt Beach-Party, CO2-Emissionen kompensieren) dazu beitragen, dass unsere Meere keine gigantischen Mülldeponien mehr sind.
Den Meeresbewohnern und uns selbst zuliebe. Denn menschliche Gier und Einfalt waren schon immer der Feind natürlicher Vielfalt.



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