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21.06.2017 Von: Corine Turrini Flury

Zürich Nord

«Den Neid der Besserwisser muss man sich erarbeiten»


Nach zwei erfolgreichen Jahren als Trainer beim FC Basel verbringt Urs Fischer wieder mehr Zeit zu Hause in Affoltern. Foto: ctf.

Nach zwei Jahren und drei Titeln ist für den Zürcher Urs Fischer das Abenteuer als Trainer beim FC Basel zu Ende. Ein Rückblick mit dem Schweizer Meister und Cupsieger aus Affoltern auf die fussballverrückte Zeit in Basel und ein Ausblick auf seine Zukunft.

Mit dem FC Basel haben Sie diese Saison die Meisterschaft und den Cup gewonnen, der Torschützenkönig kam aus ihren Reihen und auch sonst konnte der FCB diese Saison praktisch jeden Rekord für sich verbuchen. Trotz diesen Erfolgen stehen Sie ohne Job da. Wie gross ist Ihre Enttäuschung?
Klar finde ich es schade, aber ich kann damit umgehen. Von Bernhard Heusler und Georg Heitz bin ich früh informiert worden und auch die designierte neue Führung hat mich relativ früh kontaktiert. So war es leichter, damit umzugehen und den Entscheid zu akzeptieren.

Trotz Siegen und Titeln wurden Sie als FCB-Trainer kritisiert. Das Ausscheiden in der Champions League, wenig Spektakel und Kritikunfähigkeit wurde Ihnen vorgeworfen. Welche Kritiken trafen Sie und gibt es Vorwürfe, die Sie gelten lassen?
Man sollte nicht alles schlechtreden. Als Trainer habe ich oft eine etwas andere Sicht und ich bin der Meinung, dass man den Gesamtüberblick haben sollte. Nehmen wir das Beispiel Maccabi. Wir wollten uns für die Gruppenphase der Champions League qualifizieren. Dieses Ziel haben wir nicht erreicht. Da ist Kritik verständlich. Das lag aus meiner Sicht nicht nur an der Leistung, sondern oft sind kleine Details entscheidend über Sieg und Niederlage – oder Ausscheiden. Europäisch gibt es keine leichten Gegner und immerhin haben wir es in der Europa League bis ins Achtelfinale gegen Sevilla geschafft.

Wie beschreiben Sie Ihre Zeit in Basel?
Phantastisch! Ich habe nur positives erlebt, auch mit den Fans. Der FCB ist ein grossartiger Klub. Es hat alles gepasst. Mit Bernhard Heusler und Georg Heitz zu arbeiten war super. Sie sind kompetent und der Umgang war geprägt von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung, wie sich das jeder wünscht.

Mit «Fischer, nie eine vo uns!!!», wurden Sie in Basel von Fans empfangen. Zum Abschluss stand auf einem Transparent «Fischer eine vo uns». Was bedeutet Ihnen so etwas und wie haben Sie das als Zürcher geschafft?
Das hat mich berührt und gefreut. Es war von Anfang an klar, dass es bei meiner Verpflichtung kritische Stimmen geben wird. Ich denke mit meiner Arbeit und meiner Art, habe ich mir doch auch Wertschätzung bei den Fans erarbeitet.

Böse Zungen behaupten, dass beim FCB mit dem Millionenbudget auch Pappnasen an der Seitenlinie Titel gewinnen können. Wie gross ist der Einfluss eines Trainers auf den Erfolg tatsächlich?
(Lacht) Geld allein reicht nicht – da gibt es genügend Beispiele. Erfolg bedingt Arbeit. Aber auch den Neid der Besserwisser muss man sich erarbeiten.

Mit zehn Klubs in der Super League sind Trainerjobs in der Schweiz überschaubar und Ihr Erfolg in Basel hat sich auch positiv auf ihren Leistungsausweis ausgewirkt. Könnte sich ein Schweizer Klub überhaupt die Dienste des Herrn Fischer noch leisten?
Ja. Ich bin für alles offen. Nach der Entlassung beim FCZ kam eine Anfrage von einem Challenge League Verein. Wir haben Gespräche geführt. In diesem Moment hat es aber nicht gepasst. Das kann heute anders sein. Ich muss einfach überzeugt sein von dem, was ich mache. Das entspricht meinem Naturel. Geld steht bei mir nicht an erster Stelle. Ich hatte als Spieler und Trainer das Glück, mein Hobby zum Beruf zu machen und damit Geld zu verdienen. Das Gesamtpaket muss stimmen.

