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21.06.2017 Von: Lorenz Steinmann

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Stadtzürcher Sportamt schlägt Grosses vor


«Das Papier ist eine Bedarfsanalyse aus Sicht des Sports», betont Urs Schmidig, Direktor des Stadtzürcher Sportamts. (Foto: ls.)

Geht es nach dem Willen des Sportamts der Stadt Zürich, soll das Sportangebot der Bevölkerungszunahme entsprechend ausgebaut werden. Ein Grundlagenpapier des Sportamts tönt verheissungsvoll.

Das trocken als RBS Sport (Raumbedarfsstratege Sport) bezeichnete 60-seitige Strategiepapier des Stadtzürcher Sportamts lässt jeden sportaffinen Zürcher Freudentränen vergiessen. Denn darin sind sehr konkrete Infrastrukturvorschläge aufgelistet. Einige Beispiele: acht neue Doppel- oder Dreifach-Sporthallen, ein neues Sommer-Winter-Kombibad in Schwamendingen, die Überdachung von vier Tennisplätzen auf Stadtgebiet, ja sogar ein neues Hallenbad in Zentrumsnähe oder in Zürich-West, etwa auf dem Gebiet der heutigen KVA Josefstrasse.
Was ist da tatsächlich dran? Urs Schmidig, der Direktor des Sportamts, hat die Studie zusammen mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erarbeitet. Sie stützt sich unter anderem auf eine Umfrage bei den rund 500 Sportvereinen in Zürich. «Es ist eine Bedarfsanalyse aus Sicht des Sports», betont der 49-Jährige. Schmidig: «Ein begründeter Wunschzettel, der dazu beitragen soll, den Status quo der heutigen Versorgung mit Sportanlagen auch im künftigen Zürich mit mehr Einwohnerinnen und Einwohnern auf dem heutigen Niveau zu halten.» Der Bericht sei vom Stadtrat «zur Kenntnis genommen» worden. Das bedeute keine konkrete Zustimmung zu den Projekten, aber doch immerhin einen Auftrag an die Verwaltung, sich mit den Vorschlägen auseinanderzusetzen. «Wir wollen antizipierend agieren und Rücksicht nehmen darauf, dass es immer mehr Familien und Kinder gibt in Zürich und dass die Altersstufe der 40- bis 64-Jährigen ebenfalls überproportional zunimmt», analysiert Schmidig. Handlungsbedarf ortet das Strategiepapier beim Schwimmen, Joggen, Biken, Walken, bei der allgemeinen Fitness, aber auch bei Teamsportarten wie Fussball, Unihockey, Handball und Volleyball. Dabei sei das prioritäre Ziel, bestehende Anlagen effizienter zu nutzen. Schmidig: «Zürich ist eine Stadt mit wenig Platz.» Logisch also, schlägt man beispielsweise vor, bei künftigen Sanierungen von Freibädern zu prüfen, ob quasi auf gleicher Fläche ein Vier-Jahreszeiten-Badeangebot realisiert werden könnte. Konkret aufgeführt ist das Freibad Auhof in Schwamendingen. Oder dass man auf der Sportanlage Hardhof vier Tennisplätze überdachen möchte und so etwas gegen den drohenden Engpass im Winter beim Hallentennis tut. Denn – als Beispiel – die zehn Indoortennisplätze in Schlieren werden in wenigen Jahren wegen eines Bauprojekts abgebaut, so wie das 2013 schon mit dem UBS-Sportzentrum Guggach geschehen ist. Apropos Tennis: Nächste Woche organisiert das Sportamt ein Treffen mit den in Zürich ansässigen Tennisklubs. «Wir möchten diese animieren, selber aktiv zu werden und in Eigenregie Hallen zu bauen und zu finanzieren», so Schmidig.

