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21.06.2017 Von: Annina Just

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Jürgen-Kantorei Küsnacht verabschiedet sich


Die Jürgen-Kantorei konzertierte in den letzte drei Jahren nur noch im Rahmen von Gottesdiensten. Foto: zvg

Nach fast 50-jähriger Tätigkeit löst sich die Jürgen- Kantorei Küsnacht auf. Dem Chor fehlt der Nachwuchs.

Martin Huggel, Chorleiter und Gründer der Jürgen-Kantorei Küsnacht, trägt das Aus nach fast 50 Jahren mit Fassung: «Wir wollten aufhören, solange es noch gut läuft», so der 76-Jährige über den Zeitpunkt der Auflösung «seiner » Jürgen-Kantorei. 1969, als Huggel an der reformierten Kirche Küsnacht Organist wurde, hat er den kleinen Kirchenchor mit dem hohen Anspruch gegründet. Seit 2005, dem Zeitpunkt von Huggels Pensionierung, ist der Chor als Verein organisiert. Es sei in letzter Zeit zunehmend schwieriger geworden, geeignete Sänger und Sängerinnen für die Jürgen-Kantorei zu finden, erzählt Huggel. «Das Problem ist, dass wir immer ein kleiner Chor bleiben wollten. Das heisst, dass jeder Einzelne viel Verantwortung übernehmen muss. Dies schränkt den Kreis von Leuten, die infrage kommen, ein.» Einerseits sei musikalische Vorbildung notwendig, anderseits der Wille, sich zu exponieren und viel Zeit zu investieren.

Kirchenchor bleibt bestehen
Bereits vor drei Jahren gab es daher eine Umorientierung: Der rund 25- köpfige Chor beendete seine Konzerttätigkeit und trat nur noch im Rahmen von Gottesdiensten auf. Das Vokalensemble, eine A-cappella-Gruppierung bestehend aus 14 Sängern und Sängerinnen, die aus der Jürgen-Kantorei entsprungen ist, führte ihre Konzerttätigkeit jedoch weiter. Nun ist für beide definitiv Schluss. Am kommenden Sonntag wird die Jürgen-Kantorei im Rahmen des Gottesdienstes verabschiedet. Das Vokalensemble hatte im April seinen letzten Auftritt.
Der Entscheid für die Auflösung sei einstimmig gefallen, erzählt Huggel weiter. «Wir wollten dringend vermeiden, dass die Leute müde werden und die Stimmen nicht mehr so gut sind.» Huggel blickt ohne Wehmut auf die unzähligen Konzerte mit Fokus auf barocke Chormusik zurück: «Wir konnten über Jahrzehnte das machen, was uns wirklich am Herzen lag, dafür bin ich dankbar. » Zum Repertoire der Jürgen- Kantorei gehören unter anderem alle Bach-Passionen sowie alle Werke von Mozart, oft mit Orchester- Begleitung. Er sei der Gemeinde Küsnacht und der reformierten Kirche sehr dankbar für die finanzielle Unterstützung in all den Jahren. Dass nun auch für die Kirchenchöre das Budget gekürzt wurde, habe beim Entscheid, aufzuhören, keine Rolle gespielt. «Wir hätten sowieso nicht mehr weitergemacht », hält der in Küsnacht aufgewachsene Huggel fest.
Die Jürgen-Kantorei genoss einen guten Ruf weit über Küsnacht hinaus und hatte auch immer wieder Konzerte ausserhalb ihrer Stammgemeinde. Sehr oft war das Ensemble in der St.- Peter-Kirche in Zürich zu Gast. Max Heberlein, Präsident der reformierten Kirchenpflege, erinnert sich sehr gerne an diese Auftritte: «Es waren immer sehr beeindruckende Konzerte auf hohem Niveau.» Dass die Jürgen- Kantorei nun aufhört, findet er schade, weil dadurch ein markanter Teil der kirchenmusikalischen Tradition innerhalb der reformierten Kirche Küsnacht zu Ende gehe. Es sei aber nicht so, dass nun vonseiten der Kirchenpflege ein Ersatzangebot aufgegleist würde. «Mit der Einführung der Profilgottesdienste werden sich ohnehin einige Änderungen im kirchenmusikalischen Repertoire der teilnehmenden fünf Kirchgemeinden ergeben », verweist Heberlein auf das Projekt «Kooperation 5+» mit den Gemeinden Zollikon, Zumikon, Erlenbach und Herrliberg. Ab 2018 wird Küsnacht dann jeweils einmal im Monat einen Jazz-Gottesdienst durchführen.

Abschiedskonzert am Sonntag
Weiter bestehen wird auch der Evangelische Kirchenchor unter der Leitung von Jürg Tobler, der ebenfalls der reformierten Kirche angegliedert ist. Und ausgeweitet auf die katholische Kirche hat Küsnacht noch immer ein sehr reiches kirchenmusikalisches Angebot: Mit der Kantorei St. Georg und dem «Ensemble Blue» bestehen dort weiterhin zwei traditionelle Kirchenchöre. Beide werden nach dem Abgang von Kantor Andreas Gut von seinem Nachfolger Joachim Schwander weitergeführt.
Aber auch Martin Huggel wird seine Chorleiter-Tätigkeit noch nicht ganz an den Nagel hängen: Er habe eine Anfrage erhalten von einem kleinen Ensemble, das sich aus einem ehemaligen Chor des renommierten Peter Eidenbenz gebildet hat. «Ich freue mich, dass sich neue Möglichkeiten ergeben haben», so der Barockspezialist. Diese Gruppe habe ein sehr erfreuliches Niveau, sodass er mit ihr vorwiegend a cappella singen werde.
Vorerst heisst es aber Abschied nehmen von Küsnacht: Huggel und die Jürgen-Kantorei tun dies mit einem «Stück für zwei Chöre» von Schütz, einem Werk des Bachschülers Gottfried August Homilius und einer modernen Komposition von Willy Burkhard.



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