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15.06.2017 Von: Annina Just

Küsnachter Amtlich

Sanierungen belasten Zumikon massiv


Liegenschaftsvorsteher Thomas Epprecht zeigte die Auswirkungen auf

Rund 40 Millionen Franken wird Zumikon investieren müssen, um Liegenschaften zu sanieren – dies in einer ohnehin schon schwierigen Finanzlage. Die Gemeinde plant Steuererhöhungen und wird sich für lange Zeit verschulden müssen.

Auf die Gemeinde Zumikon kommen finanziell schwierige Zeiten zu. Um dies der Bevölkerung zu erklären, nahm sich der Gemeinderat am Dienstag vergangener Woche ausführlich Zeit. «Die Entscheidungen liegen schliesslich bei Ihnen, daher laden wir Sie ein, mitzudenken und mitzudiskutieren », wandte sich Liegenschaftsvorsteher Thomas Epprecht (SVP) an die Besucher der Informationsveranstaltung. Diese fand im Anschluss an die Gemeindeversammlung statt. Es gehe darum, das Erbe der früheren Generation zu bewahren. Damit meinte er die zahlreichen Bauten, die in den 70er-Jahren in Zumikon entstanden sind.
«Vor 50 Jahren wandelte sich Zumikon vom Bauerndorf zum attraktiven Vorort», schaute Epprecht auf die Entwicklung der Gemeinde zurück. Damals wurde die Forchbahn unter die Erde gelegt und es sind viele öffentliche Bauten, wie der Gemeindeplatz mit der Tiefgarage, das Gemeindehaus und das Gemeinschaftszentrum sowie das Schulhaus Juch, entstanden. Epprecht bezeichnete das Vorgehen der damaligen Generation als weitsichtig und grosszügig. «Zwischenzeitlich wurde der Steuerfuss gar auf 105 Prozent heraufgesetzt, um all dies zu finanzieren.» Hätte man das nicht gemacht, würde Zumikon jetzt aussehen wie der Zollikerberg. «Dort zerschneidet die Forchbahnlinie das ganze Dorf», fuhr er fort.

Noch keine konkreten Projekte
Den Nachteil dieser regen Bautätigkeit bekommt die jetzige Generation aber auch zu spüren: Alle diese Bauwerke müssen in den nächsten 10 bis 15 Jahren saniert werden – und dafür muss Zumikon tief in die Tasche greifen. «Das Ziel ist es, den Wert dieser Liegenschaften zu erhalten und gleichzeitig finanzielle Belastungsspitzen zu vermeiden», erklärte Epprecht. Länger zuwarten würde aber noch mehr Geld kosten und Risiken bergen, wie höhere Sanierungskosten, Notreparaturen und einen Investitionsstau.
Um ein Liegenschaften- und Finanzkonzept zu erarbeiten, hat die Gemeinde Zumikon mit der Wipfpartner AG einen Experten beauftragt, den Wert der Liegenschaften und die Kosten für deren Sanierung zu berechnen. Richard Staubli, Verwaltungsratsmitglied bei der Wipfpartner AG erklärte das Vorgehen folgendermassen: «Zuerst wurde für jedes Gebäude der Neuwert bestimmt, dann der Wert der einzelnen Bauteile erfasst. » In der Folge habe man für jedes Bauteil den Ist-Zustand aufgenommen und mit einem Alterungsmodell die Kosten und den idealen Zeitpunkt für die Instandsetzung ohne Einbussen berechnet.
Dieses Instandsetzungskonzept wurde für die wichtigsten 15 Gebäude angewendet, dann wurde das Modell auf 43 weitere Gebäude übertragen. Wie sich daraus zeigte, werden bis 2026 Investitionen von gut 40 Millionen Franken nötig sein, um den Wert der Gebäude zu erhalten. Zu den Instandsetzungskosten kommen weitere Kosten durch neue Auflagen in puncto Sicherheit oder Behindertentauglichkeit. Auch energietechnisch sinnvolle Aufwertungen nach neueren Standards würden die Kosten weiter nach oben treiben. Es sei aber wichtig zu wissen, dass die Studie nur den Handlungsbedarf erhoben und noch keine konkreten Projekte entwickelt hat, betonte Epprecht mehrmals. Über die konkreten Projekte würden die Bürger dann einzeln abstimmen können.

