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28.06.2017 Von: Annina Just

Küsnachter

Die Allmend darf ihr «Herzstück» behalten


«Juwel», «Herzstück», «Kraftquelle» – für viele Küsnachter ist die Sunnenwis mit starken Emotionen verbunden. Nun bleibt sie in der Reservezone und wird damit in den nächsten Jahren wohl kaum überbaut. Foto: Annina Just

Die Gegner der Sunnenwis- Einzonung waren in der Überzahl: Nach einer hitzigen Gemeindeversammlung ist klar, dass die Sunnenwis bleibt, wie sie ist.

Nicht nur die Luft in der Heslihalle war am Montagabend vom heissen Tag aufgeladen, die Stimmung ebenso: 593 Küsnachterinnen und Küsnachter waren an die Gemeindeversammlung gekommen, die grosse Mehrheit von ihnen in erster Linie, um über die Umzonung der Sunnenwis in der Küsnachter Allmend zu befinden. Diese Teilvorlage der dritten Teilrevision der Bau- und Zonenordnung (BZO) hielt Küsnacht seit Wochen in Atem. Mehr noch: Die Zonierung dieses Grundstücks beschäftige die Gemeinde seit Jahren, so der zuständige Gemeinderat Martin Wyss (FDP) in seiner Einführung zum umstrittenen Geschäft.
Viele Wortmeldungen dazu waren dann auch sehr emotional und die Zwischenrufe sowie Zuspruchbekundungen durch spontanen Applaus zahlreich. Dies, obwohl Markus Ernst (FDP) immer wieder zur Zurückhaltung aufrief. «Ihren Willen können Sie durch die Abstimmung ausdrücken», so der Gemeindepräsident, der in sattem Tempo durch die Gemeindeversammlung mit insgesamt sieben Traktanden führte.

11-Millionen-Abgabe verhindern
Die Wortmeldungen gegen die Umzonung der Sunnenwis von der Reserve- in eine Bauzone waren klar in der Überzahl. Die Argumente dazu vielfältig, vom poetischen Statement Renate Eglis, das der Natur eine Stimme geben wollte, bis zur Reduktion auf den finanziellen Aspekt vonseiten des Bürgerforums (BFK): «Was nützen uns mehr Steuereinnahmen, wenn diese nur in den Finanzausgleich gehen? Mehr Bevölkerung bedeutet automatisch mehr Ausgaben für Infrastruktur», argumentierte Peter Ritter vom BFK.
Das Gesetz zum Mehrwertausgleich, welches nach Rechnung der Gemeinde eine Abgabe von mindestens 11,2 Millionen Franken bei einer späteren Einzonung verursachen würde, sei noch keine beschlossene Sache, stellte Lorenz Tschudi, Präsident des Quartiervereins Allmend, fest. Damit nahm er Bezug auf das Hauptargument des Gemeinderats. Er stellte dann auch wie im Vorfeld angekündigt den Antrag auf Ablehnung der Teilvorlage. «Die Spielregeln haben sich geändert», hatte Planungsvorstand Wyss zuvor erklärt. Ursprünglich war diese Einzonung nicht Gegenstand der Teilrevision gewesen. Das kantonale Gesetz über den Mehrwertausgleich, welches einem Auftrag aus dem revidierten eidgenössischen Planungsgesetz nachkommt, habe den Gemeinderat zur Überzeugung gebracht, den letzten Zeitpunkt zur abgabefreien Einzonung zu nutzen. «Damit schaffen wir die Grundlage, dass künftige Generationen etwas damit anfangen können », versuchte Wyss, die Stimmbevölkerung zu überzeugen. Er betont mehrfach, dass es zum aktuellen Zeitpunkt nicht um eine Bebauung des Areals gehe, denn dieses unterliege einer Gestaltungsplanpflicht. «Sie können später zum Gestaltungsplan immer noch Nein sagen.»

Abstimmung nach 11 Voten
Die gemeinderätliche Vorlage erhielt aus der Versammlung ebenfalls Unterstützung. «Wir brauchen dringend zusätzlichen Wohnraum. Wenn die Allmend ihren Beitrag dazu nicht leistet, haben dies andere Gebiete zu stemmen», hielt ein engagierter Bürger fest und fuhr fort: «Wollen Sie, dass das Durchschnittsalter in Küsnacht noch mehr steigt? Unsere demografische Entwicklung kostet uns definitiv mehr als eine Zunahme von Familien mit Kindern.»
Für die Einzonung plädierte auch die FDP. Als deren Vertreter wandte sich Vorstandsmitglied Michael Fingerhuth an die Bevölkerung. «Im Interesse der ganzen Gemeinde und für ein vernünftiges Wachstum ist der Einzonung zuzustimmen.» Die Gemeinde brauche zusätzlichen Wohnraum und dazu eigne sich die Sunnenwis als eines der letzten unbebauten Grundstücke innerhalb des Siedlungsgebiets. Nach insgesamt elf Voten und einem Ordnungsantrag, um endlich zur Abstimmung zu kommen, war das Verdikt klar: Küsnacht will den 28 000 Quadratmeter grossen, landwirtschaftlich genutzten Acker freihalten. Dem Änderungsantrag wurde mit grosser Mehrheit, lautem Applaus und Jubelrufen zugestimmt.

Weitere Änderungen angenommen
Überraschend schnell wurde der Teilantrag zu den Kernzonenerweiterungen im Küsnachterberg (Antrag 2.4) durchgewinkt. Damit wird die Gemeinde nun mit dem Kanton über die Umsetzung dieser Teilvorlage verhandeln müssen. Aus Sicht des Amtes für Raumentwicklung handelt es sich bei den betroffenen Siedlungen im Küsnachterberg nämlich um schützenwerte Weilerkernzonen. Dies hat der Kanton in seiner Vorprüfung bereits mitgeteilt.
Neben der Freihaltung der Sunnenwis stiessen zwei weitere Änderungsanträge zur BZO-Teilrevision auf Zustimmung, bevor diese in der Schlussabstimmung deutlich angenommen wurde: Der Rössli-/Kienastpark wird nicht von der Freihaltezone in eine Erholungszone überführt (Antrag 2.8). Dies hatte Kantonsrat Hans-Peter Amrein (SVP) gefordert. Ebenso das Begehren von Bernhard Ulrich, in der Kernzone Dachaufbauten von einem Drittel der Gebäudelänge anstatt nur einem Viertel zuzulassen (Antrag 2.3 Artikel 14). «Ich selber ziehe keinen Vorteil daraus, aber es fördert die Verdichtung », hielt Ulrich fest. Damit würden die Vorgaben an die anderen Bauzonen und die umliegenden Gemeinden angepasst. Dem stimmte die Versammlung ebenfalls zu.
Ein Antrag auf eine nachträgliche Urnenabstimmung über die gesamte BZO-Teilrevision hatte keine Chance – was nach dem grossen Jubel über die Ablehnung kaum überraschte. Der Antragssteller hätte sich gewünscht, dass die 8000 weiteren Stimmberechtigten ebenfalls über die Vorlage abstimmen können. So bleibt es aber beim Entscheid der mehrheitlich direkt betroffenen Bevölkerung, die den Weg an die Gemeindeversammlung gefunden hat.



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