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14.06.2017 Von: Pascal Wiederkehr

Küsnachter

«Wir sollten schätzen, was wir bei uns haben»


«Ich bin der Meinung, wenn man wirklich etwas machen will, findet man

Die 17-jährige Herrlibergerin Louise Alberti engagiert sich für jugendliche Immigranten und Flüchtlinge. Nun wurde sie für ihr Engagement mit einem Preis ausgezeichnet.

für Ihr freiwilliges Engagement mit jugendlichen Immigranten und Flüchtlingen. Fühlen Sie sich geehrt? 
Der Preis ist sicher eine Anerkennung. Aber das Preisgeld steht für mich nicht so im Zentrum. Die Auszeichnung soll vor allem meinen Mitmenschen zeigen, dass ich etwas Spannendes mache, und sie animieren, auch etwas zu tun.

Tut die Gesellschaft aus Ihrer Sicht zu wenig? 
Ich würde nicht sagen, dass zu wenig gemacht wird. Das Schweizerische Rote Kreuz, bei dem ich dabei bin, macht beispielsweise sehr viel. Es ist eher so, dass viele nicht darüber Bescheid wissen.

Also wollen Sie mit Ihrem Engagement auf diese Arbeit aufmerksam machen? 
Mein Ziel wäre es, dass auch die Jungen dafür sensibilisiert werden. Bevor ich mit 16 Jahren beim Jugendrotkreuz des Kantons Zürich angefangen habe, wusste ich von solchen Angeboten wenig. Das hat mich eigentlich erstaunt.

Weshalb hat Sie das erstaunt? 
Es gibt und braucht viele Angebote, obwohl es immer heisst, in der Schweiz gehe es allen gut. Doch es gibt eine andere Seite, Menschen, denen es weniger gut geht. Darauf möchte ich aufmerksam machen. Nur weil ein Land als Ganzes reich ist, gibt es trotzdem auch arme Menschen bei uns. Es ist nicht immer alles perfekt in der Schweiz.

Wieso ist Ihnen das aufgefallen? 
2009 und 2016 war ich beim Sozialwerk Fundacion Cristo Vive in Chile, Bolivien und Peru, weil meine Eltern dort engagiert sind. Dort herrscht eine andere Realität. Das hat mir damals die Augen geöffnet. Wir sollten schätzen, was wir bei uns haben.

Sie sind sehr engagiert, betreuen kleine Kinder an Spielnachmittagen in einer Unterkunft für Asylsuchende, leiten Lager und spielen im Orchester. Bleibt da noch Zeit für die Schule? 
Ich bin der Meinung, wenn man wirklich etwas machen will, findet man immer Zeit dafür. Freiwilligenarbeit mache ich sehr gerne, deshalb nehme ich mir die nötige Zeit.

Was sagen Ihre Freunde dazu, finden die Ihren Terminkalender zu voll? 
Ja (lacht). Aber das ist am Gymnasium Unterstrass nichts Besonderes. Viele gehen in die Pfadi oder Cevi oder haben irgendwelche Hobbys. Für mich ist die Freiwilligenarbeit ein Hobby.

Wie kam es zu Ihrer Arbeit beim Roten Kreuz? 
Vor etwa eineinhalb Jahren habe ich etwas gesucht, das ich in meinen Ferien machen konnte. Meine Eltern mussten arbeiten und meine Schwester war nicht da. Also habe ich im Internet gesucht und bin dann auf das Rote Kreuz gestossen.

In Ihrer Maturarbeit behandeln Sie das Thema Flüchtlinge. Worum geht es da? 
In meiner Maturarbeit geht es um die Spielnachmittage für Kinder von 2 bis 14 Jahre, bei denen ich in der temporären Wohnsiedlung im Leutschenbach in Oerlikon mithelfe. Ich analysiere beispielsweise das Leitbild, welche Spiele sich für solche Nachmittage eignen und wie das Ganze weiterentwickelt werden kann.

Was war das bisher schönste Erlebnis? 
Erst gerade diesen Frühling habe ich wieder eine Sport- und Kochen- Woche (Spoko) des Roten Kreuzes mitgeleitet. Es waren auch einige Kinder aus der temporären Wohnsiedlung in Oerlikon dabei. Normalerweise sehe ich die Kinder alle zwei Wochen am Samstag für einen Nachmittag. Wenn man aber einmal eine ganze Woche zusammen ist, dann lernt man sich schon besser kennen. Mittlerweile kommen die Kinder auf mich zu, sagen, sie hätten mich vermisst. Es ist wirklich eine Freundschaft entstanden.

Gab es am Anfang auch Verständigungsprobleme? 
Eigentlich weniger. Kinder lernen ja schnell. Wenn sie ein Wort nicht verstehen, fragen sie nach. Wir reden immer Hochdeutsch, und das lernen die Kinder in der Schule. Und sonst versuchen wir uns mit den Händen zu verständigen.

Wie viele Kinder nehmen an einem Spielnachmittag teil? 
Gewöhnlich so zwischen 15 und 20 Kinder. Diese werden von acht bis zehn Freiwilligen betreut. Das war auch mal anders. Im letzten Herbst waren wir nur sechs Leiterinnen und Leiter. Das war gerade so an der Grenze. Bevor ich dabei war, sogar nur zwei bis vier.

Wie habt ihr das geschafft? 
Das war einfach Mundpropaganda. Ich erzähle in meinem Umfeld beispielsweise immer wieder von den Spielnachmittagen. Manche kommen dann vorbei und schauen, was ich mache, manche bleiben dann auch. An die Spoko-Woche nehme ich immer eine Freundin zur Unterstützung mit.

Den Preis, den Sie vom Zonta-Club Zürich erhalten, ist mit 1000 Franken dotiert. Wissen Sie schon, was Sie damit machen wollen? 
Ich weiss, ehrlich gesagt, noch nicht genau, was ich machen möchte. In meinem Zwischenjahr würde ich gerne nach Südamerika, vielleicht Ecuador oder Chile, um dort bei einem Sozialwerk mitzuhelfen.

Was haben Sie für Pläne nach dem Zwischenjahr? 
Jetzt habe ich ja noch ein Jahr bis zur Matur. Aber danach möchte ich studieren. Was genau, weiss ich noch nicht. Mich würden Geschichte, Politologie oder Ethnologie interessieren.

Können Sie sich vorstellen, später für ein Hilfswerk zu arbeiten? 
Das wäre schon etwas sehr Tolles.



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