Ein Hallenbad in Zürich-West?
Finanziell und organisatorisch eine andere Liga wäre das vom Sportamt vorgeschlagene Hallenbad. Angedacht als möglicher Standort ist laut RBS-Papier das heutige Areal der Kehrichtverbrennungsanlage Josef-
strasse. Diese soll um das Jahr 2020 abgebrochen werden. «Es liegt nun an den Raumplanungs- und Bauämtern abzuklären, ob ein geeigneter Standort gefunden werden kann, wie hoch der Landbedarf und die Kosten für den Bau ausfallen würden und bis wann die Realisierung frühestens erfolgen könnte», so Schmidig. Erst danach und unter Abwägung mit anderen vorgeschlagenen Bauprojekten (z. B. neues Altersheim) befasse sich der Stadtrat damit und entscheide, ob die Realisierung eines neuen Hallenbads politisch opportun sei.
Ab 20 Millionen Kosten ist eine Volksabstimmung nötig. Ausnahmen gibts, wenn es sich vor allem um gebundene Kosten handelt, wie etwa die Sanierung des Hallenbades City, wo der Stadtrat den Kredit sprechen konnte.

Doppelnutzung neuer Sporthallen
Ein grosses Thema in der Öffentlichkeit ist der Mangel an Sporthallen, sei es für den Schulsport, sei es für Sportvereine. Die Stadt Zürich versucht, notwendige neue Sporthallen wenn möglich statt als Einfach- als Doppel- oder Dreifach-Sporthallen zu realisieren. Der Vorteil liegt laut Urs Schmidig darin, dass solche Hallen neben dem Schulsport auch für den Vereinssport in den Disziplinen Handball, Volleyball, Unihockey etc. gut geeignet seien. In den nächsten Jahren sind Doppel- und Dreifach-Hallen geplant, beispielsweise bei der Schulanlage Schauenberg (Kreis 11), Hofacker (Kreis 7), Thurgauerstrasse (Kreis 11), Küngenmatt und Am Uetliberg (Kreis 3), sowie Saatlen (Kreis 12) und Witikon.
Schmidig ist sich bewusst, dass die Raumbedarfsstrategie Sport einerseits sehr ambitioniert ist und andererseits Begehrlichkeiten wecken könnte. Wichtig ist ihm deshalb, dass das umfassende Papier in der Öffentlichkeit primär als Bedarfsanalyse wahrgenommen wird. Immerhin: Es ist eine Analyse, welche der Stadtrat zur Kenntnis genommen hat und deren Vorschläge von der Verwaltung nun geprüft werden. Das lässt auf eine Zürcher Zukunft mit attraktivem Sportangebot hoffen.

https://www.stadt-zuerich.ch/ssd/de/index/sport/sportamt/strategie.html

 

«Muss neutral sein»

Der 49-jährige Jurist mit Anwaltspatent Urs Schmidig ist in Ibach (Schwyz) aufgewachsen. Er spielte als Junior Fussball beim FC Ibach (damals noch Nati B) und war später zehn Jahre Mitglied des schweizerischen Langlaufkaders, zwei davon als Profi. Beruflich war er ab 2001 Leiter der Fachstelle Sport des Kantons Zürich. Seit 2009 ist er Direktor des Sportamts der Stadt Zürich. Dieses umfasst rund 450 feste sowie zusätzlich gut 500 Mitarbeitende mit kleinen Arbeitspensen (vor allem Leiterinnen und Leiter von Sportkursen). Das Jahresbudget beträgt rund 120 Millionen Franken. Schmidig lief früher Marathon (2:57 Std.) und absolvierte im Team das legendäre «Race across America»-Radrennen. Am Gigathlon 2017 will er teilnehmen, obwohl er kürzlich beim Velofahren das Schlüsselbein gebrochen hat. Auf die Frage «FCZ oder GC?» lacht er. «Ich muss natürlich neutral sein, aber ich halte immer dem schlechter klassierten Team die Daumen. Wenn es den Zürcher Klubs gut geht, profitiert auch das Sportamt», so Schmidig. (ls.)


 



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