Teilweise desolate Zustände
Einige Liegenschaften sind bereits jetzt in einem kritischen Zustand. Bilder verschiedener Gebäudeteile zeigten dies deutlich auf: Beim Feuerwehrgebäude in der Tiefgarage unter dem Dorfplatz sind die Decken undicht. Die Fassade beim Schulhaus Farlifang sowie Fassaden und Decken im Gemeindehaus bröckeln ab. Trotzdem brauche es noch etwas Geduld, bis alle Mängel behoben werden können, hielt Epprecht fest. «Wir können ja nicht bei einem Gebäude zum Beispiel jetzt die Fassade renovieren und dann in zwei Jahren die Fenster ersetzten, das wäre wenig sinnvoll,» so Epprecht.
Daher hat der Gemeinderat zusammen mit der Wipfpartner AG nun eine «bautechnisch sinnvolle» Etappierung erstellt. Die Projektierungen der einzelnen Projekte stehen dann nach und nach an.
Als Erstes werden die Erneuerungen in der Schulanlage Juch in Angriff genommen: Die Umnutzung des Lernschwimmbeckens zu einer Aula ist in der Planung bereits weit fortgeschritten. Der Antrag für den Umbaukredit über 2,85 Millionen Franken soll gemäss Gemeindeschreiber Thomas Kauflin voraussichtlich im September an der Gemeindeversammlung zur Abstimmung kommen.
Bereits in Planung befindet sich auch ein Teil der Sanierung des Gemeindehauses für 0,95 Millionen Franken. Als Drittes steht noch in diesem Jahr die Planung für die Sanierung des Turnhallentraktes der Schule Juch an (3,66 Millionen Franken) an. Diese Projekte sollen 2018 und 2019 umgesetzt werden.
Bis im Jahr 2026 folgen dann weitere Sanierungen, die sich insgesamt auf gut 40 Millionen Franken belaufen (siehe Kasten). Der grösste Brocken davon ist der Umbau des Gemeinschaftszentrum für rund 12,9 Millionen Franken. Diesbezüglich würden die Bedürfnisse sowie Umnutzungsmöglichkeiten aber noch abgeklärt, betonte Epprecht.

Zwei Steuererhöhungen geplant
Wie sich in den nachfolgenden Ausführungen von Finanzvorsteherin Barbara Messmer (CVP) zeigte, sind diese Investitionen eine Herkulesaufgabe für das finanziell ohnehin schon angeschlagene Zumikon. «Die Finanzlage ist angepasst, wir haben keine liquiden Mittel mehr», brachte sie es auf den Punkt. Zumikon komme daher nicht darum herum, die Steuern zu erhöhen und Fremdkapital aufzunehmen. Messmer: «Bisher hat sich jeweils innerhalb von etwa zehn Jahren der Schuldenaufbau mit Schuldenabbau abgewechselt. Nun werden wir Schulden machen müssen, die über Jahre bestehen bleiben», so die Gemeinderätin weiter. Dies sei eine neue und schwierige Situation für Zumikon.
Für die Verschuldung hat sich die Gemeinde klare Limiten gesetzt: Die Nettoschuld soll nie höher als 2000 Franken pro Einwohner sein – eine Marke, die im kantonalen Vergleich schon relativ hoch angesetzt ist: Nur gerade bei fünf Prozent aller Gemeinden liegen die Schulden über dieser Marke. Diese Zielsetzung hat dennoch spürbare Konsequenzen: Sie kann bis 2026 nur eingehalten werden, wenn der Steuerfuss zweimal um drei Prozentpunkte erhöht wird, nämlich 2019 und 2023.

Finanzausgleich: Keine Entlastung
«Wieso wurde der Planungshorizont auf 2026 festgelegt? Würde sich die Situation bei einer Planung einige Jahre weiter hinaus nicht wieder entspannen? », wollte im Anschluss einer der Zuhörer wissen.
Gemeindepräsident Jürg Eberhard (FDP) bestätigte, dass sich die Lage bei einer noch längeren Planung etwas entspannen würde, gleichzeitig wäre sie aber weniger verlässlich. «Der Detaillierungsgrad nimmt mit längerfristiger Planung markant ab», erklärte er. Dies bestätigte auch Aline Anderhalden von der Beratungsfirma Swissplan, die mit den Berechnungen beauftragt wurde. «Fünf Jahre sind eigentlich der übliche Planungshorizont bei öffentlichen Haushalten. Bei Zumikon haben wir diesen nun schon auf zehn Jahre ausgeweitet.»
Auch der kantonale Finanzausgleich beschäftigte das Publikum. Zumikon habe nun seit Jahren andere Gemeinden unterstützt, ob man nun, wenn man selber in einer prekären Lage sei, nicht kürzertreten könne, wollte ein Anwesender wissen. Dies verneinte Gemeindepräsident Eberhard. Der Verteilschlüssel, welcher aus der Steuerkraft und nicht aufgrund des Vermögens einer Gemeinde berechnet wird, sei demokratisch abgesegnet. «Weil sich die Empfängergemeinden in der Überzahl befinden, ist daran kaum etwas zu rütteln.»



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