Sie waren unter anderem im Gespräch als Trainer bei Rapid Wien. Gibt es aktuell Angebote aus dem Ausland?
Es gab Anfragen aus dem In- und Ausland. Konkrete Gespräche haben bisher nicht stattgefunden.

Würden Sie gegebenenfalls von Affoltern wegziehen?
Meine Basis bleibt Affoltern. Ich habe zwei berufstätige Töchter und meine Frau arbeitet auch. Sie haben immer auf viel verzichtet wegen meines Berufs. Meine Familie hat es verdient, dass ich auf sie Rücksicht nehme und sie nicht aus ihrem Umfeld reisse. Klar braucht es Energie, wenn ich pendeln muss und irgendwo vielleicht wieder eine Zweitwohnung habe. Das habe ich schon bei Thun und Basel auf mich genommen und würde das auch wieder tun.

Sie waren mit Ihrer Frau ein paar Tage in Spanien. Jetzt haben Sie auf unbestimmte Zeit Urlaub. Wie verbringen Sie die Tage?
Malaga mit meiner Frau war super, um runterzufahren. In der Schweiz gehe ich mit Freunden fischen und erledige Dinge, die schon lange liegegengeblieben sind. Im Haus und im Garten gibt es auch immer zu tun.

Das Trainerkarussell dreht sich oft schnell. Wie nutzen Sie ihre freie Zeit, damit Sie als Trainer wieder bereit sind, wenn ein interessantes Angebot kommt?
Ich versuche, mich weiterhin körperlich fit zu halten. Zudem möchte ich bei Kollegen in einigen Klubs im In- und Ausland hospitieren und weitere Erfahrungen sammeln. Selbstverständlich schaue ich auch Matches. Man muss immer dranbleiben.

Bisher war Ihr Vater immer Vertrauter und Berater. Ein Manager ist kein Thema?
Doch. Mein Vater bleibt immer mein Vertrauter. Aber das Ausland kann durchaus ein Thema werden, und dann ist eine professionelle Beratung nötig.

Spontan: Bei welchem Klub würden Sie gern irgendwann auf der Trainerbank sitzen?
Dazu sage ich lieber nichts. Ich bin zu sehr Realist. Natürlich habe ich Ambitionen. Dafür arbeite ich. Aber im Fussball kann alles schnell gehen. Das habe ich erlebt. Hätte mir nach meiner Entlassung beim FCZ jemand gesagt, dass ich je Trainer vom Liga-Krösus Basel werde, hätte ich wohl eher gelacht.

Wie intensiv werden Sie die nächste Fussballsaison verfolgen und welchem Team drücken Sie die Daumen?
Natürliche schaue ich alle Spiele. Am TV, aber vermehrt auch live. Es ist klar, dass man die Klubs der Vergangenheit mitträgt und speziell verfolgt. Diese Klubs bleiben Teil meines Lebens und ich freue mich, wenn sie erfolgreich sind. Die Meisterschaft verfolge ich aber relativ neutral.

 

Urs Fischer

Urs Fischer lebt mit seiner Frau und den beiden Töchtern in Affoltern, wo er auch aufgewachsen ist. Er spielte seit seiner Juniorenzeit beim FC Zürich. Von 1987 bis 1995 war er beim FC St Gallen als Spieler und kehrte dann zum FCZ zurück. Auch seine erste Trainerstation war beim FC Zürich. Nach seiner Entlassung im März 2012 stand er beim FC Thun in der Rückrunde 2012/13 an der Seitenlinie, bis ihn der FC Basel zur Saison 2015/16 verpflichtete. Mit dem FCB wurde er 2016 sowie 2017 Schweizer Meister und gewann zudem den Schweizer Cup 2017. (ctf.)



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