Züriberg Zürich 2 Zürich Nord Zürich West Zürich West mit Quartierecho Küsnachter Küsnachter Amtlich
21.06.2017 Von: Eric Coebergh

Küsnachter

Von Küsnachter Wiesen in die Stadien der Welt gekickt


1927 präsentierte der FCK sein neues Tenü. Mit dabei: die Gebrüder Severino und Peppi Minelli (Vierter und Dritter v.r.). Foto: Festschrift 75 Jahre FCK / zvg

Nationalspieler Severino Minelli (1909–1994) begann seine Laufbahn beim Fussballclub Küsnacht. Im Gastbeitrag werden das Leben der Familie Minelli und der Beginn von «Sevis» Karriere beleuchtet.

Im «Küsnachter» Nr. 22 vom 1. Juni wird im Beitrag über den Küsnachter Fussballstar Severino Minelli die Frage aufgeworfen, wo «Sevi» mit dem Kicken begann. Die Küsnachter Jahrhefte sowie die Festschrift «75 Jahre Fussball-Club Küsnacht» geben hierzu Auskunft.
Der aus Alzano Lombardo bei Bergamo stammende Guerrino Minelli (1880–1936) lernte seine nachmalige Frau in der Schweiz kennen, als er als Maurer im Baugeschäft Longoni in Herisau und sie, Giovanna Adda (1881–1966), in einem Textilunternehmen in Tablat SG tätig waren. Die beiden kehrten nach Italien zurück, wo die Söhne Peppi, Richard und Ludwig auf die Welt kamen. Mitte Juni 1908 liess sich die Familie Minelli definitiv in Küsnacht nieder. Im Haus Dorfstrasse 20 wurde ein Comestibles-Laden mit Weinhandlung eröffnet. Das in Sichtbackstein erstellte Doppelwohn- und Geschäftshaus ist typisch für die Architektur des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Später wurde auch das angrenzende Hotel-Restaurant Falken übernommen, Stammlokal des 1907 gegründeten Fussballclubs Küsnacht. Vor dem Bau des katholischen Kirchenzentrums, d.h. bis 1903, fanden hier unter dem damaligen Besitzer Martin Wanner-Hess die katholischen Gottesdienste statt. Severino kam dann 1909 als viertes und erstes in Küsnacht geborene Kind zur Welt. Am 26. Juni 1921 wurde die inzwischen achtköpfige Familie Minelli ins Küsnachter und damit Schweizer Bürgerrecht aufgenommen.

Mit Konservendosen gekickt
Nach dem frühen Tod von Vater Minelli übernahm Schwiegersohn Hans Brunner-Minelli formell die Geschäfte. Tatsächlich machte seine Frau Natalina die Arbeit. Nach dem 2. Weltkrieg begann im Falken die Ära Willy Schaltegger-Wendel, und an der Dorfstrasse 20 übernahm Walter Oggenfuss den Comestibles-Laden. Hier zog später Malermeister Ludwig Minelli (1907–1985), vorher Bahnhofstrasse 2 und Florastrasse 20, ein. In den 1940er-Jahren hatte er sich als Präsident des Seeclubs Küsnacht vehement für die Juniorenförderung eingesetzt.
Sevi wurde das Fussballspiel ab der 4. Klasse als zehnjährigem Knirps durch Lehrer Karl Kleb beigebracht. Vorher hatte er bereits mit dem Herumkicken von leeren Konservenbüchsen den Falkenplatz unsicher gemacht. Vorbild war sein älterer Bruder Peppi, der ab Wiederaufnahme des Spielbetriebs 1921 Aktivmitglied beim FCK war. Mit 15 Jahren wurde Sevi als Verstärkung (sic!) in die 1. Mannschaft des FCK aufgenommen, als diese den Aufstieg in die Serie C geschafft hatte.
Am 27. September 1925 konnte endlich der Sportplatz Heslibach eröffnet werden. Vorher wurde auf gemähten Wiesen in der Allmend, Hesligen, Schübel, Wohlentbehren, Wulp, beim Gaswerk Heslibach und Giesshübel gespielt. Die Torgehäuse mussten für jeden Match auf- und abgebaut werden, eine mühsame Angelegenheit. Die Ebene des Heslibacher Felds hatte sich nach dem Rückgang des Rebbaus zu einem grossen Gemüsegarten entwickelt. Alte Küsnachter erinnern sich noch an die Namen damaliger Gemüseproduzenten wie Ammann, Kaul und Seger.
Unmittelbar nach der Rekrutenschule trat Minelli im Juni 1929 ein Welschlandjahr in Genf an. In der Freizeit trainierte er intensiv und für sich alleine im Charmilles-Stadion des FC Servette. Er fiel dem Platzwart als «le petit fou Suisse allemand» auf. Nach Eintritt in den Klub und bestandenem Eignungstest startete er dort seine fussballerische Traumkarriere (vgl. dazu Artikel im «Küsnachter» vom 1. Juni). Mit Küsnacht blieb Sevi aber stets verbunden. Hier wohnte er und leitete ab Ende 1930er-Jahre die Agenturen Zollikon und Küsnacht der «Unfall Winterthur». Später kam noch «Helvetia Feuer» dazu.
Auf dem Zenit seiner Laufbahn kehrte er 1947 zu seinem Stammklub FC Küsnacht zurück. Zuerst spielte er in der ersten Aktivmannschaft, anschliessend in der Seniorenmannschaft. Saisonhöhepunkt war hier jeweils das Seniorenturnier mit dem schönsten Wanderpokal der Schweiz, den vom Mexiko-Küsnachter Ruedi Zindel gestifteten «Trofeo Mexico».
Im reiferen Alter war Minelli auch als Jäger unterwegs und als eleganter Spieler auf dem Tennis- und Golfplatz anzutreffen.



Anzeigen

Galerien

Aktuelle Ausgaben

Züriberg vom 12. Oktober 2017
Zürich 2 vom 12. Oktober 2017
Zürich Nord vom 12. Oktober 2017
Zürich West vom 12. Oktober 2017
Küsnachter vom 12. Oktober 2017
Küsnachter Amtlich vom 12. Oktober 2017

Sonderzeitungen

Tonhalle
Lionstag
Abenteuer Stadt Natur 2017
Lernfestival'16
Literaturforum booXkey
Partnerpublikation der Lokalinfo AG
Stadt-Anzeiger Glattfelder Kilchberger